Lieber als eigene Räume sind der Deutschen Post sogenannte Partner-Filialen Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Deutsche Post sucht für drei Stuttgarter Stadtteile auf der Filderebene Einzelhändler für Partner-Filialen. Warum ist das so schwer?

Fasanenhof/Birkach/Sillenbuch - Der Brand am 3. August hat die Räume der Postfiliale an der Kurt-Schumacher-Straße fast vollständig zerstört. Das Feuer war gegen 19 Uhr im hinteren Bereich des Geschäfts ausgebrochen. Ursache war ein defekter Akku, der sich wohl erhitzt hatte und in Flammen ausgebrochen war. Einige Tage später äußerten sich die „Postis“ vom Fasanenhof auf der Facebook-Seite des Stadtteils. „Die Fassungslosigkeit sitzt so tief. Nur so viel, es ist alles kaputt. Natürlich wollt ihr wissen, wie es weitergeht, leider können wir es noch nicht sagen“, ist dort zu lesen.

Seitdem müssen die Fasanenhofer auf die Post in den Räumen der Glücksschmiede an der Widmaierstraße 110 ausweichen. Nun deutet sich an, dass dies wohl noch eine ganze Weile so bleibt.

An der Tür der einstigen Postfiliale auf dem Fasanenhof klebt ein Zettel. „Diese tollen Räume suchen einen neuen Mieter. Frisch renoviert stehen sie bald zur Verfügung“, heißt es dort. Klingt so, als würde es für die Post an diesem Standort keine Zukunft mehr geben. „Dies bedeutet, dass die Bewohner des Fasanenhofs nach Möhringen fahren müssen, wenn sie eine Warensendung, einen dickeren Brief oder ein Einschreiben verschicken wollen.

Wegen Abwesenheit der Empfänger nicht zustellbare Päckchen und Pakete muss man gar in der Postfiliale an der Widmaierstraße abholen“, schreibt eine Leserin. Das bedeute Fahrtkosten. Wer schlecht zu Fuß sei, müsse ohnehin sehen, wo er bleibe. Dass es keine Post auf dem Fasanenhof mehr gebe, sei „ein Ding der Unmöglichkeit“.

Neue Lösungen werden auch für Birkach und Sillenbuch gesucht

Auf Nachfrage unserer Zeitung, ob und wie es im Stadtteil weitergehe, antwortet die Pressestelle der Deutschen Post kurz und bündig: „Der Vertrieb arbeitet dort an einer Lösung.“ Die werden auch für andere Stadtteile gebraucht.

In Birkach zum Beispiel ist die Post seit Ende August zu. Heidi Käser hat die Kooperation beendet, schlicht, weil es ihr zu viel wurde. Sie und ihr Mann konzentrieren sich nun auf ihr Kuchenstüble. Seitdem sucht die Post einen neuen Partner. „Wir konnten bis jetzt leider noch keinen geeigneten Betreiber für die Filiale in Birkach finden. Deshalb wurde unsere Immobilienabteilung beauftragt, auch nach Räumen zu suchen, in denen wir vorübergehend mit eigenem Personal Postdienstleistungen anbieten können“, erklärt der Post-Pressesprecher Marc Mombauer. Die Gemeinde habe aber auf Nachfrage der Post leider auch kein passendes Objekt nennen können.

In Sillenbuch gibt es seit dem 15. September wieder eine Post, und zwar an der Kleinhohenheimer Straße am ehemaligen „Gesunde Kost“-Standort. Allerdings steht schon fest, dass das Gebäude abgerissen wird. Für die Zeit danach gebe es bereits eine Lösung, sagt Mombauer. „In der Kirchheimer Straße 82 A haben wir neue Räumlichkeiten gefunden. Der Umzug ist für das erste Quartal 2021 geplant.“

Von Partner-Filialen profitieren alle Beteiligten, sagt die Post

Prinzipiell bevorzugt die Post aber sogenannte Partner-Filialen, also die Lösung, bei der ein Einzelhändler zusätzlich zu seinem Kerngeschäft noch Postdienstleistungen anbietet. Von einer solchen Kooperation würden alle Beteiligten profitieren, sagt Mombauer. „Die Deutsche Post sichert auf diese Weise für ihre Kunden die Grundversorgung an Standorten des öffentlichen Lebens und zu attraktiven Öffnungszeiten. Den Geschäften bringt die Zusammenarbeit eine Frequenz- und Umsatzsteigerung.“

Doch warum hat die Post dann immer wieder Probleme, einen neuen Einzelhändler zu finden, wenn ein Kooperationspartner aus welchen Gründen auch immer abspringt, wie zuletzt in Birkach, Sillenbuch oder auf dem Fasanenhof? „Natürlich wird es für uns nicht einfacher geeignete Partner in der Fläche zu finden, wenn es dem lokalen Einzelhandel nicht gut geht: Hier bedeuten weniger Ladengeschäfte auch eine geringere Chance auf einen neuen Partner“, antwortet Mombauer auf diese Frage. Wann immer ein neuer Partner gesucht werde, würden die Vertriebsmanager der Post eine aktuelle Liste mit potenziellen Einzelhändlern bekommen, auf die sie dann aktiv zugehen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: