Nach erfolgreichem Abschluss der ersten Bauphase wurde in Plochingen die Einweihung des Gymnasiums gefeiert. Die neuen Räume bieten viele Möglichkeiten für eine moderne Lehre. Bis zum Ende der Sanierung ist es jedoch noch ein langer Weg.
Auf der Bühne der Stadthalle Plochingen begrüßen Schüler der Big Band des Gymnasiums die Gäste mit einer musikalischen Einlage. Zur Einweihungsfeier sind Lehrer, Elternbeiräte, Schüler, Architekten, Handwerker, die Schulleiterinnen der anderen Plochinger Schulen und Vertreter der Politik und Stadtverwaltung gekommen. Die zahlreich erschienenen Gäste zeigen: die Sanierung des Gymnasiums Plochingen ist ein Projekt, das viele Personen betrifft.
Kommunen raufen sich zusammen und verhindern so einen Rechtsstreit
„Der Neubau für die naturwissenschaftlichen Fächer ist ein Quantensprung für Physik, Chemie und Biologie“, sagt der Plochinger Bürgermeister Frank Buß in seiner Eröffnungsrede. Am „Bau B“ genannten Neubau haben sich auch die Nachbargemeinden finanziell beteiligt. Der Vereinbarung zur Mitfinanzierung seien zähe und schwierige Verhandlungen vorausgegangen, sagt Buß. Dennoch hätten sich die beteiligten Gemeinden so ein teures Gerichtsverfahren erspart. „Ich halte es auch für ein starkes Signal für die interkommunale Zusammenarbeit“, sagt der Plochinger Bürgermeister.
In der ersten Bauphase wurde auch der ehemalige „Kupferbau“ saniert. Natürlich lasse der Umbau bestehender Gebäude nicht alles zu, dennoch habe man viele Möglichkeiten genutzt, sagt Heiko Schweigert, Schulleiter des Gymnasiums Plochingen. Bei einer Führung durch die neuen Gebäude zeigt er den Gästen die Ergebnisse der Sanierung. Schweigert hebt vor allem die neu gestalteten Klassenzimmer und Flure hervor. Räume würden neben den Schülern und Lehrkräften als „dritter Pädagoge“ dienen. Ein gut gestalteter Raum könne eine Atmosphäre schaffen, die Bildung fördere, so der Schulleiter.
In den neu gestalteten Klassenzimmern soll dies vor allem durch eine ausreichende technische Ausstattung gelingen. In einem Standardklassenzimmer können Lehrkräfte mithilfe von Tablet, Beamer und Kamera Arbeitsblätter oder Animationen an die Tafel projizieren. „Wir sind auf dem Weg der Digitalisierung“, sagt Schweigert. Durch die Generalsanierung habe die Schule zudem die Möglichkeit, eine zentral gesteuerte IT-Struktur einzurichten, sagt der Schulleiter. Gänzlich fällt der analoge Teil der Lehre jedoch nicht weg. In den Klassenzimmern gibt es nach wie vor Kreidetafeln.
In den Fluren fallen vor allem die zahlreichen Sitzgelegenheiten auf. „Ein ganz wichtiger Punkt ist das selbstständige Lernen der Schüler“, erklärt der Schulleiter. Mithilfe dieser „Lerninseln“ könne auch der Unterricht aus dem Klassenzimmer nach draußen verlagert werden. „Die Schüler freuen sich über die Sitzgelegenheiten“, sagt Schweigert. Momentan sind die Lerninseln auch die zentralen Treffpunkte in den Pausen. Nach der Sanierung des Hauptbaus werde sich das möglicherweise ändern. Mit einer Schülerbibliothek, mehreren Aufenthaltsräumen und einer „Kulturbühne“ sollen noch mehr Räume geschaffen werden, in denen Schülerinnen und Schüler ihre freie Zeit verbringen oder lernen können.
Doch die Sanierung verlief und verläuft nicht problemlos. Verzögerungen durch die Coronapandemie, steigende Inflation oder Asbestfunde in den alten Gebäuden führten immer wieder zu einer Verlängerung und steigenden Kosten. Außerdem wird der Schulalltag beeinflusst. „Phasenweise war der Lärm ein großes Problem“, sagt Schweigert. „Momentan kämpfen wir mit den langen Wegen“, fügt er hinzu. Da der Hauptbau wegen der Sanierung gesperrt ist, führten alle Wege um ihn herum, was zu kürzeren Pausen führe. Dennoch falle das Fazit der Lehrkräfte positiv aus. „Ich bin wirklich sehr glücklich und zufrieden“, sagt Schweigert.
Wünschenswerte andere Vorhaben müssen in die Warteschleife
2026 soll die Sanierung des Gymnasiums komplett abgeschlossen werden. Nach der Sanierung des Hauptbaus, die im Frühjahr 2025 beendet werden soll, folgt in einer dritten Bauphase die Sanierung der Restgebäude. Die Kosten für die Sanierung führten dazu, dass weitere Projekte wie beispielsweise die Sanierung des ZOB nur mit einer erheblichen Neuverschuldung zu bewältigen seien, sagt der Plochinger Bürgermeister. „Wünsche werden wir uns in nächster Zeit kaum erfüllen können“, fügt er hinzu. Dennoch sei das Ergebnis der ersten Bauphase sehr gut gelungen. „Heute ist für das Gymnasium und für die Stadt Plochingen ein Tag der Freude, allerdings nicht der uneingeschränkten Freude“, sagt Buß.
Geld und Bäume für das zweitgrößte Gymnasium im Südwesten
Investitionskosten
Für die erste Bauphase rechnet die Stadt Plochingen mit Kosten von etwa 21,5 Millionen Euro. Die Generalsanierung des Hauptbaus werde circa 25 Millionen Euro verschlingen, während die Kommune für die dritte Bauphase Kosten in Höhe von insgesamt 11,5 Millionen Euro veranschlagt.
Schule
Mit etwa 1250 Schülern ist das Gymnasium Plochingen eine vergleichsweise große Schule. Es ist das zweitgrößte allgemeinbildende Gymnasium in Baden-Württemberg.
Pflanzarbeiten
Nachdem der von der Stadt beauftragte Garten- und Landschaftsbauer Insolvenz angemeldet hat, läuft momentan eine Ausschreibung für die Pflanzarbeiten. Noch in diesem Jahr sollen die Bäume im Außenbereich gepflanzt werden.