Deutschland konnte viele Lehren aus der Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt ziehen, findet OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Foto: EPA

Nach den USA ist die Bundesrepublik weltweit zum zweitbeliebtesten Ziel für Zuwanderer geworden, wie aus dem „Internationalen Migrationsausblick“ hervorgeht, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Montag in Paris vorstellte.

Paris/berlin - Kein anderes europäisches Land hat im vergangenen Jahr mehr Menschen aus anderen Ländern angezogen als Deutschland. Etwa 465 000 Zuwanderer kamen 2013 – rund doppelt so viele wie sechs Jahre zuvor. Nach den USA ist die Bundesrepublik weltweit zum zweitbeliebtesten Ziel für Zuwanderer geworden, wie aus dem „Internationalen Migrationsausblick“ hervorgeht, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Montag in Paris vorstellte.

Dass die Zahl der dauerhaften Migranten zum vierten Mal in Folge im zweistelligen Prozentbereich anwuchs, sei besonders bemerkenswert, da andere große Einwanderungsländer wie die USA, Spanien oder Italien rückläufige Zahlen vermerken. Insgesamt wanderten 2013 gut vier Millionen Menschen dauerhaft in einen der 34 OECD-Mitgliedsstaaten aus. Das bedeutet eine Zunahme von 1,1 Prozent. Doch ohne die Entwicklung in Deutschland würde die Migration zurückgehen.

Geringqualifizierte Zuwanderer haben höhere Beschäftigungsquote als in Deutschland geborene Personen mit gleichem Bildungsstand

Eine deutliche Mehrheit zieht innerhalb Europas um. EU-Weit wiederum ging 2013 jeder dritte Migrant nach Deutschland, während es im Jahr 2007 nur jeder zehnte war – häufig mit dem Ziel, hier eine Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren. Die berufliche Integration funktioniert dabei immer besser: So hat die Beschäftigungsquote der Zuwanderer 68 Prozent erreicht, das sind fünf Prozentpunkte mehr als 2007. „Geringqualifizierte Zuwanderer haben sogar eine höhere Beschäftigungsquote als in Deutschland geborene Personen mit dem gleichen Bildungsstand“, heißt es in der Studie.

„Deutschland konnte in den vergangenen Jahren viele Lehren aus der Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt ziehen“, lobte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Nachholbedarf bestehe aber bei der Einbindung hochqualifizierter Zuwanderer, von denen nur die Hälfte einem Beruf nachgingen, der ihrem Ausbildungsniveau entspreche. Außerdem haben ein Drittel der Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln Probleme, Deutsch zu lesen und zu schreiben. Die Experten empfehlen mehr berufsbezogene Sprachförderung sowie eine verbesserte Anerkennung ausländischer Qualifikationen.

Gurría:  „Zuwanderer sind eine Ressource, kein Problem, aber das hohe Potenzial wird noch nicht vollständig genutzt“

Die OECD-Ergebnisse stützen die Ergebnisse aus einer kürzlich von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegebenen Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, nach der die Zuwanderung den deutschen Sozialkassen 2012 deutlich mehr genutzt als geschadet habe: Demnach hätten die 6,6 Millionen Menschen ohne deutschen Pass für einen Überschuss von 22 Milliarden Euro gesorgt. „Zuwanderer sind eine Ressource, kein Problem, aber das hohe Potenzial wird noch nicht vollständig genutzt“, erklärte auch Gurría gestern in Paris. Er plädierte für eine „radikal“ verbesserte Integrationspolitik, die allen diene.

Die OECD-Studie zeige, dass eine zügige Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Sprachförderung den Grundstein bei der Integration von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt legten, sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). „Deshalb bauen wir diese Bereiche konsequent aus.“

Neben der dauerhaften Zuwanderung verzeichnete Deutschland dem OECD-Bericht zufolge auch einen kräftigen Anstieg der Asylbewerberzahlen, die insgesamt vor allem aufgrund des Konfliktes in Syrien zunahmen. Von den insgesamt 555 000 in den Mitgliedsländern der internationalen Organisation gestellten Anträge entfiel rund ein Fünftel auf Deutschland. Es wurde damit zum größten Aufnahmeland noch vor den USA mit 68 000 und Frankreich mit 60 000 Anträgen. Da nur eine Minderheit der Asylbewerber ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Deutschland erhält, hat das aber wenig Einfluss auf den Anstieg der dauerhaften Zuwanderung.

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