Stuttgarts einstiger Besucher-Liebling Wilbär hat in Schweden für den langersehnten Eisbären-Nachwuchs gesorgt. Und offenbar kommt Tochter Miki doch ein wenig nach ihrem Vater.
Bad Cannstatt - Es ist rund 13 Jahre her, dass in der Wilhelma ein kleiner, pelziger Racker mit dunklen Knopfaugen die Besucherherzen im Sturm eroberte. Wilbär hieß der erste und bislang einzige in Stuttgart geborene Eisbären-Nachwuchs. Seitdem dieser im Mai 2009 den zoologisch-botanischen Garten in Richtung Orsa-Raubtierpark in Schweden verlassen hat, ist es ruhig um ihn geworden. In Gesellschaft von gleich zwei Eisbären-Damen, Ewa und Hope, verbrachte er die vergangenen Jahre auf dem riesigen Gelände mit Seen und Flussläufen, das rund 300 Kilometer nordwestlich von Stockholm liegt. Natürlich wurden Wilbär die beiden Weibchen nicht ohne Hintergedanken zur Seite gestellt – auch in Schweden hoffte man auf Nachwuchs. Wohlwissend, dass dies schwierig wird: Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) wurden im Jahr 2019 insgesamt 24 Eisbären geboren – nur 13 von ihnen überlebten.
Der langersehnte Schrei eines Jungtiers
Im Herbst vergangenen Jahres registrierten die Verantwortlichen im Raubtierpark Orsa Veränderungen im Verhalten von Ewa. „Sie war viel ruhiger und zufriedener als in den Vorjahren“, beschreibt Direktorin Pernilla Thalin die ersten Anzeichen. Am 3. Dezember 2020 war es soweit: Aus der Wurfhöhle hörten die Mitarbeiter des Parks den langersehnten Schrei eines Jungtiers. Ein Eisbären-Mädchen, das später den Namen Miki bekommen sollte, wurde geboren. „Uns war sofort klar, dass etwas Aufregendes und Wunderbares passiert war.“ Mit Hilfe einer Kamera, die die Bewegungen und Geräusche aufzeichnet, verfolgten die Kuratoren im Park die Entwicklungen in den folgenden Tagen und Wochen. Minute für Minute. Erfreut, aber auch angespannt. Würden beide die kritische Anfangsphase meistern? „Es ist eine Erfahrung, die über das Übliche hinausgeht“, sagt Park-Chefin Thalin rückblickend.
Miki macht schon kleine Ausflüge
Ewa bringt rund 320 Kilogramm auf die Waage, das Jungtier hingegen kommt zu diesem Zeitpunkt lediglich auf ein Gewicht von rund 500 Gramm. Aber entgegen allen Befürchtungen erweist sich die Eisbärin als fürsorgliche Mutter. „Und sie ist sehr geduldig“, sagt Thalin. Seit dem Frühjahr erfreut nun Miki auch die Herzen der Besucher in Schweden. Gemeinsam mit Ewa streift sie durch das Gelände, unternimmt längere Ausflüge, schwimmt, legt an Gewicht zu und probiert seit kurzem das gleiche Essen wie die erwachsenen Eisbären. Anfangs sei Miki sehr an Ewa gehangen. Mittlerweile hat das Eisbären-Mädchen ihre Freiheiten zu schätzen gelernt. „Sie spielt im Wasser herum und macht kleine Ausflüge allein im Gehege.“ Einige Charaktereigenschaften teilt sie übrigens mit Wilbär. „Sie ist sehr neugierig und verspielt“, verrät Pernilla Thalin. Ob Miki dieselbe Vorliebe für blaue Plastiktonnen und Kanister wie ihr Vater entwickeln wird, bleibt allerdings noch abzuwarten.