Volker Stauch an seinem sporthistorischen Oldtimer, dem 300er SE, mit dem Eugen Böhringer 1963 in Argentinien siegte. Foto: Kuhn

Volker Stauch war 35 Jahre lang in verantwortlichen Positionen „beim Daimler“. Kein Wunder beweist er auch im „Ruhestand“ seine Managerqualitäten: als Lagerist, Spediteur, Firmenberater und ehrenamtlicher Mulitfunktionär.

Untertürkheim - Volker Stauch hat bei Daimler 35 Jahre lang in verantwortlicher Position gearbeitet, als Leiter des Mercedes-Benz-Werks Untertürkheim Tausende Beschäftigte geführt, das Stammwerk ins 21. Jahrhundert geführt und „nebenbei“ schwierige Projekte gemeistert: 1997 den Elchtest, Toll Collect 2004 und den Bau des Mercedes-Benz-Museums nennt Stauch als die drei herausragenden Aufgaben. So ist es nicht verwunderlich, dass der „Macher“ nach dem Abschied aus dem Unternehmen im Jahr 2010 sich keineswegs in den Ruhestand verabschiedete. Im Gespräch mit ihm merkt man sofort: Der 66-Jährige hat Benzin im Blut, den Daimler-Stern im Herzen und sein Manager-Gen will etwas bewegen und anderen helfen. Die ersten vier Monate habe er tatsächlich zuerst durchgeschnauft. „Dann hat mir meine Frau gesagt, dass es doch besser wäre, wenn ich noch ein bissle etwas anpacke“, erinnert sich Stauch.

Logistik-Unternehmen gegründet

Per Zufall sei er auf ein heruntergekommenes Lagergebäude in der Nähe seines Wohnorts Weilimdorf aufmerksam geworden. Er erwarb es, ließ es modernisieren und umbauen. Als er einen säumigen Mieter, der eine Spedition besaß, kündigen musste, rief ihn eine Woche danach die US-Firma an, deren feuergefährliche Produkte in den Spezialräumen seiner Lagerhalle untergebracht sind. „Sie fragten mich, ob ich nicht als Spediteur für sie einspringen könne.“ Stauch wäre kein Manager, wenn er keinen Weg aus dem Dilemma finden würde. Mit einem Freund gründete er ein Logistik-Unternehmen. „Deswegen bin ich heute Lagerist und Spediteur“, sagt er lachend und präsentiert stolz das topmoderne Lagergebäude, an das er im Erdgeschoss einen schicken Event-Raum anbauen ließ.

„Ausgestattet mit Küche, Toilette und moderner Technik können hier ungestört Geburtstage, Hochzeiten oder Firmenfeste gefeiert werden.“ In Wandvitrinen ausgestellte Mini-Automodelle geben dem Raum ein besonderes Flair und einen Namen: Hubraum. Autos sind eben Stauchs Leidenschaft. So besitzen er und seine Söhne einige Oldtimer – natürlich allesamt mit dem Stern auf der Kühlerhaube und einigen Rennkilometern von einst und von Oldtimerrallyes auf dem Tacho.

Managerkompetenzen gefragt

Doch auch einige Tausend Zug-, Autobahn- und Flugkilometer sammelt Stauch. Schließlich sind seine Managerkompetenzen in etlichen Aufsichtsräten gefragt. „Allerdings nur in kleineren und mittleren Unternehmen.“ In Prozessen zu denken, ist dem Ingenieur während der Zeit in der Autoindustrie in Fleisch und Blut übergegangen. Diese Fähigkeit stellt er nun als Aufsichtsratsmitglied Firmen in Deutschland, Italien, Schweiz und China zur Verfügung. Daneben berät er Betriebe – „nicht mit tollen Wirtschaftsplänen und ausgearbeiteten Analysen, sondern eher hemdsärmlig, mit Erfahrung und Herz.“ Es gehe ihm darum, insbesondere Unternehmen im Ländle zu unterstützen und Arbeitsplätze wieder sicherer zu machen. „Es macht Spaß zu erleben, wie ein Betrieb wieder in Schwung kommt.“

Wissen weitergeben

Mit dieser Freude gibt Stauch sein Wissen auch an nachfolgende Generationen weiter. Seit 27 Jahren hält er Maschinenbau-Vorlesungen an der Universität Karlsruhe, wurde vor fünf Jahren zum Professor ernannt, gab in diesem Semester aber die ehrenamtliche Tätigkeit auf, um nicht jeden Dienstag eine Verpflichtung zu haben. Schließlich ist Stauch noch Vorsitzender des Württembergischen Automobil Clubs, des ältesten Automobilclubs der Welt. Er empfindet dies als ein Vermächtnis, den 1899 von Daimler, Bosch und Maybach gegründeten Verein, professionell zu führen. Bei Ausfahrten, Abendessen und hochkarätigen Vorträgen treffen sich „führende Persönlichkeiten der Republik, um in gemütlichem Rahmen über automobile Inhalte zu reden und zu diskutieren“, erzählt Stauch. Es ist nicht Stauchs einziges Ehrenamt.

Den Vorsitz des Fördervereins zur Erhaltung von Lokomotiven der Maschinenfabrik Esslingen hat er zwar an Thomas Schäfer abgegeben, dem er dankbar ist, dass „er sich mit Vehemenz in ein Mammutprojekt reinkniet“, das Stauch als Werkleiter mit Sitz auf dem Gelände der einstigen Maschinenfabrik angestoßen hat: die Restauration einer in Mettingen hergestellten Rangierlok T3. Auch aus der Zeit als Werkleiter stammt das Engagement für Star Care. Vor 20 Jahren von ihm sowie Freunden initiiert, sammelt der Verein mit außergewöhnlichen Benefiz-Aktionen wie der Star-Care-Tour, Konzerten und Charity-Veranstaltungen Geld, das sozialen Projekten für Kinder zugutekommt. Der langjährige Star-Care-Vorsitzende Stauch sitzt bei den Star-Care-Touren dabei selbstverständlich und mit viel Freude im Führerhaus der 40-Tonner, die Wein und andere Produkte für den Benefizverkauf aus Südeuropa nach Stuttgart transportieren. Privat wechselt er jedoch gerne das Lkw-Steuer mit dem seines Fahrrads. „Von Stuttgart aus will ich alleine den Jakobsweg nach Santiago de Compostela bewältigen.“ Etliche Kilometer saß er bereits im Sattel, hat die Pyrenäen erreicht. „Kommendes Frühjahr soll die letzte Etappe folgen. Sie führt mich über den Nordweg an der Küste entlang bis zur Kathedrale. 24 000 Höhenmeter sind dabei zu bewältigen.“ Er folge damit dem Rat eines befreundeten Arztes und ehemaligen Klassenkameraden. Dieser habe ihm geraten, aktiv zu bleiben, aber darüber selbst zu bestimmen. „So macht der Ruhestand Spaß“, sagt der fünffache Opa und Hobbyimker Stauch ohne Zeitdruck und vollkommen entspannt.

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