Das alte Gebäude ruht weiterhin im Dornröschenschlaf. Foto: Jürgen Brand

Es gibt viele Vorschläge für eine Nutzung der vor sich hin bröckelnden einstigen Königsvilla im Stadtteil Berg. Der Verein Berger Bürger hat nun eine neue Idee: Sie schlägt für die Villa Berg ein Konzept nach dem Vorbild des Berliner Projekts Urania vor.

S-Ost - Mit mehr als 1800 Mitgliedern einer der größten gemeinnützigen Vereine in Berlin, mehr als 80 Kooperationspartner beim Programm, etwa 1300 Veranstaltungen jedes Jahr, besucht von rund 200 000 Menschen – die Urania in Berlin beeindruckt mit ihren Zahlen. Ziel der Berliner Großeinrichtung ist, „wissenschaftliche Bildung für alle Bürger zu vermitteln” und als Lern- und Bildungsort allen Berlinern und Besuchern der Bundeshauptstadt offen zu stehen. Dieses Konzept schlägt der Verein Berger Bürger jetzt als neue Nutzung für die Villa Berg und die leer stehenden Fernsehstudios im Park der Villa vor, „damit die Villa Berg ein Ort für Jedermann mit allen Möglichkeiten werden kann“, wie die Vorstandssprecherin des Vereins, Monika Benda, schreibt.

Es gibt inzwischen viele Vorschläge für eine Nutzung der vor sich hin bröckelnden einstigen Königsvilla im Stadtteil Berg. Sie reichen von einem Haus für Film und Medien über eine Art Bürgerzentrum, das von Vereinen genutzt wird, bis hin zu einer gastronomischen Nutzung. Dafür engagieren sich unterschiedliche Personen und Gruppen. Im Verein Neues Kommunales Kino für Stuttgart beispielsweise haben sich Institutionen wie die die Film- und die Kunstakademie, das Lindenmuseum, das Deutsch-Türkische Forum, die Volkshochschule und viele mehr zusammengeschlossen. Der Verein setzt sich für ein Haus für Film und Medien in der Villa ein. Die parteiunabhängige Initiative Occupy Villa Berg hat im vergangenen Jahr Vorschläge für eine Nutzung des Anwesens und des Parks gesammelt und in einer Dokumentation dem Oberbürgermeister Fritz Kuhn überreicht. Diese spiegelt die Vielfalt und sich teilweise widersprechenden Wünsche der Bürger für die Villa Berg wider.

Seit Monaten wird über die Zukunft der Villa verhandelt

In der Kommunalpolitik der Landeshauptstadt gibt es seit vergangenem Jahr zumindest eine stabile Mehrheit, dass die Stadt die Villa und die Fernsehstudios kaufen soll. In einem Grundsatzbeschluss ist festgeschrieben, dass die Villa saniert und öffentlich genutzt werden soll. Die Studiogebäude dagegen sollen abgerissen und die Fläche wieder in einen Park verwandelt werden.

Davon konnte bis jetzt noch nichts umgesetzt werden, weil Villa und Studios der Düsseldorfer Investmentgesellschaft PDI gehören. Diese wollte ursprünglich die Studios in Wohnungen umwandeln und die Villa beispielsweise zum Standort eines Varieté-Theaters machen. Dafür fehlt allerdings das erforderliche Baurecht. Seit Monaten verhandeln der PDI-Chef Matthias Düsterdick und OB Kuhn regelmäßig hinter verschlossenen Türen. Über den Inhalt der Gespräche wurde Stillschweigen vereinbart, nach außen dringt bisher nichts.

Ein Ort, an dem Kultur für jedermann erlebt und gelebt wird

Mit seinem Vorschlag bringt der Verein Berger Bürger ein Konzept ins Gespräch, das Chancen hat, zumindest einige der Interessengruppen zu vereinen. „Ein Veranstaltungsort, an dem Spaß, Bildung, Musik, Kunst und Kultur für Jedermann erlebt und gelebt werden kann. Es darf keine Begünstigung bestimmter Interessensgebiete erfolgen und kein Fokus auf bestimmte intellektuelle Kreise gelegt werden. Idealerweise: ein Veranstaltungsort für Jedermann, interessant, vielfältig, erschwinglich“, heißt es in der Beschreibung.

Ein Kontakt zum Präsidium der Urania Berlin besteht, von dort wird Unterstützung signalisiert. So schlägt der Direktor der Urania, Ulrich Bleyer, ein Dreisäulenmodell für die Umsetzung der Idee in der Villa Berg vor: eine Kulturstiftung für die Finanzierung, einen Förderverein für die Programmgestaltung und eine eventuell gemeinnützige GmbH als Betreibergesellschaft für den Geschäftsbetrieb. Das will der Verein Berger Bürger nun vorantreiben. „Die Chancen eines solchen Konzeptes sollten sich alle Interessenvertreter und Entscheidungsträger bewusst machen“, schreibt der Verein.

Die Urania – ein Kulturbetrieb mit Tradition

Geschichte: Die Urania in Berlin besteht bereits seit 1888. Sie geht auf eine Idee von Alexander von Humboldt zurück. Ziel war von Anfang an, wissenschaftliche Erkenntnisse auch einem Laienpublikum zugänglich zu machen.

Gebäude: Das Gebäude der Berliner Urania steht in Schöneberg und ist seit 1962 Sitz des Vereins. Neben großen Foyers und Lofts stehen dort auch vier Säle mit 70 bis 860 Plätzen für Veranstaltungen aller Art zur Verfügung.

Verein: Der Urania-Verein hat mehr als 1800 Mitglieder und wird von einem sechsköpfigen Vorstand geleitet. Er beschäftigt 19 Mitarbeiter zur Planung und Umsetzung des Programms. Mehr im Internet unter www.urania.de.

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