Ende einer Dreierbeziehung. Porsche kehrt dem VfB und Daimler dem Rücken und beendet sein Engagement in der Stuttgarter Nachwuchsarbeit. Foto: Baumann

Porsche legt beim VfB den Rückwärtsgang ein und fördert künftig Talente von Borussia Mönchengladbach. Über die Hintergründe des Rückzugs, der auch im Engagement des großen Konkurrenten begründet liegt.

Stuttgart - Stuttgart beherbergt bekanntlich zwei prominente Automarken, die in einigermaßen friedvoller Koexistenz miteinander leben und für ihr Geschäftsmodell werben. Auch am heimatlichen Sport-Standort war das bislang so. Bestes Beispiel: Mercedes tritt traditionell als Namensgeber für das Tennisturnier der Männer auf, Porsche bei den Damen.

 

Beim größten Sportverein aus Bad Cannstatt hat Daimler aus alter Tradition seit jeher die Hausmacht. Vor Jahren stieg aber auch Porsche als Sponsor beim VfB Stuttgart ein, wenn auch in deutlich kleinerem Umfang. Ein seltener und unter Marketinggesichtspunkten hochsensibler Deal, der von der fußballerischen Konkurrenz neidische Blicke auf sich zog. Zwei Wettbewerber, zwei Weltfirmen bei einem Club – das gibt es nicht allzu oft.

Porsche überlässt Daimler das Feld

Nun hat Porsche aber den Rückzug aus Cannstatt angetreten, wie ein Sprecher des Sportwagenherstellers auf Anfrage bestätigte. Ab der kommenden Spielzeit, die für den Aufsteiger am Samstag (15.30 Uhr/Liveticker) gegen den SC Freiburg beginnt, wird Porsche nicht mehr als Bandenwerbepartner in der Mercedes-Benz-Arena in Erscheinung treten. Die Kooperation mit der VfB-Fußballschule („Turbo für Talente“) war bereits 2018 ausgelaufen.

„Durch die Neustrukturierung des VfB Stuttgart haben wir uns damals in Abstimmung mit dem VfB entschieden, die Partnerschaft im Jugendbereich nicht weiterzuführen“, begründete der Unternehmenssprecher den Ausstieg.

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Gemeint ist die bereits 2017 vollzogene Umwandlung der Profisparte in eine Aktiengesellschaft mit Daimler als Ankerinvestor (11,75 Prozent). „Wir sehen es – auch im Sinne der guten Nachbarschaft – als geboten an, dem Hauptsponsor und Anteilseigner zusätzlichen Raum zur eigenen Präsentation zu geben,“ erklärt der Porsche-Sprecher den Abschied.

Statt weiter den Nachwuchs am Heimatstandort zu fördern und bei Heimspielen über LED-Tafeln zu flimmern, haben die Zuffenhausener ihre Fühler weit in den Westen ausgestreckt. Vor Tagen wurde eine Kooperation mit Bundesligakonkurrent Borussia Mönchengladbach bekannt. Porsche tritt dort ab der kommenden Saison als Namensgeber des Nachwuchsinternats Fohlenstall sowie als Bandensponsor auf – mit dem Ex-Stuttgarter Sami Khedira als Botschafter.

VfB präsentiert neue Sponsoren

„Borussia Mönchengladbach leistet traditionell hervorragende Jugendarbeit“, begründete der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Lutz Meschke den Einstieg. Er betont: „Uns geht es darum, Jugendlichen Werte und soziale Kompetenzen über den Sport zu vermitteln.“ Das Unternehmen legt Wert darauf, sein Engagement im Fußball auf den Nachwuchsbereich zu beschränken und als gesellschaftliche Verantwortung zu verstehen.

Porsches Kernsportarten im Marketing bleiben Golf und Tennis. Neben der Borussia engagiert sich der Sportwagenbauer aber auch am Produktionsstandort Leipzig bei RB, bei Sonnenhof Großaspach und den Stuttgarter Kickers. Beim VfB agiert seit sechs Jahren Mercedes als Hauptwerbepartner des Nachwuchsleistungszentrums, davor war es die EnBW. Ausrüster Jako hat die Nachfolge von Porsche im Bereich der Fußballschule angetreten.

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Doch was bedeutet der Porsche-Abgang für den VfB? Zwar hat der Aufsteiger in Daimler weiterhin einen mächtigen Anteilseigner und in der Mercedes-Benz-Bank einen zahlungskräftigen Trikotsponsor. Aber eben auch einen namhaften Werbepartner verloren. Im roten Haus wird darauf verwiesen, dass Borussia Mönchengladbach eben Champions League spiele und der VfB ein Aufsteiger sei. Sportliche Gründe also den Ausschlag gegen den VfB gegeben hätten, was Porsche freilich anders darstellt.

Der finanzielle Verlust beläuft sich auf gut eine halbe Million Euro pro Jahr, der durch andere Sponsoren aufgefangen werden konnte. In dieser Woche wurden der Sportwettenanbieter Tiptorro und die Supermarktkette Tegut präsentiert, am Samstag soll auf der ehemaligen Porsche-Bande ein neuer, überregionaler Sponsor auftauchen.

Lange Kampf um beide Autobauer

Über den Imageverlust durch den Abgang des Sportwagenbauers gibt es im Verein verschiedene Ansichten. Eine Edelmarke wie Porsche stehe jedem gut zu Gesicht, also auch dem VfB – Daimler hin oder her, sagen die einen. PS-starke Sportwagen entsprechen nicht mehr unbedingt dem Zeitgeist, argumentieren andere.

Vor einem halben Jahr ist der VfB im Nachwuchs bereits eine Kooperation mit dem Naturschutzbund Nabu eingegangen. Bei der neuen Partnerschaft mit Tegut werden in der VfB-Mitteilung „Bio-Erzeugnisse, Nachhaltigkeit und regionale Produkte“ der Supermarktkette hervorgehoben. Die Roten verpassen sich offensichtlich einen grünen Anstrich.

Dabei hat man von Seiten des VfB in der Vergangenheit lange mit beiden Autobauern um eine gemeinsame Sponsorentätigkeit ringen müssen. Den Untertürkheimern kam der Porsche-Einstieg am Ende sogar ganz gelegen – will man doch selbst nicht den Eindruck eines „VfB Daimler“ vermitteln. Von einer Marke, die ähnlich enge Bande mit einem Club pflegt wie Red Bull mit Leipzig oder VW mit Wolfsburg.

Fürs Erste fördert Porsche nun also woanders Talente. In Mönchengladbach erfährt der Autohersteller ohne den großen Konkurrenten aus Stuttgart wohl größere Aufmerksamkeit. Die Abkehr vom Club der Heimatstadt sei aber nicht für alle Ewigkeit, heißt es bei Porsche. Für die Zukunft wolle man nichts ausschließen.