Die Lokführer erhalten von 2020 an eine Personalreserve. Foto: dpa

Das Verkehrsministerium in Stuttgart schreibt Stellen für 28 Triebfahrzeugführer aus, die an vier Standorten in Einsatzbereitschaft sein sollen – falls Kollegen erkranken und ausfallen.

Stuttgart - Um Zugausfälle wegen fehlender Lokführer zu vermeiden, wird das Land an den Standorten Stuttgart, Ulm, Offenburg sowie Tuttlingen/Singen Einsatzgruppen für einen Bereitschaftsdienst aufbauen. Eine europaweite Ausschreibung für die Besetzung dieses Pools mit Triebfahrzeugführer ist jetzt vom baden-württembergischen Verkehrsministerium veröffentlicht worden. Neben höherer Gewalt und technischen Problemen gehört das Fehlen von Lokführern aus Krankheitsgründen zu den häufigsten Ursachen für Zugausfälle. Für Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) ist der Pool ein Schritt zu einem besseren Nahverkehr auf der Schiene: „Wir sorgen für einen Sicherheitspuffer, damit die verschiedenen Eisenbahnunternehmen bei Bedarf schnell auf zusätzliches Personal zurückgreifen können. Damit helfen wir, ärgerliche Zugausfälle zu vermeiden“, sagte Hermann am Montag.

Ein bundesweit einmaliger Weg, sagt der Minister

Das Land betritt mit der Maßnahme Neuland. Es sei eigentlich die Aufgabe der Verkehrsunternehmen, genügend Personal und eine Reserve bereitzustellen, meinte der Minister. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten aber gezeigt, dass es daran oft mangele. „Im Interesse der Fahrgäste gehen wir diesen bundesweit einmaligen und ungewöhnlichen Weg. Ein Verkehrsunternehmen, das zu knapp kalkuliert hat, kann Personal kostenpflichtig ausleihen“, sagte Hermann.

Der Pool wird in jeder Region aus einer Sitzbereitschaft mit je vier Lokführern und einer Langzeitreserve mit je drei Lokführern bestehen. Die Lokführer der Sitzbereitschaft können bei drohenden Zugausfällen kurzfristig einspringen, die zweite Reserve wird für längerfristige Einsätze von mehreren Tagen oder Wochen aufgebaut. Finanziert wird der Standby-Pool der Triebfahrzeugführer, so die offizielle Bezeichnung, vom Land. Wenn Bahnunternehmen auf die Mitarbeiter zugreifen, müssen sie sich an den Kosten beteiligen. So wird verhindert, dass Unternehmen im Vertrauen auf den Pool beim eigenen Personal sparen, und die Kosten des Landes werden gegenfinanziert.

In Stuttgart soll es schon im Januar 2020 losgehen

Am 1. Oktober 2020 soll es mit der Einsatzbereitschaft der Lokführer los gehen. Für die Sitzbereitschaft im Großraum Stuttgart ist als vorgezogener Starttermin der 1. Januar 2020 vorgesehen. Zu den Kosten will das Verkehrsministerium noch keine Aussagen machen, um den Bieterwettbewerb nicht durch eigene Preiserwartungen negativ zu beeinflussen. Die Maßnahme ist zunächst befristet auf drei Jahre.

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