Das Stuttgarter Theater Rampe ist eine der Einrichtungen, die von den Fördergeldern des Landes profitieren. Foto: Theater//Kathrin Wesely

Das Land vergibt in einer ersten Auszahlung Fördergelder für Kultureinrichtungen. Über 900 000 Euro werden an 44 Vereine und Institutionen ausgezahlt. Die Höchstsumme von 50 000 Euro geht gleich zwei Mal nach Stuttgart.

Stuttgart - Einige Kultureinrichtungen können ein wenig aufatmen: Das Förderprogramm „Kultur Sommer 2020“ des Kunstministeriums vergibt im ersten Schritt Fördergelder von mindestens 5500 Euro bis zu 50 000 Euro mit einem Gesamtvolumen von 900 000 Euro. Insgesamt sollen 2,5 Millionen Euro aufgewendet werden – geschöpft aus den Corona-Rücklagen des Landes. Das Geld soll laut dem Ministerium den Betreibern helfen, trotz teils aufwendiger Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz ein Corona-fähiges Kulturprogramm im Sommer anzubieten.

Nicht jedes Konzept wäre wirtschaftlich tragfähig

Jeweils der Höchstbetrag von 50 000 Euro ging an den „Live Sommer 2020“, die Autokonzerte am Stuttgarter Flughafen von der Südwestdeutschen Konzertdirektion Michael Russ – sowie an das Stuttgarter Theater Rampe für „Raketenradio“. Vornehmlich sei das Geld dafür einzusetzen, um erforderliche Hygiene-Maßnahmen zu gewährleisten. Das gewährleistet das Konzept der Autokonzerte am Stuttgarter Flughafen per se. Dass diese überhaupt stattfinden können, so der Russ-Geschäftsführer Paul Woog, liege daran, dass „wir selbst einen hohen Eigenanteil reinstecken“. Der Aufwand, der dort betrieben werde, um in kürzester Zeit bekannte sowie regionale Künstler auf die Bühne zu holen und überhaupt eine Bühne bieten zu können, „übersteigt bei Weitem das, was wir finanziell damit rausholen“, so Woog. Ihm gehe es vornehmlich um das Signal an die Menschen. „Es muss irgendwie weitergehen“, sagt der Geschäftsführer und fügt hinzu: „Dabei hilft uns die Förderung des Landes enorm“. Denn: nicht immer sind die Autokonzerte ausverkauft – das Konzept selbst also ist wirtschaftlich nicht tragfähig. Laut Woog merke man deutlich, dass viele sich noch im Krisenmodus befinden. Deshalb freue er sich umso mehr, dass man durch das Fördergeld ein wenig entlastet werde.

Studioband, DJs und aktuelle Themen

Auch im Theater Rampe freut man sich über den Geldbetrag. Dort wird das Projekt „Raketenradio“ gestartet. In einer monatlichen, frei empfangbaren Webshow sollen aktuelle und zeitlose Themen behandelt werden. Zwar gebe es kein Publikum vor Ort, doch die Moderatoren, Künstler und Musiker müssen unter vorschriftsmäßigen Corona-Bedingungen produzieren können, erklärt die Pressesprecherin Kathrin Stärk.

Aufgenommen wird das Webradio in den Räumen der hauseigenen Bar Rakete. Die Moderatoren Aliki Schäfer und Andreas Vogel empfangen dabei eine Reihe von Gästen. Die Band BRTHR mit Joscha Brettschneider und Philipp Eissler wird als Studioband auftreten. Außerdem legen unter anderem die DJs Prince Bahadu, Dexter und Igor Tipura auf. Weitere Studiogäste sind Stefan Hiss und die Journalistin Sophie Rebmann. Die erste Online-Sendung wird am Donnerstag, 25. Juni, ausgestrahlt.

Ohne Fördergeld kein „Raketenradio“

„Wir wollen mit dem Raketenradio einen Teil der Stuttgarter Popkultur am Laufen halten“, sagt Stärk. Dazu gehöre einerseits, dass die Corona-Zeit für Fans bestmöglich überbrückt werde durch solche Formate. „Andererseits ist das auch für die Künstler, denen im Moment alle Einnahmen wegbrechen, eine Möglichkeit, wieder ihrer Arbeit nachzugehen“, erklärt die Pressesprecherin. Der Großteil der Fördergelder werde für Honorare verwendet, darunter die Macher, Gäste, aber auch Menschen hinter den Kulissen wie etwa Grafiker.

Insgesamt sind über 30 Leute aus der Kulturszene an dem Projekt beteiligt. „Equipment ist zwar größtenteils vorhanden, dennoch muss das Studio Corona-tauglich gemacht werden, und es fallen Leihgebühren für spezielles Radio-Equipment an“, so Stärk. Anders als bei den Autokonzerten auf dem Stuttgarter Flughafen ist es dem Theater Rampe nur durch die Fördergelder des Landes möglich, das „Raketenradio“ umzusetzen. „Als der Bescheid kam, haben wir jubiliert“, erzählt Stärk.

Notprogramm umfasst 50 Millionen Euro

Zwei Vereine aus Esslingen, das Kulturzentrum Dieselstraße und Live-Musik Esslingen, bekamen ebenfalls Geld aus dem Fördertopf. Erstere erhalten für das Parkplatzfestival 2020 über 8000 Euro. Das Projekt Jazz auf der Wiese wird derweil mit 20 000 Euro gefördert. Ebenfalls mit annähernd 50 000 Euro wird dem Ludwigsburger Kulturbetrieb Scala unter die Arme gegriffen. Dieser will mit diversen digitalen TV-Formaten die Kunstszene den Sommer über am Laufen halten.

Insgesamt umfasst das Notprogramm für Kunst und Kultur des Landes Baden-Württemberg rund 50 Millionen Euro. Neben „Kultur Sommer 2020“ gibt es das Förderprogramm „Kunst trotz Abstand“, bei dem Projekte mit einer längerfristigen Planung berücksichtig werden. Außerdem wird der freie Eintritt für Kinder und Jugendliche in Landesmuseen gefördert.

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