Der Diakonie-Kontaktladen: Ende April ist Schluss. Foto: Simon Granville

Eine ganz besondere Einrichtung schließt in Leonberg ihre Pforten. Der Diakonie-Kontaktladen war 17 Jahre lang Anlaufstelle für Menschen mit kleinem Geldbeutel. Wie und ob es weitergeht, ist offen.

Insgesamt 17 Jahre gab es ihn, jetzt ist Schluss – wenngleich auch nicht ganz freiwillig. Der Diakonie-Kontaktladen, in Leonberg auch unter dem liebevollen Namen „DiKoLa“ bekannt, stellt zum 30. April seinen Betrieb ein. Das teilt Tom Bredow, Bezirksgeschäftsführer des Evangelischen Diakonieverbands im Landkreis Böblingen, mit.

 

Diakonie-Kontaktladen über viele Jahre eine Institution

Der gemeinnützige Laden unter der Trägerschaft des Diakonieverbandes Böblingen war über viele Jahre hinweg in der Bahnhofstraße eine feste Institution in Leonberg. Bürgerinnen und Bürger konnten ihre nicht mehr benötigte, gut erhaltene Kleidung sowie Haushaltsartikel spenden. Ehrenamtlich Mitarbeitende sortierten die Waren und bereiteten sie für den Verkauf vor – damit Menschen mit kleinem Geldbeutel günstig einkaufen konnten.

Aber auch der soziale Kontakt kam nie zu kurz: Besucherinnen und Besucher fanden stets ein offenes Ohr für ihre Anliegen, in der Caféecke gab es Platz und Zeit für ein Schwätzchen oder eine Pause – oder einen Erstkontakt für Beratungen aller Art. „Ohne die unermüdliche Arbeit der rund 45 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wäre es nicht möglich gewesen, dieses Angebot des Evangelischen Diakonieverbandes so lange Zeit aufrechtzuerhalten“, betont Bredow.

„Wir hören hier auf“: Ein neues Domizil ist noch nicht gefunden. Foto: Simon Granville

Doch warum muss der Laden nun schließen? „Nachdem das angemietete Gebäude in der Bahnhofstraße zu groß und unwirtschaftlich wurde, musste der Diakonieverband schweren Herzens kündigen“, sagt Bredow. „Trotz intensiver Suche konnte bisher leider kein geeignetes Ladengeschäft gefunden werden.“ So bleibe nur, die Zuversicht nicht zu verlieren. „Und natürlich müssen wir auch Danke sagen.“ Dies richte sich sowohl an die Ehrenamtlichen als auch an die fest angestellte Ladenleitung. „Mit viel Herzblut und Engagement haben sie diese Arbeit vorangebracht und immer weiter ausgebaut.“ Ein Dank gehe auch an die vielen Spenderinnen und Spender über die Jahre.

Mit dem Diakonie-Kontaktladen geht ein wichtiges Angebot verloren

Mit dem Diakonie-Kontaktladen geht ein wichtiges Angebot in Leonberg verloren, ebenso ein Treffpunkt und eine erste Anlaufstelle, um zwanglos und informell mit Beraterinnen der Diakonie in Kontakt treten zu können. „Es bleibt zu hoffen, dass wir als Diakonie dieses wichtige Angebot an anderer Stelle wieder anbieten können“, so Tom Bredow.

Offenbar unabhängig vom Ende des Diakonie-Kontaktladens steht dem Grundstück an der spitzen Ecke Bahnhofstraße/Rutesheimer Straße über kurz oder lang eine Veränderung bevor. Der Leonberger Gemeinderat hat im Dezember 2024 grünes Licht dafür gegeben, dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht für die 552 Quadratmeter große Fläche mitsamt dem Wohn- und Geschäftshaus wahrnehmen kann. Allerdings hält man sich seitens der Verwaltung bedeckt beim Thema. „Wir befinden uns derzeit noch in der Bearbeitung“, antwortet Stadt-Pressesprecherin Leila Fendrich auf eine Anfrage dieser Zeitung. Man könne also zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mehr dazu sagen.

Bevor der „DiKoLa“ dort einzog, war an der Kreuzung über viele Jahre das traditionsreiche Einrichtungshaus „Polster Bendel“ zuhause – der Schriftzug ziert noch heute die Fassade. Das Gebäude wurde etwa 1950 als Wohnhaus mit Ladengeschäft errichtet und erstreckt sich fast über das gesamte Gelände.

Das Areal ist Teil des Stadtumbaugebiets „Zwischenstadt“. Die Stadt möchte dort öffentliche Räume gestalten und die Verkehrs- und Wegeverbindungen neu ordnen. Der Kreuzungsbereich Bahnhofstraße/Rutesheimer Straße ist dabei in Sachen Verkehr ein Thema. Das Stadtumbaugebiet umfasst wesentliche Teile eines städtebaulichen Neuordnungsbereichs zwischen der historischen Altstadt und der sogenannten Neuen Stadtmitte rund um Leo-Center und Römergalerie.

Einen externen Interessenten habe es wohl auch gegeben

Wie der FDP-Fraktionsvorsitzende Horst Nebenführ einst im Finanz- und Verwaltungsausschuss mitteilte, hätte sich hingegen auch ein externer Käufer für das Areal gefunden. Die Rede war von 23 Wohneinheiten, die dort hätten entstehen können. Ob das Haus schließlich abgerissen wird, wie die neue Bebauung am Ende aussehen wird und wie viel Raum gegebenenfalls eine neue Verkehrsführung einnehmen wird, das alles ist Zukunftsmusik. Einen Kreisverkehr, das dürfte allemal sicher sein, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht werden – diese Möglichkeit ist schon vor vielen Jahren als nicht machbar verworfen worden.