Oft wird den Kommunen vorgeworfen, dass es ihnen nur um Abzocke gehe, wenn sie Blitzer aufstellen. Die Einnahmen der Großen Kreisstädte sind beachtlich, es gibt aber eine Ausnahme.
Blitzer sind eine leidige Sache – vor allem für den, der geblitzt wurde. Aber sie sind selbstredend wichtige Instrumente, um Tempolimits zur allgemeinen Verkehrssicherheit durchzusetzen; so wie etwa an der Böblinger Panzerstraße (wir berichteten). Wie wichtig sind sie aber als Einnahmequelle für die Kommunen?
Die Frage nach den Einnahmen ist zumindest in fast allen Fällen eindeutig zu beantworten: Ja – für die Kommunen lohnt sich das Blitzen. Man muss jedoch Einschränkungen machen, denn es lässt sich nicht in Heller und Cent darstellen, wie „teuer“ das Geschäft intern ist, sprich, wie viel Personal zumeist aus den Bürger-und Ordnungsamt für die Aufgaben gebraucht wird. Der zweite Punkt, an dem man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen darf, ist das Verkehrsaufkommen. Hat eine Kommune viel Durchgangsverkehr? Das unterscheidet sich ganz grundsätzlich – etwa zwischen Böblingen und Herrenberg. Und natürlich gibt es stationäre und mobile Blitzer. In Böblingen etwa gibt es rein zahlenmäßig mehr stationäre Blitzer. Der Landkreis setzt hingegen überwiegend mobile Blitzer (sogenannte Enforcement Trailer) ein, was mehr Aufwand bedeutet.
„Hinweise aus der Bürgerschaft zu möglichen Gefahrenstellen werden bei der Planung der Einsatzorte berücksichtigt.“
Konrad Hünerfeld, Sprecher der Stadt Sindelfingen
Der Landkreis hat im vergangenen Jahr zum Beispiel ein solches Gerät für rund 188 000 Euro gekauft. Demgegenüber plante man mit rund 350 000 Euro Personal- und Sachkosten – und „zu erwartenden Mehreinnahmen von jährlich rund 750 000 Euro“, heißt es in der Drucksache des Finanzausschusses im Kreistag vom Dezember 2024. Das Gerät, das Böblingen im Jahr 2023 kaufte, hat etwa 300 000 Euro gekostet.
Die Kreisbehörde besitzt insgesamt vier solche Trailer. Der erste wurde 2020 (in Reaktion auf die damalige Unfallserie auf der B 464) angeschafft, der vierte eben im vergangenen Jahr. In den vergangenen sechs Jahren hat der Landkreis im Durchschnitt nach eigenem Bekunden rund 4,3 Millionen Euro durch Blitzer eingenommen – da lohnen sind derlei Anschaffungskosten allemal.
Alle Kreisstädte außer Herrenberg besitzen Enforcement Trailer
Für die Großen Kreisstädte gilt Ähnliches: der Landkreis (vier), die Städte Böblingen (einer), Sindelfingen (zwei) und Leonberg (einer) haben eigene Trailer – Herrenberg besitzt keine derartige Anlage. Der Vorteil eines eigenen Geräts liegt auf der Hand. Man kann es gezielt und über Tage dort einsetzen, wo man will. Der Sprecher der Stadt Sindelfingen, Konrad Hünerfeld, sagt: „Die Festlegung der Einsatzorte erfolgt durch das Ordnungsamt unter Berücksichtigung der örtlichen Verkehrssituation sowie verkehrssicherheitsrelevanter Aspekte.“ Die meisten Einnahmen generierte die Stadt an diesen Stellen: im Jahr 2020 und 2021 in der Neckarstraße/Böblinger Straße. In den Jahren 2022 bis 2024: in der Leonberger Straße und im vergangenen Jahr in der Allmendstraße.
Hünerfeld weiter: Schwerpunkte der Geschwindigkeitsüberwachung lägen insbesondere an Unfallhäufungsstellen, im Umfeld von Schulen, Kindergärten und Alteneinrichtungen sowie auf Straßen, die beispielsweise aufgrund von Umleitungen temporär stärker belastet sind. Und: „Auch Hinweise und Meldungen aus der Bürgerschaft zu möglichen Gefahrenstellen werden bei der Planung der Einsatzorte berücksichtigt.“ In Sindelfingen schwankten die Einnahmen extrem in den vergangenen fünf Jahren: Im Jahr 2020 waren es rund 195 000 Euro, ein Jahr später rund 120 000 Euro, dann rund 635 000 Euro und im Jahr 2023 wieder nur rund 300 000 Euro.
Böblingen nimmt im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Euro ein
Vergleicht man allerdings ganz statistisch die Einnahmen, so sieht man: Böblingen ist (wenn an das vergangene Jahr zugrunde legt) die Blitzerhauptstadt im Landkreis. Allein im vergangenen Jahr sind im Stadtsäckel dort 1,3 Millionen Euro aus Blitzereinnahmen angekommen. Damit liegt Böblingen recht einsam an der Spitze der Einnahmen. Der Stadtsprecher Gianluca Biela dazu: „Die Zahlen sind zuletzt angestiegen, da sich vor allem der Bußgeldkatalog von 2023 auf 2024 merklich verändert hat. Daher sind die nachfolgenden Zahlen nicht miteinander vergleichbar. Die Änderung des Katalogs geschieht durch den Bund.“
Es folgt mit einem gehörigen Abstand Sindelfingen mit rund 700 000 Euro. Rund 550 000 Euro hat Leonberg eingenommen – im Jahr 2020 war es noch nicht einmal die Hälfte mit rund 200 000 Euro, auch in Leonberg schwankten die Einnahmen. Schlusslicht im vergangenen Jahr ist Herrenberg. Rund 270 000 Euro hat die Gäustadt 2025 aus Blitzern eingenommen. Vor fünf Jahren war das durchaus anders. Im Jahr 2020 kassierte man in Herrenberg noch rund 530 000 Euro, also mehr als doppelt so viel. Die Jahre dazwischen schwanken stark: Im Jahr 2022 rund 290 000 Euro, ein Jahr drauf rund 560 000 Euro. Im Jahr 2024 rund 410 000 Euro und 2025 eben 270 000 Euro.
In Herrenberg wurde 2025 am wenigsten geblitzt
Fahren in Herrenberg und Umgebung jetzt alle so gesittet? Oder verzichtet die Stadt auf Blitzer? Passieren deshalb mehr Unfälle? Die Sprecherin der Stadt, Tilla Steinbach: „Wünschenswert wäre, dass die Autofahrenden das Tempolimit zunehmend beachten, weshalb weniger Blitzer ausgelöst werden.“ Die Sprecherin erklärt sich die aktuelle Zahl aber etwas weniger philanthropisch: Man habe im Bereich mobiles Blitzen in den vergangenen Jahren vermehrt unbesetzte Personalstellen im Vollzugsdienst. Trotzdem: Es ist nicht bekannt, dass es in Herrenberg zu mehr Unfällen kommen würde, weil Tempolimits zwar ignoriert, aber weniger geahndet würden.