Einlenken bei Mieterhöhungen Vonovia ist kein Wohltäter

Von Jürgen Bock 

Viele Vonovia-Mieter wehren sich massiv gegen teure Modernisierungen – jetzt lenkt das Wohnungsunternehmen ein. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Viele Vonovia-Mieter wehren sich massiv gegen teure Modernisierungen – jetzt lenkt das Wohnungsunternehmen ein. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der Wohnungsriese Vonovia will weniger modernisieren und die Mieten nicht so stark erhöhen. Das passiert nicht aus gutem Willen, sondern weil ein massiver Imageschaden entstanden ist.

Stuttgart - Eine Aktiengesellschaft lebt von ihren Geschäftszahlen. Rollt der Rubel, steigt die Rendite, sind die Aktionäre zufrieden. Doch ganz so einfach ist die Sache dann doch nicht. Denn es gibt noch ein paar weitere Faktoren, die sich auf den Wert eines Unternehmens auswirken können. Dessen Ruf zum Beispiel. Droht der, dauerhaft Schaden zu nehmen, kann das nicht gut sein. Zum Beispiel, wenn ein Wohnungskonzern bundesweit als Vorreiter für teure Umbaumaßnahmen gilt, die aus günstigen Wohnungen teure machen. Wenn Mieter vor der Frage stehen, wie sie sich das noch leisten können sollen. Und wenn Oberbürgermeister offen das böse Wort „Abzocke“ in den Mund nehmen.

Vonovia läuft Gefahr, genau in dieser Schmuddelecke zu landen. Dabei tut das größte deutsche Immobilienunternehmen nichts Verbotenes. Es schöpft lediglich den gesetzlichen Rahmen aus, und das noch nicht einmal maximal. Doch die Folgen für die oft langjährigen Bewohner sind enorm, wenn Mieten plötzlich um mehr als die Hälfte in die Höhe schießen. Gerade in teuren Ballungsräumen, wo es kaum noch bezahlbare Alternativen gibt.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass Vonovia jetzt einen neuen Kurs ankündigt. 40 Prozent weniger Modernisierung und geringere Mieterhöhung lautet die Devise. Das ist zu begrüßen, nimmt es doch Schärfe aus der Diskussion. Zum Wohltäter wird der Konzern deshalb nicht. Das Geld wird in andere Bereiche umgeleitet. Und künftige Modernisierungen werden immer noch genug abwerfen. Nicht umsonst rechnet Vonovia-Chef Rolf Buch nicht mit Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung. Auch Klimaschützer dürfen beruhigt sein: So manches der Gebäude hätte gar keine energetische Sanierung nötig. Die Aktionäre müssen sich also keine Sorgen machen.

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juergen.bock@stuttgarter-nachrichten.de

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