Mit Video - Das neue Einkaufszentrum Gerber an der Paulinenbrücke ist am ersten Tag von Neugierigen geradezu überrannt worden. Bald öffnet auch das Milaneo hinterm Hauptbahnhof. Viele Händler in der Innenstadt sehen das mit Schrecken. Der Handelsverband fordert ein Verschönerungskonzept von der Stadt.

Das neue Einkaufszentrum Gerber an der Paulinenbrücke ist am ersten Tag von Neugierigen geradezu überrannt worden. Bald öffnet auch das Milaneo hinterm Hauptbahnhof. Viele Händler in der Innenstadt sehen das mit Schrecken. Der Handelsverband fordert ein Verschönerungskonzept von der Stadt.

Stuttgart - Natalia Wörner ist voll des Lobes. „Das Gerber ist eine wunderschöne Mischung aus Mode, Kosmetik, Kulinarik und vielem anderen. Es gibt hier eine schöne Atmosphäre und eine schöne Architektur“, sagt die eigens für die Eröffnung engagierte Schauspielerin am Dienstmorgen brav ins Mikrofon. Vor dem Eingang Marienstraße warten zu diesem Zeitpunkt schon Hunderte Menschen. Nach einer Einsegnung des Gebäudes schreitet Wörner zur Tat und darf ein Bändchen durchschneiden.

Bahn frei für die Kunden, die das neue Einkaufszentrum an der Paulinenbrücke mit seinen 86 Läden und Gastronomieangeboten geradezu stürmen. Drin gibt es Luftballons, Stelzenläufer, Musik und Eröffnungsangebote. Im Lauf des Tages füllt sich das Haus noch mehr. „Das Interesse ist überwältigend. Wir sind sprachlos“, freut sich Geschäftsführer Frank Lebsanft vom Projektentwickler Phoenix, das Haus sei „gerammelt voll.“

Dem schicken Inneren und dem in die Umgebung eingefügten Äußeren können sich die meisten Besucher nicht entziehen. Auch Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes Baden-Württemberg, schaut sich bewundernd um. „Es gibt gute und schlechte Einkaufszentren. Das Gerber gehört sicher zu den guten. Die Architektur passt ins Viertel, der Branchenmix gefällt mir gut“, sagt sie.

Doch die Stimmung kippt rasch, wenn das Thema Milaneo angesprochen wird. Das zweite neue Einkaufszentrum hinter dem Hauptbahnhof öffnet am 9. Oktober und wird noch größer. „Das Milaneo ist nicht an die Innenstadt angebunden und wird es auch nie sein“, kritisiert Hagmann. Es sei schwer einzuschätzen, ob es funktionieren werde. Wichtig sei jetzt aber etwas anderes: „Stuttgart muss jetzt schauen, dass die Stadtmitte aufgewertet wird. Es muss ein Verschönerungskonzept her.“ Den Verband erreichten zahlreiche solche Forderungen von seinen Stuttgarter Mitgliedern, die um die Kundschaft fürchteten.

Laut Hagmann steht nicht weniger als der gesamte Einzelhandel in der Region auf dem Spiel. „Auch die Städte um Stuttgart herum müssen jetzt den Schuss gehört haben“, sagt sie. Wenn sie jetzt nicht überall massiv die stationären Händler unterstützten, könnten die den Anschluss verlieren. Und wenn die Kunden erst einmal weg sind, kommen sie in der Regel nicht wieder.

In Stuttgart sieht der Verband Bedarf zum Beispiel in der Kronprinz-, Calwer oder Stiftstraße. Besonders in der Kronprinzstraße haben die Händler zuletzt massiv über zahlreiche Werbeveranstaltungen, aber auch den maroden Straßenbelag geklagt. Der wird so schnell nicht beseitigt. Die Stadt hat angekündigt, dass die auf 2,64 Millionen Euro veranschlagten Arbeiten erst 2016 beginnen und 2017 abgeschlossen sein sollen.

Für viele Innenstadthändler ist das zu spät. Als Reaktion auf die Beunruhigung allenthalben soll es in der nächsten Woche ein Gespräch zwischen Handelsverband, City-Initiative und Stadtverwaltung geben. Dabei wird es um die neuen Einkaufszentren, um Sauberkeit, Sicherheit und die vielen Info- und Werbestände in der Innenstadt gehen. Hagmann fordert: „Damit muss ein Prozess in Gang kommen.“

Im Gerber ist derweil bereits alles im Fluss. Dort werden künftig pro Tag rund 25 000 Besucher erwartet.

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