Vor manchen Häusern in Sillenbuch finden sich Kolonnen von Einkaufswagen. Foto: Simone Bürkle

In den Wohngebieten rund um das Einkaufszentrum am Sillenbucher Markt stehen haufenweise gemopste Einkaufswagen. Die Supermärkte bestätigen das Problem.

Sillenbuch - Es sieht aus wie vor einem Supermarkt: Gleich acht Einkaufswagen stehen da in einer Reihe, fein säuberlich aneinander gekettet und ordentlich abgestellt. Nur, dass das Ganze nicht vor einem Supermarkt spielt – sondern vor einem Mehrfamilienhaus an der Käthe-Loewenthal-Straße.

Wer sich die Mühe macht, durch die Wohngebiete rund um den Sillenbucher Markt zu spazieren, entdeckt immer wieder solche abgestellten Einkaufswagen. Mal stehen sie achtlos am Straßenrand, mal liegen sie kreuz und quer verstreut auf Wiesen und Grünflächen.

Die Leute fahren Lebensmittel im Einkaufswagen bis nach Hause

Heiko Hörnicke, der im benachbarten Seniorenstift Augustinum lebt, fallen die gemopsten Einkaufswagen schon seit einer ganzen Weile auf. „Die Leute fahren ihre Einkäufe nach Hause und lassen den Wagen dann vor der Tür stehen oder stoßen ihn ins Gebüsch oder den Straßengraben“, sagt der 87-Jährige.

Die Wagen stammen überwiegend vom Netto-Markt, aber auch der Neukauf ist betroffen vom Schwund. Beide sind im Einkaufszentrum am Sillenbucher Markt. „Manchmal ist der Wagenraub so stark, dass der Standplatz am Supermarkt leer ist“, berichtet Hörnicke. Für den Pensionär ist das ein Unding: „Mich wundert, dass ein so massives Unrecht einfach kommentarlos hingenommen wird.“

Betroffene Supermarktketten kennen das Problem

Tatsächlich ist das Problem für die betroffenen Supermarktketten nicht neu. „Es ist bekannt, dass immer mal wieder Einkaufswagen verschwinden“, sagt eine Sprecherin von Edeka-Südwest, zu dem der Neukauf-Markt gehört. Im vorliegenden Fall sei das aber noch im Rahmen, Sillenbuch sei nicht besonders auffällig, was jenes Phänomen angehe.

„Den Schwund von Einkaufswagen in Stuttgart-Sillenbuch können wir bestätigen“, schreibt auch eine Sprecherin der Netto Marken-Discount AG auf Nachfrage. Die Einkaufswagen in besagtem Netto-Markt unterzubringen, sei aus Platzgründen nicht machbar, darum müssten sie im Unterstand davor gelagert werden.

Das Unternehmen würde aber großen Wert darauf legen, seinen Kunden „ein optimales Einkaufen“ zu ermöglichen. Deshalb würden – sofern Netto über einen Fundort informiert werde – die Wagen „selbstverständlich eingesammelt und von uns zum Markt zurück geführt“.

Heiko Hörnicke hat auf seine Nachfragen vor Ort allerdings ganz andere Auskünfte bekommen. Er habe mit dem Manager des Netto-Markts gesprochen. „Der sagte, dass er weder die Zeit noch das Personal habe, um die Wagen einzusammeln“, erzählt der Senior.

An Privatpersonen werden keine Einkaufswagen verkauft

Eine besonders originelle Aktion hat Heiko Hörnicke übrigens an der Klara-Neuburger-Straße beobachtet. Dort hat jemand seit Jahren einen Einkaufswagen aus dem Netto-Markt in einem eigens reservierten Platz in einem Häuschen geparkt, in dem sonst Mülltonnen untergebracht sind. Nachdem Hörnicke den Wagen einmal aus dem Unterstand geholt und an den Straßenrand gestellt hat, wurde der Wagen umgehend an seinen angestammten Platz zurückgebracht.

Seither hängt ein selbst gebasteltes Schild über dem Wagen. Darauf ist zu lesen, das Gefährt solle stehen gelassen werden, weil es gekauft sei. „Ob derjenige, der den Wagen so nutzt, damit wohl meint, er habe ihn zum Preis von einem Euro erworben?“, fragt Heiko Hörnicke. Rechtmäßig gekauft ist der Wagen jedenfalls wohl kaum. Die Netto-Sprecherin hält dies für ausgeschlossen: „Wir verkaufen grundsätzlich keine Einkaufswagen an Privatpersonen.“

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