Der als Betreiber des Breuningerlands bekannte ECE-Konzern soll das abgewirtschaftete Einkaufszentrum in der City übernehmen. Foto: Leif Piechowski

Das Ludwigsburger Marstall-Center steht offenbar kurz vor seiner Wiedergeburt. Ausgerechnet der ECE-Konzern will sich um die Aufwertung der Einkaufsruine am Rand der Fußgängerzone kümmern – und nach dem Breuningerland auch in der City bald die Kassen klingeln lassen.

Ludwigsburg - Kaum noch Kundschaft, immer mehr leer stehende Geschäfte und ein nicht zu übersehender baulicher Verfall – das Marstall-Center hat sich zum Sorgenkind des Einzelhandels in der Barockstadt entwickelt. Während das Breuningerland an der A 81 mit Erweiterungsplänen für Schlagzeilen sorgte und in der City mit dem Einkaufszentrum in der Wilhelm-Galerie ein neuer Kundenmagnet entstand, dümpelte der 1975 eröffnete Betonklotz am Fuß der Fußgängerzone vergessen vor sich hin.

Der Grund: Die äußerst komplizierten Eigentumsverhältnisse und das mangelnde Interesse beteiligter Investorenfonds verhinderten eine dringend nötige Sanierung, die abgewirtschaftete Ladenpassage war bald nur noch als grandiose Bausünde ein Begriff. Weil im Umfeld nur Ramschläden und Spielcasinos das Bild prägten, zogen immer mehr Einzelhändler die Reißleine – und suchten lieber einen neuen Standort.

Spätestens mit dem Auszug von Karstadt schien der Niedergang der einst als Glücksfall für den Einzelhandel gefeierten Einkaufsimmobilie nicht mehr aufhaltbar, auf einen Schlag stand mehr als die Hälfte der 22.000 Quadratmeter Verkaufsfläche leer. „Seit Jahren fehlt die Entschlossenheit, eine längst überfällige Generalsanierung in die Wege zu leiten“, kritisierte Ludwigsburgs OB Werner Spec schon 2009 die Blockadepolitik der Besitzer.

Den Exodus des wichtigen Ankermieters nannte Spec den „traurigen Höhepunkt“

Der Rathauschef hatte vergeblich versucht, den Insolvenzverwalter des Handelsriesen vom Erhalt der Filiale im Marstall-Center zu überzeugen. Den Exodus des wichtigen Ankermieters nannte Spec den „traurigen Höhepunkt“ einer selbst verursachten Abwärtsspirale. Doch statt der erhofften Trendwende schlossen auch noch der Drogeriemarkt Schlecker und die Textil-kette C & A ihre Türen. Selbst einer Sicherheitsfirma war das Umfeld der Einkaufs-Ruine nicht mehr geheuer – der Betrieb suchte sich am Holzmarkt eine neue Bleibe.

Inzwischen freilich gibt es wieder einen Hoffnungsschimmer fürs Marstall-Center. Bereits im Sommer nämlich hat sich das Rathaus von den Besitzern der Ladenflächen die Verkaufsbereitschaft vertraglich zusichern lassen. Die Stadt ist schließlich in höchstem Maße daran interessiert, dass in die Hängepartie um die architektonische Altlast endlich Bewegung kommt – und die längst in der Schublade liegenden Pläne zur Aufwertung des Umfelds in die Tat umgesetzt werden.

Nötig wäre für einen Neubeginn ein zweistelliger Millionenbetrag

Mit den Unterschriften der Eigentümer in der Tasche verhandelt die eigens gegründete Tochtergesellschaft mit Betreiberfirmen, die sich ein Engagement im Marstall-Center vorstellen könnten. Die größten Chancen hat offenbar der Hamburger ECE-Konzern, der auch das Breuningerland an der Autobahn betreibt. Ironie am Rande: Als die Stadt vor drei Jahren eine Erweiterung des zu den größten Shopping-Tempeln im Südwesten zählenden Einkaufszentrums um noch einmal 9800 Quadratmeter mit dem Verweis auf die schutzbedürftige Innenstadt ablehnte, dachten etliche Bürgervertreter schon über eine tragende Rolle der ECE beim Marstall-Center nach. Statt auf der grünen Wiese neue Shops anzusiedeln, solle sich der Branchenprimus doch lieber um die Einkaufs-Immobilie in der Innenstadt verdient machen und dem Marstall-Center zu einer neuen Blüte verhelfen, lautete der damals nicht ganz ernst gemeinte Rat.

Nötig wäre für einen Neubeginn ein zweistelliger Millionenbetrag. Schon als Kaufpreis sind mindestens zwölf Millionen Euro im Gespräch, die Sanierungskosten gab ein Gutachten schon vor Jahren mit mehr als 20 Millionen Euro an. Sicher ist, dass der Immobilien-Deal bis März 2013 über die Bühne gehen muss – so lange gilt die Verkaufsoption der Besitzer. Keiner prophetischen Gabe bedarf es wohl auch bei der Frage, wann die Erweiterungspläne fürs Breuningerland wieder auf den Tisch kommen. Kümmert sich die ECE ums Marstall-Center, dürfte ein erneuter Antrag für mehr Verkaufsfläche an der A 81 nur eine Frage der Zeit sein.

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