Nach dem Auszug des Ankermieters Real zieht sich ein Geschäft nach dem anderen aus dem einzigen größeren Einkaufszentrum im Rems-Murr-Kreis zurück. Der russische Eigentümer hält sich auf Nachfragen ziemlich bedeckt.
Die Tiefgarage und das Parkdeck auf dem Dach des Gebäudes sind mit Gittern versperrt. Auch im Inneren des Waiblinger Einkaufszentrums Remspark an der Stadtrandgrenze nach Fellbach herrscht ein äußerst übersichtlicher Betrieb. Die Musik, die aus dem ersten Ladengeschäft dringt, täuscht. Eine Verkäuferin in der Filiale einer Jeansladenkette scheint an diesem Nachmittag das einzige menschliche Wesen weit und breit zu sein.
Der Ankermieter Real ist im Februar ausgezogen
Schon kurz hinter dem Treppenaufgang verkündet eine Apotheke auf einem Klappschild: „Wir ziehen um“. In mehreren leer stehenden Glaskästen ist Ähnliches zu lesen. Der Blick in andere Parzellen, etwa dort, wo einst ein Elektronik-Markt Kunden anzog, ist durch Posterwände mit bunten Einkaufstüten verwehrt. Von dem Stand einer örtlichen Bäckerei zeugt nur noch ein Firmenschild. Die riesige Verkaufstheke ist komplett in eine Folie eingehüllt. Nur wenige Einkaufsmöglichkeiten, darunter ein Schuh-Filialist, ein Tabakladen und ein Schlüsseldienst, trotzen dem allgemeinen massiven Schwund in dem Einkaufszentrum. Immerhin, der Essensgeruch an einem Asia-Food-Stand deutet an, dass der Betrieb noch nicht gänzlich lahmgelegt worden ist.
Der größte Bereich hingegen ist komplett mit Rigipswänden abgetrennt. Der bisherige Ankermieter Real ist Ende Februar ausgezogen. Die SB-Warenhauskette mit ihren zuletzt mehr als 270 Märkten ist vor rund zwei Jahren von dem Handelskonzern Metro an den russischen Finanzinvestor SCP verkauft worden. Der neue Besitzer ist seither dabei, die Kette zu zerschlagen und die Märkte weiterzuveräußern.
In Waiblingen soll Kaufland den Markt mit seinen rund 12 000 Quadratmetern Verkaufsfläche übernehmen. Das hat das Unternehmen, das zur Schwarz-Gruppe gehört, im Februar auf Nachfrage bestätigt und auch, dass alle Mitarbeiter, die zum Betriebsübergang Anfang März in einem gültigen Arbeitsverhältnis zu Real stünden, integriert würden. Zu dem, was aktuell hinter der breiten Rigipswand passiert, sagt man nicht viel. Am ehemaligen Real-Standort in Waiblingen würden umfangreiche bauliche Sanierungsmaßnahmen durch den Eigentümer SCP vorgenommen, heißt es aus der Firmenzentrale in Neckarsulm. Man bitte um Verständnis, dass man zum aktuellen Status der Arbeiten keine Auskunft geben könne. „Sobald unser Eröffnungstermin feststeht, werden wir informieren.“
Steffen Zanke, der Center-Manager, verweist Anfragen zu Mietern, Interessenten und Plänen im Remspark an den Besitzer. Doch zu diesem gestaltet sich die Kommunikation schwierig, zumal der zuletzt für Presseanfragen vorgeschobenen Frankfurter Beraterfirma Gauly Advisors, die sich allerdings schon bei früheren Anfragen eher schmallippig gezeigt hat, eigenen Angaben zufolge das Mandat entzogen wurde.
Auf einen umfangreichen Fragenkatalog antwortet letztlich Christof Herter – laut SCP-Eigendarstellung auf deren Internetseite „Principal“ im Führungsteam – mir drei dürren Sätzen: „SCP ist weiterhin Eigentümer des Objekts und hat mit den Umbaumaßnahmen begonnen, die noch einige Monate dauern werden. Zur Eröffnung des Kaufland-Marktes können wir uns als Eigentümer nicht äußern, dazu müssten Sie bitte auf den Mieter zugehen. Mit weiteren Mietern sind wir im Gespräch, können jedoch noch keine Angaben dazu machen.“
Wirtschaftsförderer: Hohe Bedeutung für Waiblingen
Der Waiblinger Wirtschaftsförderer Marc Funk hingegen betont, dass der Remspark für den Wirtschaftsstandort Waiblingen durchaus eine hohe Bedeutung habe. Nicht nur hätten hier viele Menschen von auswärts ihren Einkauf erledigt, der Markt habe auch als Nahversorgungszentrum für den Stadtteil Waiblingen-Süd fungiert. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft halte selbstverständlich Kontakt mit verschiedenen ehemaligen Mietern und Bestandsmietern und unterstütze diese auch teilweise bei der Suche nach Alternativstandorten.
Auch habe man im gesamten Prozess gemeinsam mit der Stadtplanung mit dem Eigentümer über mögliche Nutzer gesprochen, die aus Sicht der Stadt gut in den Remspark passten, das dortige fachmarktbezogene Portfolio ergänzen oder gegebenenfalls vorhandene Lücken in Waiblingen schließen könnten. Doch letztlich entscheide der Eigentümer nach seinen wirtschaftlichen Kriterien. „Was baurechtlich an Nutzungen möglich ist, ist möglich. Damit sind auch die Einflussmöglichkeiten der Stadt beschrieben“, so Funk. Über Pläne des Eigentümers wolle er sich nicht äußern, das müsse dieser selbst machen.
Schwierige Besitzverhältnisse
Remspark
Das Einkaufszentrum im Süden von Waiblingen ist Anfang der 70er Jahre eröffnet und Ende der 90er zuletzt grundlegend saniert worden. Insgesamt verfügt der Remspark über eine Verkaufsfläche von knapp 17 000 Quadratmetern, rund 12 000 wurden zuletzt von Real genutzt.
Eigentümer
Im Juni 2020 sind die Warenhäuser der Metro-Handelsgruppe von Sistema Capital Partners (SCP) Gruppe aufgekauft und seither an Mitbewerber wie Edeka oder Kaufland weiterverkauft worden. Hinter dem Finanzinvestor mit Sitz in Luxemburg sollen der russische Milliardär Wladimir Jewtuschenku und sein Sohn Felix gestanden haben. Laut Medienberichten sollen sich die Oligarchen kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs aus dem Unternehmen zurückgezogen und es an Vertraute verkauft haben. Als Geschäftsführerin ist seither die Französin Marjorie Brabet-Friel in das Handelsregister eingetragen.