Bei einem Friseur komme es auf die Beziehung zum Kunden an. „Die Kunden wollen sich gut betreut wissen“, sagt die Frisörin Doris Langenegger. Foto: Patrick Steinle

Die Apotheke hat zu und der Inhaber des Tante-Emma-Ladens an der Laustraße will aufgeben. Doch kleine Geschäfte leben von- und miteinander. Wie beurteilen die Inhaber der noch verbliebenen Läden die aktuelle Situation in Stuttgart-Sonnenberg?

Sonnenberg - Wie verschickt man eigentlich eine ganze Pappkiste voll mit Weinflaschen? Mit dieser Frage steht eine Seniorin an diesem Morgen in der Papeterie an der Laustraße. Die junge Mitarbeiterin telefoniert mit ihrem Chef, um kompetent Auskunft geben zu können. Dieser Service wird in den kleinen Läden in Sonnenberg noch groß geschrieben. Dennoch ist es für die Inhaber nicht leicht, die Geschäfte wirtschaftlich zu führen. Die Apotheke nebenan ist geschlossen, und dabei bleibt es. Der Inhaber Volkhard Lechler will sich auf sein Haupthaus an der Filderbahnstraße in Möhringen konzentrieren.

Vor diesem Hintergrund hat der Sonneberg-Verein mit seinem aktuellen Newsletter einen Aufruf verschickt. „Unsere Läden – wir erhalten sie nur, wenn wir sie nutzen“, ist dort zu lesen. Darunter sind die Namen und Öffnungszeiten der noch bestehenden Geschäfte an der Laustraße aufgeführt. Ganz oben das Lädle. Doch um dieses ist es schlecht bestellt. Der Inhaber Anastasiadis Panagiotis klagt über zu wenige Kunden und denkt deutlich darüber nach, sein Geschäft aufzugeben (wir berichteten).

Ein Fest für die Sonnenberger und ihre Läden?

Auf die Frage, wie sich die Schließung der Apotheke auf den Tabak- und Schreibwarenladen ausgewirkt hat, antwortet die nette Papeterie-Verkäuferin hinter der Theke kurz: „Also besser ist es seitdem nicht geworden.“ Ihr Chef Thomas Stäbler ergänzt: „Die Läden leben von- und miteinander.“ Die Kunden des einen, seien oft auch die Kunden des anderen. Mit der Schließung der Apotheke sei wieder etwas mehr Laufkundschaft weggefallen. Das habe man auch schon beobachten können, als die BW-Bank-Filiale vor einiger Zeit in einen reinen Automatenstandort umgewandelt wurde. Immerhin, in Gefahr sei die Papeterie nicht, sagt Thomas Stäbler.

Den Aufruf des Sonnenberg-Vereins, die Läden an der Laustraße mehr zu unterstützen, findet er gut. Viel wichtiger findet er aber ein „Gesamtkonzept“. Stäbler wünscht sich ein identitätsstiftendes Fest, dass die Menschen und Läden vor Ort gemeinsam organisieren und feiern.

Umsatz hängt auch von der Verkehrssituation ab

Auch der Bäckermeister Andreas Schrade beobachtet die Entwicklung an der Lau­straße mit Sorge, wie er sagt. Sein Unternehmen betreibt bereits seit 1963 eine Filiale in Sonnenberg. „Es ist bedauerlich, wenn Läden schließen müssen“, sagt Schrade. Doch das Aus für die Apotheke habe sich bisher noch nicht auf seinen Umsatz in Sonnenberg ausgewirkt. „Wir sind ja auch ein Stück weg, und momentan sind wir sehr zufrieden mit unseren Umsätzen“, sagt Schrade. Er habe viele Stammkunden und dazu noch Laufkundschaft. Oder besser gesagt: Fahrkundschaft. „Bei uns kommen viele Menschen auf ihrem Weg ins Geschäft oder in der Mittagspause vorbei“, sagt der Bäckermeister. Für seine Filiale sei es darum elementar, dass die Durchfahrt durch die Laustraße nicht weiter erschwert und das Parkplatzangebot nicht weniger werde.

Schrade begrüßt den Aufruf des Sonneberg-Vereins. Dies allein könne aber sicher keinen Laden retten. „Niemand kauft irgendwo aus Mitleid ein. Letztlich muss jeder Geschäftsmann seine Kunden mit seinem Angebot, seinem Service und seiner Qualität überzeugen.“

Doris Langenegger lebt von ihren Stammkunden. Sie betreibt die Friseur-Lounge an der Laustraße und wäscht, schneidet und färbt Menschen aus ganz Stuttgart die Haare. Bei einem Friseur komme es auf die Beziehung zum Kunden an, die Chemie müsse stimmen. „Die Kunden wollen sich gut betreut wissen“, sagt Langenegger. Dieses Vertrauensverhältnis sei bei einem Frisör viel wichtiger als der Standort der Filiale. „Insofern sind wir von der Schließung der Apotheke nebenan eher nicht betroffen“, sagt Langenegger. Sie hat den Salon an der Laustraße 2010 übernommen und ist seitdem sehr zufrieden. „Es besteht keine Gefahr, dass wir schließen, und zwar auf Jahre nicht“, sagt die Friseurin.

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