Ein Jahrzehnt lang pachtet der Tus Stuttgart das Häuschen auf der Waldau schon. Damit ist vielleicht bald Schluss. Foto: privat

Der Treffpunkt nahe des Fernsehturms in Stuttgart-Degerloch hat die Corona-Zeit nicht überstanden. Nun wird ein neuer Pächter gesucht. Und es gibt auch schon erste Interessenten...

Degerloch - Es ist ein Hingucker, das runde, mit Backsteinen gemauerte Gebäude und oben drauf zwei aneinandergeschmiegte Spitzdächer. Seit einem Jahrzehnt pachtet der Tus Stuttgart das Häuschen von der Stadt Stuttgart. Es befindet sich neben dem Haus auf der Waldau an der Haltestelle Königsträßle; „tus-Treff“ heißt der Kiosk, den der Sportverein aufgezogen hat.

Man bekam hier aber nicht nur Zeitungen, Zigaretten und einen Lotto-Service, sondern auch etwas zu essen. Belegte Brötchen, vielleicht mal Saitenwürstle, eben Kleinigkeiten, vor dem Kiosk luden Tische und Stühle zum Verweilen ein. Mit dem Lockdown hat der Tus-Treff seine Türen abgesperrt – und wird sie nicht wieder aufmachen, wie Thomas Frey, der tus-Vorstand, nun mitteilt.

Das war nicht von Anfang an klar. Zu Beginn der Corona-Zeit habe man vereinsintern noch überlegt, ob zumindest der Kiosk offenbleiben sollte. Allerdings waren die Mitarbeiter in Kurzarbeit, der Aufwand habe in keinem Verhältnis zum Nutzen gestanden. „Also haben wir gesagt, dann fahren wir den Tus-Treff komplett runter“, erzählt Frey. Kühltruhen wurden abgetaut, gelagerte Lebensmittel unter den Vereinsmitgliedern verteilt.

Im Sommer habe man sich dann entschieden, den Kiosk komplett aufzugeben. „Der Betrieb war schon länger defizitär“, sagt Frey. Der vom Verein geplante Treffpunkt habe nicht den Umsatz gebracht, den es gebraucht hätte, um weiterzumachen. Zudem sei die Leitungsperson im Sommer abgesprungen, weil sie sich beruflich neu orientiert habe.

Der Treffpunkt brachte nicht den Umsatz

Nun wird beim Tus überlegt, nicht nur einen neuen Pächter für den einstigen Kiosk zu finden, sondern den Pachtvertrag mit der Stadt ganz zu beenden. Mit Nachdruck verfolge man das aber noch nicht, bisher laufe das nur über Mund-zu-Mund-Propaganda, sagt Thomas Frey.

Es hätten sich einige Interessenten aus der Region gemeldet und sich das Häuschen zeigen lassen. Konkret sei aber bislang nichts. Auch von Leuten aus Degerloch sei Interesse signalisiert worden, mehr aber auch noch nicht. Als Beispiel bestätigt Thomas Frey, dass er mit dem Macher der Eiswerkstatt, Sebastian Kern, Kontakt gehabt habe. Nachdem der Tus gehört hatte, dass die Eisdiele aus ihren bisherigen Räumen an der Löwenstraße raus muss, habe sich der Verein bei Kern gemeldet.

„Potenzial und Herausforderungen zugleich“

Der ist aktuell anderweitig untergekommen: Die Eiswerkstatt kooperiert mit dem Restaurant „Das Amsterdam“. Allerdings endet diese besondere gastronomische Liaison im Oktober. Sebastian Kern von der Eiswerkstatt bestätigt den Kontakt zum Tus. Es sei aber bisher nicht mehr als das. Sie hätten einen Termin, um sich den Standort anzuschauen. Das Ganze wolle gut überlegt sein. „Da wohnt fast niemand“, sagt er. Dafür liege es nahe des Fernsehturms und am Rande eines Sportgebiets, „das kann am Wochenende gerammelt voll sein, der Standort hat Potenzial und ist Herausforderung zugleich“.

Die Rechnung mit der Nähe zum Stuttgarter Wahrzeichen hatte seinerzeit auch der Tus Stuttgart aufgemacht, doch leider war sie nicht aufgegangen. Seit die Bushaltestelle mehr oder weniger stillgelegt worden sei, sei es noch schwieriger geworden. Zum Publikum, das den Tus-Kiosk vermissen wird, gehören vor allem Waldschüler, Freizeitsportler, aber auch Bewohner des Hauses auf der Waldau.

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