Der neue Standort bei der Stadionhalle wird gut angenommen. Er hat den Marktbeschickern deutlich mehr Besucher beschert. Foto: Archiv (Avanti/Ralf Poller)

In einem offenen Brief an die Marbacher Stadtverwaltung und an die Mitglieder des Gemeinderates kritisieren die Händler die Rückkehr des Marktes in die Innenstadt. Sie fühlen sich nicht gehört und sind enttäuscht von der Vorgehensweise der Verwaltung.

Im Februar haben die Händler in der Innenstadt darauf gedrängt, den Samstagsmarkt, der wegen der Sanierung der Fußgängerzone 2021 notgedrungen an die Stadionhalle verlegt worden war, noch vor der Sommerpause zurück in die City zu bringen. Die Marktbeschicker treibt hingegen gerade die Rückkehr um. Ihre Sorge und ihre Kritik haben sie in einen offenen Brief an die Stadtverwaltung sowie an die Mitglieder des Gemeinderates gepackt. Getragen wird er von 15 Marktbeschickern, berichtet Jürgen Trautwein vom gleichnamigen Biobetrieb in Kirchberg, der zusammen mit Bruno Pelaic vom Käsbär von den Kollegen zu deren Sprecher gewählt worden ist. „Ein Beschicker war vergangenes Wochenende nicht da, ein anderer ist noch unentschlossen, alle anderen stehen hinter diesem Brief.“

 

Die Entscheidung, mit dem Markt wieder in die Altstadt zu gehen, sei ohne angemessene Berücksichtigung der Anliegen und Standpunkte der Beschicker getroffen worden. Ende April 2023 habe man dem Ordnungsamt detailliert sowohl die Vor- als auch die Nachteile einer möglichen Rückkehr in die Altstadt im Vergleich zum Verbleib auf dem Stadion-Parkplatz dargestellt und sich für einen Verbleib ausgesprochen. Allerdings sei man auch bereit gewesen, konstruktiv an Diskussionen teilzunehmen, um eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung zu finden. Doch rund ein Jahr später, am 13. April, sei man mit einem bereits festgelegten Plan für die Rückverlegung konfrontiert worden, ohne dass Bedenken oder Vorschläge berücksichtigt wurden. „Diese Vorgehensweise hat uns überrascht und enttäuscht, da wir unsere Bereitschaft zur Zusammenarbeit aktiv signalisiert hatten“, so die Marktbeschicker.

Die Zwangsverlegung des Marktes habe unerwarteterweise zu einem Anstieg der Beliebtheit geführt, erklärt Trautwein. „In den vergangenen zwei Jahren konnten wir die Besucherzahlen deutlich steigern, was zweifellos auf das attraktive Erscheinungsbild und die ausgezeichneten Parkmöglichkeiten zurückzuführen ist.“

Anders als von den Stadtplanern zugesagt, könnten bei der Rückverlegung nicht alle Stände in die Marktstraße integriert werden. Stattdessen müsse weiter auf den Kelterplatz ausgewichen werden. Die Zersplitterung erschwere das Einkaufen und mache den Markt unattraktiver, sind die Beschicker überzeugt. Zudem seien die Standplätze unterschiedlich attraktiv.

Ein weiteres Problem: Der gleichzeitige Auf- und Abbau der Stände sei nur teilweise möglich. Die Folge: Es müsse noch früher aufgebaut und deutlich länger abgebaut werden. „Daraus resultieren nicht nur höhere Kosten und eine Verringerung der Rentabilität für uns Beschicker, sondern auch eine noch stärkere Lärmbelästigung für Anwohner und Hotelgäste sowie eine Behinderung der Gastronomie am Mittag“, heißt es in dem Brief. „Die Rückkehr des Marktes führt zu Konflikten“, ist sich Trautwein sicher.

Darüber hinaus werde nicht berücksichtigt, dass auch die Besucher für den Einkauf marktnahe Parkplätze benötigen. Der Markt am aktuellen Standort sei ein wichtiger Beitrag zur Attraktivität von Marbach. „Anstatt ihn in der Innenstadt mit begrenzten Parkmöglichkeiten einzuschränken, sollte die Stadt bestrebt sein, mit einem attraktiven Wochenmarkt mehr Menschen aus der Umgebung anzulocken und somit potenzielle Kunden für die Innenstadt zu gewinnen.“

Bürgermeister Jan Trost solle die Bedenken ernst nehmen und mit den Beschickern nach einer für alle Beteiligten zufriedenstellenden Lösung suchen. Am Samstag, 4. Mai, sollen in einer Kundenumfrage die Einkaufsbedürfnisse ermittelt werden.

Bürgermeister verteidigt Vorgehen

Und was sagt der Bürgermeister? Für Jan Trost sind die Sorgen nachvollziehbar, doch an den Plänen wird nichts geändert. Auch das macht Trost klar. Dass der Markt wieder in die City zurückkehre, sei gegenüber den Marktbeschickern, aber auch gegenüber den Gewerbetreibenden in der Innenstadt immer klar und transparent kommuniziert worden. Im März 2022 hatte der Gemeinderat die Rückkehr beschlossen. Einmütig. Der Markt sei ein entscheidender Faktor zur Belebung der Innenstadt. „Mit der Argumentation der Marktbeschicker müsste der Markt in Steinheim auf den Wellariumsparkplatz, in Ludwigsburg auf die Bärenwiese und in Bietigheim ins Ellental.“

Der vom Ordnungsamt entwickelte Standplan sei sehr ausgewogen und auch im Gemeinderat auf große Zustimmung gestoßen. Er sei den Beschickern als Grundlage präsentiert worden – mit der Möglichkeit, innerhalb der möglichen Standplätze in Absprache der Beschicker untereinander zu tauschen. Dies sei ein übliches Vorgehen. Darüber hinaus sei eine Zusage, dass alle Stände nach der Rückkehr in die Marktstraße integriert werden könnten, nicht gemacht worden, betont der Rathauschef. Die Positionen der beiden Interessensgruppen „Gewerbetreibende Innenstadt“ und „Marktbeschicker“ seien bekannt. Ein gemeinsames Gespräch würde keinen Erkenntnisgewinn bringen, findet Trost. Zielführender seien Einzelgespräche mit beiden Interessensgruppen. Und da werde deutlich, dass die überwiegende Anzahl der Innenstadtakteure an Samstagen seit dem Wegzug des Wochenmarktes große Umsatzeinbußen haben.