Die Wilhelm-Galerie feiert Geburtstag, und das Marstall freut sich auf den Shoptober. Foto: factum/Granville

Verkaufsoffener Sonntag, und die Wilhelm-Galerie feiert Geburtstag: der Einzelhandel in Ludwigsburg lässt die Sektkorken knallen. Aber nicht alle sind zufrieden: Klagten vor eineinhalb Jahren vor allen die Filialen an der Wilhelmstraße, hat sich das Blatt jetzt gewendet.

Ludwigsburg - Es wird eng in der Ludwigsburger Innenstadt am Wochenende, laut, voll, und in den Läden werden die Kassen klingeln. Die Einzelhändler bitten zum verkaufsoffenen Sonntag, oder, wie es auf den Plakaten heißt: zum Shoptober. Ungeachtet dessen, dass diese Wortschöpfung nicht wirklich originell daher kommt, werden die Kunden in Massen in die Fußgängerzone strömen, in die Wilhelm-Galerie, ins Marstall. Für die Händler ist der Shoptober ein Tag zum Feiern.

Die Wilhelm-Galerie hat damit schon am Donnerstag begonnen, als die Centermanagerin Sarah Hildbrand im Erdgeschoss eine dreistöckige Geburtstagstorte anschnitt. Das Einkaufszentrum ist zehn Jahre alt geworden, und auch der Oberbürgermeister schaute vorbei zum Gratulieren. Unverzichtbar sei die Galerie für die City geworden, sagte Werner Spec, der maßgeblich daran mitgewirkt hat, Ludwigsburg zu einer 1-A-Einkaufsstadt zu formen. Mit der Galerie, mit dem vor zwei Jahren wiedereröffneten Marstall um die Ecke, mit dem Breuningerland auf der Grünen Wiese, das bald erweitert werden soll.

Friede, Freude, Eierkuchen? Bereits vor der Marstall-Wiedereröffnung hatten manche Experten leise gefragt, ob drei Einkaufszentren in einer Stadt mit weniger als 100 000 Einwohnern überleben können. Die Frage ist immer noch aktuell, und sie zu beantworten nicht ganz einfach. Waren es vor eineinhalb Jahren vor allem die Händler der Wilhelm-Galerie, die über die zunehmende Konkurrenz und rückläufige Umsätze klagten, hat sich das Blatt seither gewendet. Jetzt sind es die Marstall-Filialisten, die nach der Anfangseuphorie mit Problemen kämpfen.

„Manchmal könnte man denken, dass das Marstall stirbt“

Donnerstagnachmittag, die Mittagspause ist vorbei, die Restaurants im Marstall-Obergeschoss haben sich geleert – und auch sonst ist es auffallend ruhig, obwohl im Eingangsbereich ein Alleinunterhalter fröhliche Lieder trällert. „So ist das oft unter der Woche“, sagt die Leiterin einer Boutique und blickt in den leeren Gang. Das Marstall sei unberechenbar. Auf Wochen mit wunderbarer Kundenfrequenz folgten regelmäßig Wochen, „in denen man denken könnte, es stirbt“. Erklären könne sie sich das nicht, denn das Center-Management sei sehr bemüht, über Aktionen Leute ins Haus zu bekommen. „Vielleicht ist die Lage, am Rand der Innenstadt und weit weg vom Bahnhof, nicht gut genug. Die Wilhelm-Galerie hat es da leichter.“

Mario Ruddies, der Leiter eines Schuhgeschäfts im Obergeschoss, ist einer der wenigen, der ganz offen über die Situation spricht. „Der Sommer war extrem schwierig“, sagt er. Und zwar nicht nur für ihn, von Kollegen aus anderen Läden habe er Ähnliches gehört. Zwar seien die Zahlen seit September wieder besser, aber: „Auch wenn das keiner gerne zugibt: mit der Frequenz können wir nicht zufrieden sein.“ Er habe früher in mehreren anderen Einkaufszentren gearbeitet, dort sei es einfacher gewesen. Sorgen bereitet Ruddies auch die geplante Breuninger-Erweiterung, dazu der Onlinehandel, die kurzen Wege nach Stuttgart. Seine größte Hoffnung ist, dass die Einwohnerzahl von Ludwigsburg weiter steigt und sich das „dann auch im Handel niederschlägt“. Wenn mehr Händler ein Stück vom Kuchen wollen, muss der Kuchen eben größer werden.

Das Center-Management verbreitet Optimismus

Anne Marschner klagt nicht. Als Centermanagerin ist es ihre Aufgabe, Optimismus zu verbreiten. „Wir merken, dass wir kontinuierlich wachsen und uns entwickeln“, sagt sie. Vier bis fünf Jahre dauere es in der Regel, bis ein neues Einkaufszentrum etabliert sei, da brauche man einen langen Atem. Und das Marstall, so Marschner, sei quasi neu: „Vorher stand hier drin ja jahrelang fast alles leer.“ Insofern sei man vor zwei Jahren erst einmal mit einer Bürde gestartet, mit einem negativen Image, „das vielleicht noch in den Köpfen wabert“. Sorgen aber müsse man sich um das Marstall nicht machen. Gerade erst habe wieder ein neuer Shop eröffnet.

Allerdings haben in den vergangenen zwei Jahren auch einige Shops geschlossen, eine Gastrofläche steht schon seit vielen Monaten leer. Alles ganz normal, sagt Marschner. Insgesamt sei die Fluktuation vergleichsweise gering, und bei den Kundenfrequenzen liege man im Rahmen der selbstgesteckten Ziele.

Die Wilhelm-Galerie steht offenbar gerade besser da

Durchschnittlich 14 000 Besucher pro Tag zählt das Marstall unter der Woche, mehr als 20 000 an Samstagen. Zum Vergleich: in der Wilhelm-Galerie sind es nach Angaben des dortigen Managements unter der Woche im Schnitt 20 000 Gäste und an Samstagen mehr als 25 000. Und das, obwohl das Marstall über deutlich mehr Geschäfte und über zehntausend Quadratmeter mehr Verkaufsfläche verfügt. Das allein lässt noch keinen Rückschluss darauf zu, wie gesund eine Shopping Mall ist. Wichtiger sind die erzielten Umsätze, und die sind geheim. Dazu kommt: die Galerie fungiert auch als Passage, die viele Ludwigsburger nur kurz durchqueren.

Auffällig ist aber, dass die Stimmung an der Wilhelmstraße wesentlich besser zu sein scheint als im Marstall. „Die Frequenz ist gut, die Umsätze sind gut“, sagt Ina Schmidling, Verkäuferin in einem Uhrengeschäft in der Galerie. Selbst ein Laden wie Tally Weijl, der sich mit seinen Klamotten eher an eine jüngere Zielgruppe wendet und damit besser ins Marstall passen würde, kann sich in der Galerie halten. „Es ist vielleicht etwas schwieriger geworden, aber der Standort hier ist sehr gut“, sagt die Filialleiterin Bianka Simunovic. Für Ende des Jahres sei ein Refit geplant, eine komplette Umgestaltung des Geschäfts.

Solche Refits planen gerade mehrere Filialen, und nicht nur das zeigt, dass die Depression, die sich nach der Marstall-Eröffnung über die Galerie gelegt hatte, verflogen ist. „Wir haben gerade Verträge mit den meisten Ankermietern verlängert“, sagt Sarah Hildbrand, die im Juni das Center-Management übernommen hat. Ja, es habe vor eineinhalb Jahren spürbare Umsatzrückgänge gegeben, aber diese Phase sei vorbei. Die Wilhelm-Galerie habe sich in den vergangenen zehn Jahren fest in Ludwigsburg etabliert. „Uns geht es gut“, sagt Hildbrand. Zur Situation der Konkurrenz in der Stadt wolle sie sich nicht äußern.

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