Blick in ein Logistikzentrum für Arzneimittel: Immer mehr Patienten bestellen ihre Medikamente im Internet. Foto: dpa/

In Baden-Württemberg gibt es immer weniger Apotheken. Dieser Trend ist auch auf der Filderebene erkennbar. Für die Landesapothekenkammer sind die Gründe vielschichtig. Aber es gibt einen Hauptschuldigen.

Filder - Seit mehr als zehn Jahren sinkt die Zahl der Apotheken im Land. Das belegen die Zahlen der Landesapothekenkammer. Nun schließen auch die Schwarzwald-Apotheke in Kaltental und die Neue Apotheke in Vaihingen. Die Ursachen sind unterschiedlich, das Ergebnis ist dasselbe. Allerdings ist die Betroffenheit in Kaltental deutlich größer, denn dort gibt es keine Alternative.

Warum müssen immer mehr Apotheken schließen?

Meistens seien es wirtschaftliche Gründe, sagt Stephanie Köppinger. Die Honorierung der Apotheken durch die Politik sei in den vergangenen Jahren nur minimal erhöht worden, die Anforderungen an die Apotheken seien hingegen deutlich gestiegen, ergänzt die Pressesprecherin der Landesapothekenkammer. Verstärkt werde diese Entwicklung dadurch, dass Arztpraxen altershalber schließen und keinen Nachfolger finden würden. „Ohne ausreichend Ärzte in der Umgebung wird es auch für Apotheken schwer sich zu halten, da ihr Umsatz im Schnitt zu 80 Prozent aus ärztlichen Verordnungen resultiert“, sagt Köppinger.

Welche Rolle spielen ausländische Versandapotheken?

Nach Auffassung der Landesapothekenkammer sind sie ein weiterer Grund für das Apothekensterben. Leider habe die Politik es vernachlässigt, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, sagt Köppinger. Eine ausländische Versandapotheke müsse keine Gemeinwohlpflichten übernehmen und halte sich darüber hinaus nicht an in Deutschland geltende Gesetze. „Beispielsweise leisten deutsche Apotheken regelmäßig Notdienste rund um die Uhr, auch an Wochenenden und Feiertagen. Sie stellen patientenindividuelle Rezepturen her und sind mit ihrer Beratungsleistung jederzeit für die Patienten da“, so die Pressesprecherin. Die ausländischen Versandapotheken könnten diese nicht kostendeckend honorierten Leistungen nicht erbringen und pickten sich die Rosinen heraus.

Gibt es auch in Deutschland reine Online-Apotheken?

Nein. Der Versandhandel mit Arzneimitteln ist in Deutschland nur aus einer normalen, niedergelassenen Apotheke heraus erlaubt. Eine solche gibt es zum Beispiel in Ostfildern-Ruit. Wenn eine niedergelassene Apotheke Medikamente über das Internet vertreiben möchte, braucht sie dafür eine Versandhandelserlaubnis.

Werden die Auflagen nach Einschätzung der Kammer immer höher?

Fakt ist, dass sich mit der Novellierung der Apothekenbetriebsordnung im Jahr 2012 die gesetzlichen Anforderungen für die Apotheker erhöht haben. „Besonders durch die Einführung eines Qualitätsmanagements und die damit einhergehenden Dokumentationspflichten sind die bürokratischen Auflagen gestiegen“, erklärt Köppinger. Auf die Frage, ob die gestiegenen gesetzlichen Anforderungen auch ein Grund für das Apothekensterben sein könnten, antwortet Köppinger: „Das ist pauschal nicht zu beantworten.“ In erster Linie seien es aber die ungleichen Wettbewerbsbedingungen gegenüber dem europäischen Versandhandel, die den örtlichen Apotheken das Leben unnötig schwer machen.

Sind die hohen Auflagen an örtliche Apotheken gerechtfertigt?

Grundsätzlich seien die bestehenden und umfangreichen Gesetze im Arzneimittelbereich zum Schutz jedes einzelnen Patienten erlassen worden, sagt Köppinger. Doch umfangreiche Gesetze, Verordnungen und Auflagen im gesamten Arzneimittelbereich würden auch zu einem hohen bürokratischen Aufwand in den Apotheken führen. „Als Apothekerkammer sind wir für die Sicherung der Qualität in den Apotheken mitverantwortlich, die regelmäßige Überprüfung erfolgt jedoch durch die Regierungspräsidien“, sagt Köppinger.

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