Einjährige Kletterpflanzen bieten einen tollen Sichtschutz – im Vergleich zu Efeu (Bild) wachsen sie darüber hinaus sehr schnell. Foto: dpa

Einjährige Kletterpflanzen sind ein toller Sichtschutz, der jedes Jahr etwas anders aussieht. Die Kletterer begrünen die Vertikale nicht nur mit Blättern, sondern auch mit Blüten. Sie wachsen mitunter schnell und verbessern das Klima.

Sulzfeld - Die schlechte Nachricht vorweg: Sie werden im Herbst wieder absterben. Aber einjährige Kletterpflanzen schaffen es dafür, im Frühling und Sommer rasend schnell Balkongeländer und Gerüste zu begrünen und einen blühenden Sichtschutz zum Nachbarn zu schaffen.

Bei den einjährigen Kletterpflanzen gibt es zwei Gruppen. „Man unterscheidet zwischen Schlingern und Rankern“, erklärt Bärbel Faschingbauer, Diplom-Ingenieurin der Landespflege aus Sulzfeld am Main (Bayern). Daran muss man das Rankgerüst anpassen. „Die Schlinger winden sich um eine senkrechte Hilfe“, sagt Faschingbauer. Das können Stäbe, gerade gewachsene Zweige von Weide oder Haselnuss sowie straff gespannte Seile sein. Rankpflanzen brauchen dagegen gitterartige Konstruktionen, damit die Rankorgane sich darum wickeln können. Der Durchmesser der Gitter sollte eher im Millimeterbereich liegen.

„In England habe ich beobachtet, dass auch verzweigte Äste des Hartriegels einfach als Rankgerüst in die Erde gesteckt werden und sich daran die Rankpflanzen entfalten“, sagt Faschingbauer. So erhält man eine natürliche Wuchsform, die einen Kontrapunkt zu geometrischen Strukturen setzt. Wer tatsächlich langfristig immer wieder eine sommerliche Pflanzenwand wachsen lassen will,der sollte darauf achten, dass das Rankgerüst schön aussieht. „So ist auch der Blick im Winter auf das Rankgerüst ansehnlich“, sagt Faschingbauer. Das Gerüst muss gut befestigt sein, indem Stäbe und Gitter tief in der Erde stecken und eventuell zusätzlich am Balkongeländer befestigt sind. Schnüre spannt man am besten ganz straff an einer Wand, wobei ein wenig Abstand dazu zur Belüftung der Pflanzen ­notwendig ist.

Regelmäßig Verwelktes abschneiden – dann blüht die Pflanze bis in den Herbst

Auf Balkon und Terrasse wachsen die Kletterpflanzen im Kübel. „Bei der Kultur im Gefäß muss ein Loch im Boden für den Wasserabzug vorhanden sein“, so Faschingbauer. Sie rät auch zu einer fünf bis zehn Zentimeter hohen Drainageschicht aus Kies oder Blähton im Topfboden, die Staunässe verhindert. Das Gefäß sollte eine ausreichende Größe haben – so ist eine gute Versorgung auf der einen Seite gewährleistet und zum anderen die Standfestigkeit gegeben.

„Als Substrat wählt man eine gute, qualitätvolle Erde, die auf der einen Seite strukturstabil ist und auf der anderen Seite locker und humos“, erklärt Faschingbauer. „Man darf nicht vergessen, regelmäßig zu gießen, und sollte entweder wöchentlich düngen oder einen Depotdünger verwenden.“ Bei den Dauerblühern sollte regelmäßig Verwelktes abgeschnitten werden. Das fördert die weitere Blüte bis in den Herbst.

Die Auswahl an einjährigen Kletterpflanzen ist groß. Nahezu alle sind exotischer Herkunft, deshalb fühlen sich die meisten im heißen Sommer, an hellen, windgeschützten Orten am wohlsten. Nicht wenige Pflanzen, die bei uns nur eine Saison überstehen, wachsen in ihrer Heimat aufgrund der warmen Temperaturen mehrjährig. Das Saatgut einjähriger Kletterpflanzen ist im Vergleich zu mehrjährigen Kletterern viel günstiger. Ihre Aufzucht ist recht unkompliziert: Im April oder Mai, wenn es etwas wärmer ist, werden die Einjährigen in Saatschalen auf dem Fensterbrett vorgezogen. Ende Mai, nach dem letzten Frost, kann man sie ins Freie umpflanzen. Den Jungpflanzen sollte man eine Kletterhilfe zur Seite stellen – unabhängig davon, ob sie im Beet oder im Kübel wachsen. Als Kletterhilfe bieten sich Draht, Schnüre, Bambusstäbe und Gitter an. Bei richtiger Pflege und Düngung hält sich der Kletterer bis zum ersten Frost.

Für einjährige Kletterpflanzen spielt die Bodenqualität eine besonders große Rolle. Die Erde sollte über eine gute und stabile Struktur verfügen. Das gelingt durch spezielle Zusatzstoffe wie etwa Perlit oder gebrochenen Blähton. Wer Langzeitdünger benutzt, versorgt seine Pflanze bis zu sechs Wochen lang mit allen Nährstoffen. Bei der Auswahl des Kübels gilt: je größer, desto besser. Das Gefäß sollte zudem hochwandig sein; so haben die Wurzeln ausreichend Platz.

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