Die Träger der ambulanten Kinderintensivpflege stehen unter Druck. Drei Dienste aus dem Land haben jetzt aber erfolgreich mit den Krankenkassen verhandelt. Was bedeutet das Ergebnis für die übrigen Dienste? Und was für die aktuelle Situation in Stuttgart?
Am Ende ging es dann doch ganz schnell. Nach konfliktträchtigen Verhandlungen haben sich drei Dienste der ambulanten Kinderkrankenpflege in katholischer Trägerschaft mit den Krankenkassen geeinigt. Die Gespräche seien am Ende sehr konstruktiv gewesen, sagt der zuständige Bezirksgeschäftsführer der Malteser, Heiko Born, der gemeinsam mit zwei Diensten der Caritas mit der AOK Baden-Württemberg verhandelt hatte. Er ist zufrieden, es sei ein „gutes Ergebnis“. Es sorge dafür, dass die Dienste 2024 wirtschaftlich arbeiten könnten. Die von ihnen versorgten Familien müssten sich aktuell keine Sorgen machen. „Wir sind ,safe’ für dieses Jahr“, sagt Born. Die finanzielle Schieflage zuvor sei vor allem durch Tariferhöhungen entstanden. Dank der Einigung könne man die Kostensteigerungen durch die Tarifabschlüsse im Personalsektor kompensieren, berichtet Born erleichtert.
Auch in die Verhandlungen mit den übrigen Kinderpflegediensten im Land, die Intensivpflege anbieten, könnte nun Bewegung kommen. Die Einigung diene als „Vorlage für weitere Verhandlungen“, kündigte ein Sprecher der AOK Baden-Württemberg an, die diese im Namen aller Krankenkassen führt. Es sei ein „für beide Seiten tragfähiger und guter Abschluss“ für jene Pflegedienste erzielt worden, die die Versorgung schwerst kranker Kinder und Jugendliche im häuslichen Umfeld übernähmen.
„Ohne Intensivpflegeversorgung würden wir zusammenbrechen“
Zu spät kommt die Einigung allerdings für den Dienst Häusliche Kinderkrankenpflege (HKP) in Stuttgart, er hört Ende September auf. Weiterhin soll dem Vernehmen nach ein Teil der zuletzt elf betreuten Familien in der Luft hängen. Die Malteser haben zwar angekündigt, das eigene Angebot ausweiten zu wollen, weil der „Bedarf in Stuttgart hoch“ sei, wie Born sagt. Aber dafür bräuchten sie Personal. „Wir versuchen noch, Mitarbeitende zu gewinnen“, sagt der Vertreter der Malteser. Zwei Familien, die zuvor bei der HKP waren, würden nun von ihnen betreut. Deren Krankenschwestern wechselten und brachten ihre Familien quasi mit. „Entscheidend ist nun aber, ob faire Verträge auch mit den anderen, insbesondere mit kleinen Pflegediensten geschlossen werden“, erläutert Leslie Klitzke vom Verein Mein Herz lacht, in dem sich Familien mit Kindern mit Behinderung zusammengeschlossen haben.
Sie erinnert daran, dass die meisten Familien, die von der HKP versorgt worden waren, „trotzdem im Regen stehen“. Sie weiß von Betroffenen, die „bei anderen Pflegediensten förmlich betteln“ müssten, um angenommen zu werden. Die Alternative sei nur, selbst ein Pflegeteam auf die Beine zu stellen und zu managen. Diesen Weg ist sie selbst mithilfe des Persönlichen Budgets gegangen. „Das kostet so viel Kraft und Nerven“, berichtet die Mutter von vier Kindern, aber man habe keine andere Wahl. „Ohne ausreichende Intensivpflegeversorgung würden wir zusammenbrechen“, sagt Klitzke.