Ein kleiner Wandererimbiss stand für die Einweihungsgäste bereit. Foto: Sybille Neth

Die Schutzhütte am Kräherwald zählt zu den Kleinoden unter den Schutzhütten in Stuttgart. Sie ist mehr als 100 Jahre alt und damit eine der ältesten Hütten auf der Gemarkung. Jetzt hat der Verschönerungsverein sie aufgehübscht.

S-West - Sie ist mehr als ein schlichter Unterstand. Der Verschönerungsverein hat die Kräherwaldhütte wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt, wie sie im ausgehenden 19. Jahrhundert Wanderern Schutz vor Blitz, Regen, Sturm und Sonne bot. Vor wenigen Tagen hat der Verein die Wiederbelebung der Hütte mit Freunden und Mitgliedern stilecht mit einem Wandererimbiss gefeiert.

„Die Hütte ist ein Relikt aus einer Zeit, die wir uns heute nicht mehr vorstellen können. Damals endete am Hölderlinplatz die Bebauung“, erklärte Erhard Bruckmann, der Vorsitzende des Verschönerungsvereins, die einstige Bedeutung der Hütte. „Es gab hier keine Straße, keinen Bus und es gab auch keine Goretex-Kleidung für die Wanderer.“ Die Damen gingen im langen Rock und mit Hütchen zum Spaziergang, die Herren im Anzug und in feinen Schuhen.

50 Schutzhütten hat der Verschönerungsverein gebaut

Der historische Bilderbogen, mit dem Bruckmann seinen Vortrag über die Ausflugsgepflogenheiten von anno dazumal illustrierte, zeigte die Notwendigkeit der Schutzhütten. Die Kräherwaldhütte auf Höhe der Straße am Kräherwald 289 wurde 1897 errichtet und wird auch Botnanger Hütte genannt. Sie gehört zu den ältesten Schutzhütten Stuttgarts. Seit Beginn seiner Tätigkeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat der Verschönerungsverein 50 Schutzhütten rund um die Stadt erbaut, meist mit der Muskelkraft seiner Mitglieder. Jede Hütte gehört zu einem Gesamtkonzept mit Aussichtspunkten, Anlagen, Brunnen und Wegen entlang des Kesselrandes in der Höhe.

„Die Kräherwaldhütte ist als Zeugnis der alten Hüttenkultur erhaltenswert“, erklärte Bruckmann. Deshalb habe sich der Verein zu ihrer Renovierung entschlossen. Für einen kurzen Zeitraum sei sogar überlegt worden, die Kräherwaldhütte zu einem gesetzlichen Kulturdenkmal zu erheben, berichtete die Hauptkonservatorin des Denkmalamtes, Ulrike Plate. „Aber wenn sich die Leute um die Dinge selbst kümmern, braucht man keinen Denkmalschutz“, lobte sie das Engagement des Verschönerungsvereins.

Die Zahl hat inzwischen abgenommen

Hagen Dilling vom städtischen Forstamt hob die Bedeutung des Waldes für die Erholung hervor. Gerade am Beispiel der Waldheime, die heute ihre Aufgabe in den Ferienfreizeiten der Schulkinder haben, werde die Veränderung des Freizeitverhaltens deutlich. „Wir bauen jetzt Slackline-Anlagen auf Waldspielplätzen und Downhill-Strecken.“ Beim Sonntagsspaziergang sind kurze Strecken beliebt, betont Dilling. „Aber auch heute sind längst nicht alle in Goretexkleidung unterwegs, sondern auch in Sonntagskleidung. Dennoch werden Schutzhütten nicht mehr benötigt.“

Entsprechend hat deren Zahl in den Wäldern um Stuttgart deutlich abgenommen. Das ist auch deshalb so, weil die Holzbauten nach dem Krieg als Brennholz verheizt wurden. „Die meisten dieser Hütten sind sehr einfach gewesen. Niemand trauert ihnen nach“, lautete das Resümee von Dilling. Es gibt aber auch einfallsreich gestaltete Hütten wie der gusseiserne Bau bei der Kaiserlinde an der Neuen Weinsteige, den ausgehöhlten Baumstumpf am Hasenbergturm, die gemauerte Hütte am Bismarckturm und die stattliche Holzkonstruktion auf der Uhlandshöhe.

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