Auch wenn der traurige Überrest etwas anderes vermuten lässt, soll die Kopfweide bei Lobenrot wieder austreiben. Foto: Horst Rudel

Ein Blitz hat vor einigen Monaten eine alte Weide bei Aichwald-Lobenrot gespalten. Doch für das Naturdenkmal gibt es noch Hoffnung.

Aichwald - Der Anrufer war fassungslos: „Dia von dr Stadt hen den alde Baum bei ons oifach omgmacht.“ Aus dem Schwäbischen frei ins Deutsche übersetzt, bedeutet dies, dass die Gemeinde Aichwald einen alten Baum bei Lobenrot kurzerhand gefällt hat. Direkt vor Ort, etwas außerhalb des Teilorts in Sichtweite des Lobenroter Hofs, drängt sich in der Tat der Eindruck eines Kettensägen-Massakers auf. Von einer alten Weide steht nur noch ein halbhoher Stumpf, der ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen ist.

Was sich dort vor kurzem ereignet hat, vermag in der näheren Umgebung allerdings niemand genau zu sagen. Ein Stückles-Besitzer, der nur unweit den Rasen mäht, weiß nur, „dass da kürzlich ein paar Arbeiter zugange waren“. Der Baum sei nicht mehr ganz taufrisch gewesen, fügt er noch hinzu. „Und vielleicht auch von innen heraus schon verfault.“ Eine Spaziergängerin, die nach eigenem Bekunden „hier immer wieder lang geht“, kennt die Weide überhaupt nicht. Aber viel sei davon ja nicht mehr übrig geblieben.

Bei einem Unwetter hat vermutlich ein Blitz den Stamm gespalten

Für eine erste Aufklärung sorgt der Aichwalder Rathauschef Andreas Jarolim: „Bei einem Unwetter vor einigen Monaten wurde der mächtige Stamm wahrscheinlich durch einen Blitzeinschlag gespalten“, erklärt er und legt Bilder vor, die einen in sich geborstenen Baum und viel gesplittertes Holz zeigen. Im Anschluss hätten sich die Eigentümerin des Grundstücks und die Untere Naturschutzbehörde des Esslinger Landratsamts dann überlegt, ob, und wenn ja, was von dem ausgewiesenen Naturdenkmal zu retten ist, ergänzt der Aichwalder Schultes.

Das Ergebnis: Die Weide muss radikal gestutzt werden, um eine Chance zu haben, überhaupt wieder austreiben zu können. Auf den Laien, das räumt Jarolim unumwunden ein, wirke dieses „Zurechtschneiden“ befremdlich. „Aber die Experten haben sich da wirklich Gedanken gemacht, absolut ordnungsgemäß gehandelt und der Eigentümerin sogar eine Skizze gefertigt, an welchen Stellen die Säge anzusetzen ist. „Die Hoffnung, dass sich der Baum wieder erholt, auch wenn das natürlich viele Jahre dauern wird, habe ich jedenfalls“, betont der Bürgermeister.

Nicole Müller: bei Weiden ist es üblich, dass diese wieder austreiben

Diese Hoffnung teilt Nicole Müller von der Unteren Naturschutzbehörde durchaus. Selbst bei diesen uralten Kopfweiden und selbst bei einem solch massiven Schaden sei es üblich, dass die Bäume wieder austreiben würden. „Auch wenn der Baum natürlich nicht mehr so aussehen wird, wie vorher“, stellt sie klar. Dennoch sei es aber keine Frage gewesen, das Naturdenkmal, das in drei Teile zerbrochen war, zu erhalten. „Unser Ökologe hat sich das angeschaut und trotz der Sturmschäden und der Weißfäule im Inneren des Stammes gemeint, dass da noch was zu retten ist“, fährt Nicole Müller fort.

Als der besagte Anrufer wiederum am Ende des Tages von den wirklichen Begebenheiten erfährt, ist er am Telefon nicht mehr fassungslos, sondern eher kleinlaut. „I glaub, i sott mi bei de Verantwortliche entschuldiga ond danke saga.“ Dass diese den Baum nicht einfach „ummachen“, sondern wirklich retten wollten, hätte er sich in der heutigen Zeit aber einfach nicht vorstellen können.

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