Nicht nur für die Schüler geht es nun in die Sommerferien. Die Sonderschullehrerin Eva Halagah hat ihr erstes Schuljahr an der Hasenbergschule in Stuttgart hinter sich gebracht. Haben sich ihre Erwartungen an den Beruf erfüllt? Zeit für ein Resümee.
So schnell kann es gehen! Vor einem Jahr saß Eva Halagah noch bei ihrer Vereidigung im großen Saal des Stuttgarter Rathauses, jetzt ist sie schon ein ganzes Jahr lang Lehrerin an der Hasenbergschule im Stuttgarter Westen. Der perfekte Zeitpunkt für ein Resümee: Wie ist die Arbeit als Lehrerin?
Eva Halagah ist Sonderschullehrerin und hat an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg studiert. Nach ihrem Referendariat bewarb sie sich an der Hasenbergschule in Stuttgart-West, einem sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit Förderschwerpunkt Lernen. Sie wurde eingestellt und unterrichtete in der Grundstufe, also die jüngeren Schülerinnen und Schüler. „Es ist meine Wunschschule“, sagte Halagah bei der Vereidigung zu Beginn des vergangenen Schuljahres. Ein kleines, Kollegium und eine Arbeit, bei der die Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt stehen – darauf hatte sich Halagah besonders gefreut. Haben sich ihre Erwartungen erfüllt?
Eine fast schon familiäre Umgebung hat die 39-Jährige vorgefunden: 13 Kolleginnen und Kollegen sind an der Schule tätig, in ihrer Klasse saßen im vergangenen Schuljahr nur acht Kinder. „Diese bieten eine besondere Herausforderung “, sagt Halagah. „Alle haben besondere Umstände und Hintergründe.“ Der Unterricht sei daher sehr auf die einzelnen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler ausgerichtet, um diese bestmöglich fördern und stärken zu können
Der Lernstoff ist an die Schüler angepasst
Manche können noch nicht lesen, andere haben keine Probleme damit, dafür aber Schwierigkeiten mit dem Rechnen. Wieder andere haben sprachliche Beeinträchtigungen oder nur wenige Deutschkenntnisse. „Jeder Schüler bekommt seine eigenen, individuellen Aufgaben“, erzählt Halagah. Im Vordergrund stehe aber nicht die Leistung, sondern die Kinder. Dafür zu sorgen, dass diese trotz ihrer Lernschwierigkeiten bestmöglich gefördert werden, sei mit das Wichtigste in ihrer Arbeit. „Der Ansatz ist: Das Kind steht im Mittelpunkt, der Lernstoff wird angepasst.“
Genau das ist es, was sich Halagah von ihrem Beruf gewünscht hat – und immer noch wünscht. „Ich mag die Herausforderung, Schüler mit besonderem Förderbedarf aufs Leben vorzubereiten“, erzählte die angehende Lehrerin bereits bei ihrer Vereidigung, und das hat sich nicht verändert. „Ich möchte unterstützen und Lernbegleiterin sein, das macht für mich den Beruf aus“, sagt die Lehrerin heute.
Unterstützung aus dem Kollegium
Auch wenn die Leistung nicht im Mittelpunkt steht, freut sich Halagah trotzdem über die enormen Fortschritte der Schüler. Ein Schüler beispielsweise, der zuvor eine reguläre Grundschule besuchte, habe am Anfang des Schuljahres keine zwei Buchstaben lesen können. Durch die individuelle Förderung konnte er bereits nach wenigen Monaten kleine Texte lesen. „Alle aus meiner Klasse haben auch für das Leben gelernt. Jeder unserer Schüler und Schülerinnen ist individuell besser geworden, das ist so schön zu sehen“, erzählt sie.
„Das Kollegium war dabei auch sehr hilfsbereit und wertschätzend, das hatte ich ja schon beim Bewerbungsgespräch gemerkt“, sagt Halagah. Man gebe sich gegenseitig Tipps, und auch der Schulleiter sei stets unterstützend gewesen. „Ich hatte viel Freiraum und durfte meine Ideen umsetzen“, erzählt sie. Sie habe beispielsweise unter anderem Lautgebärden im Unterricht eingeführt und dafür viel Zuspruch bekommen. „Ich hatte das Gefühl, dass meine Stärken gesehen werden.“
Heißt das also, dass sich ihre Erwartungen erfüllt haben? „Voll und ganz“, antwortet Halagah. Sie gehe sehr gerne in die Schule, mit den Kollegen sei es ein schönes und professionelles Miteinander – fast schon familiär. „Ich habe das Gefühl, ich bin beruflich angekommen.“