Zwei junge Leute aus Gerlingen und Bonndorf mitten in der Wüste Sahara: Stefanie Höschele und Moritz MorlokSo manches Sandloch hat die Fahrkünste der beiden Studenten herausgefordert. Foto: Flash-Sport

Stefanie Höschele und Moritz Morlok berichten von ihrer R-4-Rallye durch das Atlas-Gebirge und die Sahara nach Marokko. Die Begegnungen mit den Menschen in den Dörfern Nordafrikas waren für sie am eindrücklichsten.

Gerlingen - D as Autofahren im Sand, die fünf kalten Nächte und heißen Tage in der Wüste, die Stunden und Tage beim Autoherrichten in den Monaten zuvor – alles hat nicht die Bedeutung wie etwas ganz anderes: die Begegnung mit den Menschen in Nordafrika und deren Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Das bleibt hängen, das ist für Stefanie Höschele (25), die Studentin aus Gerlingen, das Wichtigste an ihrer Fahrt nach Marrakesch. Es war keine Reise, es war ein Abenteuer. Auch Moritz Morlok (21), ihr Kommilitone und Rallyepartner aus Bonndorf, ist begeistert: „Marokko – auf jeden Fall noch mal.“

Die beiden Studenten der Elektronik und Technischen Informatik an der Hochschule Furtwangen im Schwarzwald hatten sich im Frühjahr des vergangenen Jahres entschlossen, an der 19. Rallye der französischen Hilfsorganisation Enfants du Désert (Kinder der Wüste) teilzunehmen. Was vor knapp 20 Jahren als Gag-Veranstaltung einiger Studenten begonnen hatte, mauserte sich zu einer internationalen Benefizrallye von Südfrankreich nach Marrakesch. Teilnehmen dürfen nur Teams mit einem alten Renault 4. Jeder Wagen transportiert 50 Kilo Hilfsgüter für Schulkinder im Süden von Marokko. So kommt bei 1250 Autos eine Menge zusammen, die drei bis vier Lastzüge füllen würde.

Nicht nur Hefte im Auto

Die beiden Studenten haben Schulmaterial mitgenommen – und Stefanie Hö­schele hat auf alte Gerlinger Verbindungen vertraut: die Realschule. Dort stifteten die Schüler bei einer Sammelaktion im Spätherbst Hefte, Stifte und andere Dinge, die Kinder in kleinen Dorfschulen Nordafrikas brauchen. Unterstützung bekamen die beiden jungen Leute auch noch anderswo in Gerlingen: zum Beispiel vom Autohaus Kühnel und Kuhn, von Endress und Hauser, vom Sanitärbetrieb Bea oder vom Obst- und Gartenbauverein. Dort berichteten sie am Samstag von ihrem Afrika-Abenteuer.

„Es war körperlich sehr anstrengend“, sagt Stefanie Höschele, „ich hatte meinen Tiefpunkt nach einem unheimlich langen Tag in der Wüste.“ Erst brachten sie Stunden in einer Autoschlange vor einem Sandloch zu, es gab technische Probleme und dann auch noch Aufregung wegen einer Schlange („Die lag auf einmal unterm Auto, so schnell war ich noch nie drin und hab’ die Tür zugehauen“). Dazu kamen die Anstrengungen zuvor und abends das Ausladen der Kartons mit den Schulsachen.

Doch die Tage danach, die anderthalb Wochen auf eigene Faust durchs Land: Das habe gutgetan. Vor allem der Aufenthalt in dem kleinen Gasthaus, das eigentlich voll war. „Die Besitzer haben uns erlaubt, unser Zelt auf der Dachterrasse aufzuschlagen, sie haben uns jede Menge Teppiche gebracht und sich voll um uns gekümmert und uns bekocht. Wir gehörten sofort zur Familie. Und das bei wildfremden Leuten.“ Die 25-Jährige ist noch voller Emotionen. Und die Verständigung? „Die Söhne konnten Englisch, wir ein bisschen Französisch.“ Noch ein paar Tage Marrakesch – „ich war überrascht, wie modern und zivilisiert diese Stadt ist“, sagt Moritz Morlok – und eine kleine Rundreise, bei der sie feststellten: „In den Dörfern leben die Leute einfach und die Rollen zwischen Mann und Frau sind klar verteilt, aber es geht jetzt ein Ruck durchs Land.“ All das brachte weitere Eindrücke. Ebenso wie Gespräche mit Kommilitonen aus Afrika ohne Chance auf einen adäquaten Job.

Auch Flüchtlingskinder in Stuttgart haben profitiert

Sehr schade sei gewesen, dass sie die Hilfsgüter nicht direkt hätten abliefern können, meint Höschele. In Schulen seien sie nicht reingekommen. Enfants du Désert habe alles gesammelt und verteilt. Auf ihrer Internetseite bedankt sich die Organisation für alle Gaben „von sehr hoher Qualität“. Kinder in Stuttgart haben auch profitiert. „Wir hatten so viel bekommen, wir konnten gar nicht alles ins Auto reinpacken.“ Da seien sie zur Schleyerhalle gefahren, die damals noch Flüchtlinge beherbergte, und hätten zwei Kartons mit Heften und Stiften für die Kinder abgegeben.

Was bleibt, außer dem Sand im alten roten R 4? Neue Freundschaften und ganz viele Einblicke in die Lebensweise von Menschen einer anderen Kultur, die so viel über das Leben in Deutschland hätten wissen wollen. „Wir sind dort angekommen und waren angenommen.“

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