Deborah Feldman: Bestseller mit ihrem autobiografischen Roam „Unorthodox“ Foto: Mathias Bothor

Erfolgsautorin Deborah Feldman erzählt an diesem Dienstag in der Stuttgarter Stadtbibliothek von religiösen Eiferern und ihrer abenteuerlichen Flucht vor den Satmarer Chassiden.

Stuttgart - Ihr Debütroman wurde in den USA auf Anhieb ein Bestseller. Kein Wunder: Die Story ist spektakulär, erschütternd und berührend. In „Unorthodox“ schildert Deborah Feldman das Leben in der ultraorthodoxen jüdischen Glaubensgemeinschaft der Satmarer Chassiden im New Yorker Stadtteil Williamsburg.

An diesem Dienstag, 19 Uhr, erzählt Deborah Feldman, 32, in der Stuttgarter Stadtbibliothek von ihrer wagemutigen Flucht aus den Fängen der Sekte, über ihr neu gewonnenes Leben und ihre Erfahrungen in Bezug auf religiösen Fanatismus, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus.

Wut und Verzweiflung

„Es gibt viele Frauen, die in ähnlichen Situationen sind, wie ich es war“, sagt Deborah Feldman, „der Antrieb, sich aus derlei Zwängen zu befreien, ist immer der gleiche: eine Mischung aus Wut und Verzweiflung. Aber man braucht auch Glück dazu.“ Sie schätzt es nicht, als besonders mutige Frau dargestellt zu werden oder einem seltenen Exemplar gleich im Rampenlicht der Öffentlichkeit zu stehen. „Ich stehe nur stellvertretend für andere Frauen – und ich habe lediglich mehr Aufmerksamkeit bekommen, weil ich ein Buch geschrieben habe.“

Wütend und verzweifelt war sie, weil sie in der reaktionären Welt der Satmarer Chassiden so ziemlich auf alles verzichten musste, was Kinder und Jugendliche lieben. Schicke Kleidung, Musik, Kino, Party und Freunde außerhalb der jüdischen Glaubensgemeinschaft. Glück hatte sie, weil ihr der autobiografische Roman das Einkommen sicherte, das ihr und ihrem Sohn den Neustart in der fremden Welt erleichterte. „Unorthodox“ wurde in den USA millionenfach verkauft.

Deborah Feldmann besuchte eine streng religiöse Schule. Nach dem Abschluss arbeitete sie dort als Lehrerin. Ohne Ausbildung. Lehre oder Studium waren für Frauen nicht vorgesehen. Mit 17 Jahren musste sie eine arrangierte Ehe mit einem Satmarer Chassiden eingehen. Wie allen verheirateten Frauen der Sekte wurden ihr danach die Haare abrasiert.

Die Ehe entwickelte sich unglücklich, Deborah Feldman begann, sich aus den Fängen der autoritären und engstirnigen Welt zu befreien. Sie studierte heimlich, lernte Englisch, ging ins Kino. Mit 19 Jahren bekam sie einen Sohn. Als sie ihn mit drei Jahren auf die religiöse Schule schicken sollte, kehrte sie den Satmarern endgültig den Rücken. Heute gilt sie dort als Verräterin, die den Tod verdient hat.

Erlösung durch den Messias

Die Satmarer halten den Holocaust für eine Strafe Gottes, weil sie nicht fromm genug waren. Entsprechend streng sind Verhaltensweisen und Rituale. Den Staat Israel lehnen sie ab, weil sie überzeugt davon sind, dass Gott sie für ein Leben in der Diaspora bestimmt hat – bis der Messias sie erlöst.

Deborah Feldman hat sich von diesen Fesseln befreit. In ihrem Buch „Exodus: A Memoir“ schildert sie ihr Leben als alleinerziehende Mutter in der veränderten gesellschaftlichen Wirklichkeit und ihre Suche nach neuen Wurzeln, die sie in Berlin gefunden hat. Inzwischen lebt sie mit ihrem Sohn in der Bundeshauptstadt. „Berliner zu sein ist keine Frage der Geburt. Dort ist es sehr, sehr schwierig aufzufallen“, sagt die Autorin. Und das sei auch gut so. „Ich denke nicht mehr darüber nach, wie ich von irgendwem wahrgenommen werde.“

Deborah Feldman ist am Dienstag, 19. März, Gast bei der Stuttgarter Diskussionsreihe „Einwanderungsland Deutschland“. Die Autorin gastiert in der Stadtbibliothek zum Thema: „Geschichten über Rassismus“. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Gastgeber ist das Forum der Kulturen. Die Stuttgarter Nachrichten unterstützen die Diskussionsreihe.
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