Eine Wanze auf der Suche nach einem warmen Unterschlupf an einem Fenster im Stuttgarter Osten. Foto: Jürgen Brand

Die lästigen Insekten haben sich auch in Stuttgart in diesem Jahr deutlich vermehrt. Bei Bedrohung stinken sie. Die eingeschleppte Marmorierte Baumwanze hat sich auch in der Stadt stark vermehrt – und ärgert die Gärtner.

Stuttgart - Sie beißen nicht, sie stechen nicht, saugen auch kein Blut, aber viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter haben trotzdem ein bisschen Angst vor ihnen und finden sie vor allem eklig: Wanzen. Blöderweise gibt es gerade – nicht nur in Stuttgart, sondern in vielen Teilen Baden-Württembergs und Deutschlands – besonders viele von ihnen. In Kaltental sammeln sie sich nachmittags an von der Sonne erwärmten Hauswänden, in Heslach sind sie zu finden, auch in Gaisburg. Und wenn Fenster oder Türen zum Lüften geöffnet sind, kommen sie gerade am späteren Nachmittag auch gerne mal nach drinnen in die Wohnung. Schließlich ist es dort wärmer und gemütlicher als in den inzwischen doch schon kühleren und nebligen Nächten draußen.

Zwei Generationen „Lästlinge“

„Lästlinge“ nennt der Insektenexperte Dr. Stefan Kress vom Nabu Stuttgart die Viecher, das aber auch nur ungern. Eigentlich freut er sich sogar: „2018 ist ein gutes Insektenjahr gewesen“, sagt Kress, „was aber keine Entwarnung beim Thema Insektensterben bedeutet.“ Durch das warme Wetter hätten zum einen mehr Insekten als sonst überlebt, zum anderen hätten manche Arten es geschafft, sogar zwei Generationen in die Welt zu setzen. Zum Beispiel die Wanzen.

Kress hat in seinem Garten in Kaltental und bei Exkursionen entlang des Nesenbachs zwischen Kaltental und Heslach nicht nur insgesamt viele Wanzen entdeckt, sondern Ende September eben die Larven dieser zweiten Generation. „Gartenbesitzer müssen jetzt aber keine Angst haben, dass demnächst ihr ganzer Garten hinüber ist“, beruhigt Kress. „Und wenn man sie in seiner Wohnung findet, ist das auch kein Zeichen für mangelnde Hygiene. Die suchen nur ein warmes Plätzchen.“

In Asien, den USA und mitten in Stuttgart

Während andernorts wie beispielsweise in Weiden in der Oberpfalz oder auch in Freiburg etwas reißerisch über eine „Invasion der Stinkwanzen“ geklagt wird, bleibt der Stuttgarter Experte ganz sachlich und erklärt erst einmal, um welche Wanzen es sich eigentlich handelt.

Weltweit gibt es rund 40 000 Wanzenarten, in Deutschland sind davon etwa 1000 nachgewiesen. Hierzulande heimisch ist die Graue Gartenwanze, die zur Familie der Baumwanzen gehört, bis zu 16 Millimeter groß wird, und an ihrer graubraunen Farbe mit dunklen Punkten erkennbar ist. Eine andere auch in Stuttgart heimische Art ist die sogenannte Grüne Stinkwanze, die etwas kleiner und eben grün ist. Die Marmorierte Baumwanze stammt aus Ostasien, wurde über Nordamerika nach Europa eingeschleppt und entwickelt sich wegen ihrer raschen Vermehrung mancherorts zur Plage. Das gilt vor allem für Gebiete mit Obstanbau, wo die Wanzen gerne an süßen Früchten saugen, was bei Äpfeln beispielsweise zu Deformierungen und Verfärbungen führt. Aber auch in Stuttgart haben sie sich stark ausgebreitet, wie das Amt für Umweltschutz der Stadt bestätigt.

Zurzeit in Büros ein Problem

„Stinken tun sie alle gleich“, sagt Dennis Hoffmann von der Walter Grönhoff Schädlingsbekämpfung GmbH mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen. Der Technische Leiter des Unternehmens spielt dabei auf das nicht gerade angenehm riechende Sekret an, das viele Wanzen absondern, wenn sie sich bedroht fühlen oder beispielsweise auch mit dem Staubsauger eingesaugt werden. Deswegen werden sie auch oft „Stinkkäfer“ genannt. „Den Saugerbeutel können Sie dann gleich in die Mülltonne tun.“ Hoffmann bestätigt, dass es auch im Stuttgarter Raum in diesem Jahr mehr Wanzen als sonst gibt. „Das ist gerade vor allem in Büroräumen ein Thema, wo die Wanzen durch Jalousienkästen nach drinnen kommen und dann plötzlich von der Decke auf die Tastatur fallen“, sagt Hoffmann. Am meisten hat er in diesen Tagen dabei mit der Grauen Gartenwanze zu tun, im Bereich Leinfelden auch mit der aus den USA eingeschleppten Wanze. „Man kann Hauswände mit einem Spray behandeln, damit die die Wände meiden“, so Hoffmann. Aus Jalousienkästen kann man sie nur absaugen. Bei vereinzelten Wanzen in Wohnungen rät Stefan Kress vom Nabu dazu, sie einfach auf ein Blatt Papier krabbeln zu lassen und dann wieder nach draußen zu bringen. Dann stinkt’s auch nicht.

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