In den Sommerferien sind viele Wohnungen in und um Stuttgart urlaubsverlassen. Lockt das die Einbrecherbanden an? Im Juli gab es einige Auffälligkeiten.
Alles scheint gut gelaufen zu sein für den Einbrecher. An einem Haus an der Züricher Straße in Bad Cannstatt hatte er nachts ein offen stehendes Fenster gesehen, war reingeklettert, hatte nach einem Geldbeutel und einem Smartphone gegriffen – und konnte sich mit seiner Beute gerade noch aus dem Staub machen, als er vom Wohnungsinhaber entdeckt wurde. Dann ist er zunächst spurlos verschwunden.
Gekippte Fenster als Einladung Der Fall, der sich kurt vor dem Beginn der Sommerferien abgespielt hat, ist typisch für die Serie von Wohnungseinbrüchen, die sich im Juli in Stuttgart gehäuft haben. „In der großen Hitze haben es die Täter auf gekippte oder gar offen stehende Fenster abgesehen“, sagt der Polizeisprecher Sven Burkhardt. Da spielte es sogar noch keine Rolle, ob die Bewohner zu Hause sein könnten.
Schwerpunkt zurzeit in Stuttgart-Ost Wo werden die Täter in der Urlaubszeit besonders zuschlagen? In letzter Zeit ist der Stuttgarter Osten aufgefallen, wo sich Täter besonders für gekippte Fenster interessiert hatten – etwa im Nüblinweg, in der Hornberg-, Friedenau- oder Haußmannstraße. Doch auch die Innenstadtbezirke West und Mitte sind zuletzt im Visier der Eindringlinge gewesen. In Bad Cannstatt haben unbekannte Täter eine besondere Handschrift hinterlassen. In einem Mehrfamilienhaus an der Nürnberger Straße bohrten sie die Schlösser von zwei Wohnungstüren auf, ließen Schmuck und Geld im Wert von mehreren Tausend Euro mitgehen. Dabei hätten sie auch noch eine dritte Wohnung heimgesucht, allerdings ließ sich die Tür nicht aufbohren. Die Täter blieben unbekannt.
Was auch der Einbrecher von der Züricher Straße gerne geblieben wäre. Doch da kommt es anders. Der Täter ist seit gut einer Stunde unterwegs und hat inzwischen zu Fuß die gut 1,5 Kilometer entfernte König-Karl-Straße in Bad Cannstatt erreicht, als er einer Polizeistreife begegnet. Die Beamten interessieren sich für ihn. Der Verdächtige rennt davon, auf die Eisenbahnstraße, dann in den hinteren Bereich des Amtsgerichts. „Er hat sich unter ein geparktes Auto gelegt“, sagt der Polizeisprecher Burkhardt, „die Kollegen haben ihn dennoch entdeckt und festgenommen.“ Doch wie war man denn auf die Spur des Mannes gekommen?
Fenster im Visier – manchmal wird sogar gebohrt
Flucht endet unter einem geparkten Auto
Tatverdächtiger in Untersuchungshaft Bei dem Mann, der inzwischen in Untersuchungshaft sitzt, handelt es sich um einen 49-Jährigen – mit vielen Einträgen in den Polizeisystemen. „Er ist einschlägig polizeibekannt“, sagt Burkhardt. Der Mann ist hierzulande wohnsitzlos, stammt aus Südosteuropa. Offenbar agierte er alleine. Hinweise darauf, dass er zu einer reisenden Tätergruppe gehören könnte, gibt es nicht.
Einbrüche: niedrige Aufklärungsquote Einbrecher werden relativ selten gefasst. Zumindest 2022 weist die Stuttgarter Kriminalitätsstatistik eine Aufklärungsquote von nur 7,4 Prozent auf – nach gut 22 Prozent im Jahr davor. Auch landesweit ist die Quote mit 17,5 Prozent im vorigen Jahr eher bescheiden. Dabei gibt es immer wieder Straßenkontrollen, um Tatverdächtige auf „Dienstreisen“ aufzuspüren – die sogenannte Verkehrswegefahndung. Die Festnahme des 49-Jährigen hat aber eher ungewöhnliche Gründe. Es ist der Inhaber der Wohnung, in die kurz zuvor eingebrochen worden war, der die Beamten auf die Spur gebracht hatte. Der konnte sein gestohlenes Smartphone über Ortungsdienste ausfindig machen – und die Polizei zur König-Karl-Straße lotsen. Der Rest war Formsache.
So ging der Täter letztlich ins Netz
Mehr Einbrüche nach Pandemie So weit sollte man es freilich in der Urlaubszeit erst gar nicht kommen lassen. Die Einbruchszahlen sind nach der Pandemiedelle deutlich angestiegen: Landesweit von 3300 auf 4500 Fälle, in Stuttgart von 257 auf 435 im Jahr 2022. Dabei wird in den dunklen Monaten November bis Februar am häufigsten eingebrochen: Im Jahr 2022 gab es in Stuttgart im November 118 Wohnungseinbrüche – im Juli lediglich zehn, im August 21.
Zahl der Wohnungseinbrüche steigt wieder
Überquellende Briefkästen, tagsüber geschlossene oder nachts hochgezogene Jalousien, kein Licht in der Wohnung, unverschlossene Kellertüren – für die Polizei gibt es da ein erhöhtes Risiko, bei Abwesenheit ins Visier von Einbrechern zu geraten. Einbruchsgeschützte Fenster und Türen, Zeitschaltuhren und freundliche Nachbarn, die ab und an einfach nur nach dem Rechten schauen – diese Maßnahmen können dazu beitragen, böse Überraschungen nach der Rückkehr aus dem Urlaub zu vermeiden.