Die Beute hielt sich in eher bescheidenen Grenzen. Den Kindern aber bot sich die einmalige Gelegenheit, auf Spurensuche zu gehen. Foto: Rüdiger Ott

Diebe sind kürzlich in die Einrichtung an der Widmaierstraße 100 eingestiegen. Sie erbeutetet 35 Euro. Das ist kein Einzelfall. In Stuttgart gab es 2014 schon 13 Kita-Einbrüche.

Möhringen - Die groß angelegte Suche begann am Donnerstag vor einer Woche, nachdem die erste Polizeistreife das Haus verlassen hatte. Natürlich hatten die Kinder mitbekommen, dass etwas nicht stimmte. Schließlich befragten die Beamten die Erwachsenen und schauten sich das Büro ganz genau an. Auch die Tür zum Spielgarten hatte es den Polizisten angetan. Der grün gestrichene Holzrahmen war gesplittert.

„Das war die Sensation für die Kinder“, sagt Iris Henschel. Also bekamen die kleinen Detektive Lupen in die Hand gedrückt und machten sich auf die Suche nach den Einbrechern. Den ganzen Tag über jagten sie in der Kita an der Widmaierstraße verdächtigen Spuren nach. „Es war für die Kinder nichts Beängstigendes“, sagt die Mitarbeiterin der Einrichtung.

Dabei hatte die unterhaltsame Aktion einen ersten Hintergrund. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag waren Unbekannte über den Hintereingang in das Gebäude eingestiegen. Im Büro brachen sie einen Rollcontainer auf, in dem sie aber nichts fanden. Schließlich nahmen sie eine Geldkassette an sich, in der sich 35 Euro befanden, eine Scheckkarte und ein Stapel Kontoauszüge. Die Karte benutzten die Täter aber gar nicht, wie die Auswertung der Polizei hinterher ergab.

13 Mal wurde 2014 bereits in Kitas eingebrochen

Einbrüche in Kitas sind keine Seltenheit. Allein seit Anfang des Jahres hat die Stuttgarter Polizei 13 Vorfälle registriert. „Das ist über das ganze Stadtgebiet verteilt“, sagt Thomas Geiger, ein Sprecher der Polizei. Im Januar traf es eine Einrichtung in Heslach, im Februar lagen die Tatorte in Weilimdorf, Birkach und Bad Cannstatt. Im März waren Täter in Sillenbuch unterwegs.

Im Juni waren erneut Einrichtungen in Sillenbuch und Bad Cannstatt das Ziel. Im Juli dann folgten Einbrüche in Untertürkheim, in Zuffenhausen, zweimal in der Innenstadt – und in Vaihingen. Dort hatten es die Einbrecher auf die Kita an der Robert-Koch-Straße abgesehen. Im Keller hebelten sie 30 Schränke auf. Beute machten die Diebe aber keine.

Das ist nicht ungewöhnlich. Üblicherweise hält sich der Schaden in Grenzen, von der Aufregung einmal abgesehen. Mal wird ein Laptop entwendet, meist aber nur ein paar Euro aus der Kaffeekasse, oft auch rein gar nichts. „Ich weiß von Fällen, wo die Einbrecher Buntstifte geklaut haben“, sagt Geiger. Auch Tassen wurden schon stibitzt.

Die Täter gehören nicht zur organisierten Kriminalität

Das wirkt nicht professionell. Mit den Wohnungseinbrüchen, die meist auf das Konto von Banden gehen, hat das jedenfalls nichts zu tun. „Das ist eine andere Klientel“, sagt Geiger. Kitas „sind oft so gelegen, dass sie nicht einsehbar sind“, sagt der Polizeisprecher. Abends und am Wochenende sind die Einrichtungen zudem mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit leer. „Die Gefahr, dort erwischt zu werden, ist gering.“ Aber eben auch die Aussicht auf fette Beute.

Die Geldkassette, die die Einbrecher in Möhringen geklaut haben, war übrigens schnell wieder gefunden. Noch am Vormittag des selben Tages brachte eine Polizistin den Blechkasten zurück. Er war auf der Schafwiese zwischen den Wohngebieten Salzäcker und Märchensiedlung gelegen. „Die Kassette ist noch in Ordnung“, sagt Henschel. „Aber die Kontoauszüge haben wir weggeworfen, sie waren voller Dreck.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: