Theo Karipidis mit seinem amerikanischen Luxus-Schlitten, ein Cadillac DeVille, Baujahr 1957 Foto:  

Der 70-Jährige Theo Karipidis aus Wendlingen liebt seinen rosafarbenen Cadillac DeVille, Baujahr 1957, der nur bei schönem Wetter aus der Garage geholt wird. Mit diesem Oldtimer fällt er überall auf.

Wo immer Theo Karipidis mit seinem Auto unterwegs ist, zieht er alle Blicke auf sich. Staunend schauen ihm die Leute nach. Sobald er irgendwo parkt, bleiben Neugierige stehen, um das Fahrzeug zu bestaunen und Fotos zu machen. Kein Wunder, der Cadillac DeVille des Wendlingers ist ein echter Hingucker: Baujahr 1957 und 5,62 Meter lang, in einem Top-Zustand, mit den typischen markant gestalteten Heckflossen – und rosafarben.

 

Als Theo Karipidis den Wagen nach der Überführung aus Amerika im Schiffscontainer zum ersten Mal sah, wollte er seinen Augen nicht trauen: „Rosa. Das geht gar nicht. Mich hat fast der Schlag getroffen“, erinnert er sich und muss dabei lachen. „Ich wollte unbedingt einen alten Cadillac, dieses Auto ist ein Traum“, erklärt der heute 70-Jährige, weshalb er das gute Stück unbesehen kaufte. Ein amerikanischer Freund hatte es bei einem hochbetagten Herrn in Boston entdeckt, und Theo Karipidis, der weder über den Zustand noch das Modell geschweige denn die Farbe Bescheid wusste, „kaufte die Katze im Sack“.

Der „Pink Cadillac“ genießt Kultstatus

Heute hat er sich an das dezente Rosa seines „Ami-Schlittens“ von einer der ältesten Automarken der Welt gewöhnt und würde ihn weder umlackieren noch gegen ein andersfarbiges Modell tauschen. Immerhin genießt der „Pink Cadillac“ mittlerweile Kultstatus: Elvis Presleys Fleetwood-Sixty-Cadillac steht im Graceland-Museum, das rosafarbene Luxusauto spielt in zahlreichen Filmen eine wichtige Rolle, und es wurde von Jerry Lee Lewis, Elvis, Aretha Franklin und Bruce Springsteen besungen. Theo Karipidis reiht sich mit seinem Oldtimer seit vielen Jahren beim Wendlinger Vinzenzifest-Umzug ein, verleiht den Wagen manchmal für Fotoshootings oder fährt Freunde schon mal damit zu ihrer Hochzeit. Picobello gepflegt, darf die rosa Schönheit – mit H-Kennzeichen und einem rosafarbenen „Route 66“-Schild im Heckfenster – aber nur bei schönem Wetter aus ihrer extra langen Garage. Der V8-Motor hat einen satt blubbernden Sound, die Bremsen quietschen ein bisschen, „das ist normal, das sind die Bremsbacken, damals gab es noch keine Bremsklötze“, erklärt Karipidis. Trotz seines Gewichts von 2750 Kilogramm gleitet das Auto mit Servolenkung, -bremse und Drei-Gang-Automatik-Getriebe weich durch die Kurven. „Die Federung ist sehr gut, das haben sich die Amerikaner als echtes Luxusfahrzeug geleistet“, sagt Karipidis.

Die rund 310 PS unter der Motorhaube könnten das Fahrzeug theoretisch auf 160 Stundenkilometer beschleunigen. „Aber ich fahre gemütlich, höchstens 70 oder 80, mir geht es um die entspannte Atmosphäre, das genieße ich“, betont Karipidis. Auf dem amerikanische Meilen anzeigenden Tachometer hat er die wichtigsten Kilometerzahlen mit Klebepünktchen markiert. Gut 80 Liter Benzin passen in den Tank, bei Tempo 70 verbraucht die Maschine etwa 15 Liter auf 100 Kilometer.

Der geräumige Innenraum ist mit einer edlen blaugrünen Textilie ausgeschlagen, Hebel und Knöpfe glänzen verchromt um die Wette, am Rückspiegel baumeln ein Mini-Elvis-Presley und zwei flauschige Würfel als Reminiszenz an die 1950er Jahre. Die durchgehende Sitzbank vorne, auf der drei Personen sitzen dürfen, bietet den Komfort eines Wohnzimmersofas. Die Seitenfenster schieben sich beim Kurbeln erst schräg nach hinten, dann waagerecht nach vorne. Abgesehen von einem modernen CD-Player für den passenden Rock’n’Roll-Sound, sind alle Teile original. Allein die roten amerikanischen Lichter und Lampen mussten an europäische Standards angeglichen werden.

Extra große Parklücken sind notwendig

Ersatzteile bestellt Theo Karipidis direkt in den USA oder beim Spezialhändler in Hamburg. Als ehemaliger Autohändler, -verwerter und gelernter Automechaniker kann er alles selbst reparieren. Der gebürtige Grieche, der als kleiner Junge nach Deutschland kam, zeigt an seinem Cadillac mit einer griechischen Standarte Flagge. Mit seiner Überlänge braucht der Cadillac übrigens extra große Parklücken: „Aber wenn ich höflich frage, ob ich einen zusätzlichen Parkplatz blockieren darf, höre ich immer ein freundliches ‚Lassen Sie ihn ruhig da stehen!‘“, muss er grinsen. Wenn er durch Wendlingen fährt, freut sich Theo Karipidis an den strahlenden Gesichtern der Menschen, die sein Auto bewundern: „Und im Straßenverkehr sind alle viel netter zu mir, wenn ich im Cadillac unterwegs bin.“