Wegen der Corona-Krise lahmt der Verkauf von Reisebussen – das verursacht Einbrüche bei den Klimasystemen, die Eberspächer in Renningen entwirft. Foto: Simon Granville

In Eberspächer Standort Renningen soll ein Viertel der Belegschaft gehen. DieIG Metall schlägt stattdessen flexible Arbeitszeitmodelle vor.

Renningen - Wenn die Automobilindustrie hustet, dann haben die Zulieferer Grippe. Die Firma Eberspächer, bekannt für Standheizungen und Auspuffanlagen, entwickelt am Standort Renningen Klimamodule für Reisebusse, und das mit immer weniger Personal.

Dem jüngsten Personalabbau stemmt sich die Gewerkschaft IG Metall entgegen. 28 von hundert Leuten sollen gehen, also gut ein Viertel der Beschäftigen. „Wir verstehen, dass aufgrund der Corona-Pandemie die Nachfrage nach Reisebussen und damit auch nach unseren Klimamodule zurückgegangen ist“, sagt dazu Michael Kocken von der IG Metall, der die Verhandlungen auf Arbeitnehmerseite führt.

13 Stellen sind unverzichtbar

Die Gewerkschaft glaubt jedoch, dass Eberspächer mit dem Instrument der Kurzarbeit in der Krise viel besser fahren würde als mit Personalabbau. Denn: Die Busse die jetzt nicht geordert werden, „die werden zu einem späteren Zeitpunkt bestellt“ – und dann könne man das Personal aus der Kurzarbeit zurückholen und wieder durchstarten. Außerdem hat die Gewerkschaft in Renningen 13 Stellen gefunden, die unverzichtbar seien für den Betrieb, sagt die IG Metall.

Michael Kocken hält der Geschäftsleitung von Eberspächer auch vor, dass sie angeblich fehlinvestiert hätte. Dabei dreht es sich um ein Grundstück in Wiernsheim bei Pforzheim, das sich das Unternehmen reserviert habe, und das nun wohl unbebaut bleibe.

Die Fronten sind verhärtet

Die Fronten, wie so oft in dieser Art von Verhandlungen, sind verhärtet: Eberspächer hat die Verhandlungen bereits für gescheitert erklärt. Die Gewerkschaft nicht, denn sie sieht sich erst in der Informationsphase, nicht in der Verhandlungsphase. Dem zum Trotz wird nun der Gang zum Arbeitsgericht und zu einer Einigungsstelle wahrscheinlich. Michael Kocken wäre es aber nach wie vor lieber, wenn man wie schon in der letzten Krise mit Kurzarbeit über die Runden käme.

In einem ist Eberspächer mit der Gewerkschaft einig: Der Standort in Renningen, in dem Bus-Klimasysteme entwickelt und vertrieben werden, schreibt Verluste „aufgrund der wirtschaftlichen Krise im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie“, sagt Anja Kaufer, die Pressesprecherin des Unternehmens. Eberspächer glaubt, der Absatzmarkt werde sich auch mittelfristig nicht auf das Ausgangsniveau vor der Krise erholen. Als Folge werde die Auslastung für den Standort Renningen sinken. „Wir können dort nicht kostendeckend arbeiten. Nach ausführlicher Analyse haben wir leider keine andere Wahl und müssen die Belegschaft um 28 direkte und indirekte Arbeitskräfte reduzieren.“ Ziel der Verhandlungen jetzt sei es, den Abbau sozial verträglich zu gestalten.

Trotz der aktuell schwierigen Lage bestehe eine Übereinkunft der Eberspächer Gruppe, langfristig in die Firma zu investieren. Deshalb sei auch das Grundstück für eine Ansiedlung in Wiernsheim bei Pforzheim reserviert worden. Ein Umzug sei kurzfristig allerdings nicht geplant, sagt die Pressesprecherin.

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