Ein Schnitt durch Ludwigsburg. Foto: Uwe Moser

Alleenbäume müssen den Autos weichen: Vor 50 Jahren begann der Ausbau der Bundesstraße 27. Seither ist Ludwigsburg in zwei Teile zerschnitten.

Ludwigsburg - Ludwigsburg wurde zweimal gegründet: einmal als Schloss und einmal als Stadt. Als wollte man diesen Doppelursprung wieder sichtbar machen, wurde im 20. Jahrhundert der Prachtbau und die Bürgerstadt auch faktisch getrennt. Nein, man hat keine Mauer errichtet, aber eine Straße ausgebaut, die eine ähnliche Wirkung hatte: die Bundesstraße 27. Was Behörden und Politiker damals als zukunftsweisende Großtat feierten, gilt den meisten Ludwigsburgern heute als größtes Ärgernis. Vor 50 Jahren sind dafür die Weichen gestellt worden.

Der Traum vom Tunnel

Im vergangenen Jahr durften die Ludwigsburger ein paar Monate lang davon träumen, dass dieser schmerzhafte Einschnitt in ihre Stadt wenn schon nicht ganz, so doch wenigstens unter der Erde verschwinden werde. Die Stadtverwaltung bewarb sich um die Austragung einer Landesgartenschau und hoffte, in diesem Zuge das nötige Geld für den gewünschten Megatunnel B 27 zusammenzubekommen. Unten hätte der Verkehr weiterrollen können, während darüber eine Parklandschaft Schloss und Stadt miteinander versöhnen sollte. Dieser Traum ist geplatzt. Ludwigsburg bekam keine Gartenschau und muss weiterhin mit der ungeliebten Stadtautobahn in der City leben.

Starker Widerstand

Man darf sich nicht vorstellen, dass in den fünfziger und sechziger Jahren alle dem Modernitätswahn verfallen waren. Es gab durchaus starke Gruppen, die sich für den Umweltschutz und für die Erhaltung der damals noch in zwei Reihen stehenden Alleenbäume der Stuttgarter Straße einsetzten. Es gründete sich auch die Bürgerinitiative „Rettet die Alleen“.

Die Projektgegner plädierten für eine nur etwas breitere Bundesstraße und eine Verteilung des Verkehrs. Und zwar auf eine Osttangente (von Kornwestheim über Sonnenberg, Oßweil und Schlösslesfeld) und eine Westtangente (von Kornwestheim über Pflugfelden, Osterholz nach Eglosheim). Schon damals gab es die Idee für einen Tunnel vor dem Schloss, aber auch den Vorschlag, die Bahnlinie aus der Stadt zu verbannen und an Stelle der Schienen eine breite Straße zu bauen.

„Die Schönheit der Stadt für immer zerstört“

Nach jahrelangem Streit sind die Gegner zermürbt. Im Frühjahr 1969 geben die Stuttgarter Aufsichtsbehörden grünes Licht und am 16. September des gleichen Jahres beginnen die Bauarbeiten. „Die Schönheit von Ludwigsburg und der organische Zusammenhang von Altstadt und Schlossbezirk wird für immer zerstört“, prophezeit der empörte Schwäbische Heimatbund. Am 28. Oktober werden die ersten Alleenbäume zwischen der Sternkreuzung und dem Kaffeeberg gefällt. Auch eines der ältesten Häuser gegenüber dem Schloss musste den Baggern weichen.

Mehr als zweieinhalb Jahre – bis zum Juli 1972 – wurde an dem 26-Millionen-Mark-Projekt gebaut.

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