Hat TV-Geschichte geschrieben: „Sterns Stunde“ von und mit Horst Stern. Foto: SWR

Der Journalist, Naturschützer und Schriftsteller Horst Stern lebt heute zurückgezogen in Passau

Stuttgart/Passau - Manchmal können es Bemerkungen ganz schön in sich haben: Wenn der Journalist und Fernsehfilmer Horst Stern in den 1970er Jahren in seinen Sendungen „Sterns Stunde“ seine Bemerkungen über das Verhältnis der Menschen zu Tieren und Natur machte, dann waren das Sternstunden für den Journalismus.

Ob er die Praktiken in der Landwirtschaft anprangerte, über Tiere in der Pharmaforschung berichtete oder den Umgang von Förstern und Jägern mit Wald und Wild schilderte: Sterns Bemerkungen in seinen legendären Filmen waren stets hart und offen, aber falsche Informationen waren ihm nie nachzuweisen, und handwerkliche Fehler auch nicht.

Während diejenigen, auf die Sterns Bemerkungen gemünzt waren, vor Wut schäumten und gegen die nach ihrer Meinung harschen und überzogenen Darstellungen Sturm liefen, jubelten die Naturschützer. Und sie vereinnahmten den prominenten Filmemacher, wo sie nur konnten.

Naturschutzbeauftragter in Lindau

Zunächst engagierte sich Horst Stern auch privat und aktiv im Naturschutz: Er kämpfte beispielsweise als Naturschutzbeauftragter in Lindau gegen eine chemische Fabrik am Bodensee, auch war er an der Gründung sowohl des Bundes für Umwelt und Natur Deutschland als auch der Deutschen Umwelthilfe beteiligt.

Doch später war er es zunehmend leid, vor den ökologischen Karren gespannt zu werden und „bei jedem Ortsverband vorneweg marschieren zu sollen“, wie er es einmal bei einer Veranstaltung an der Universität Hohenheim ausdrückte. Sozusagen an „seiner“ Uni, denn die Hohenheimer hatten ihn mit der Ehrendoktorwürde für sein Engagement belohnt.

Chefredakteur von „Natur“

Doch seinem Metier, dem Journalismus, blieb er zunächst treu, nachdem er 1980 seine Fernsehkarriere beendet hatte: Er gründete die Zeitschrift „Natur“, die im Schweizer Ringier Verlag erschien – und wurde ihr Chefredakteur. Seine ersten journalistischen Sporen hatte er sich bei den Stuttgarter Nachrichten verdient, und zwar als Gerichtsreporter. Nach dem Krieg hatte es den 1922 in Stettin geborenen Horst Stern zu einem Freund nach Ludwigsburg verschlagen. Der gelernte Bankkaufmann konnte gut englisch – und so wurde er zunächst Gerichtsdolmetscher der US-Army. Da war dann der Schritt zum Gerichtsreporter nicht weit.

Doch seine Zeit als engagierter Chefredakteur bei „Natur“ währte nicht allzu lange. 1984 zog sich der alte Ringier aus dem Verlagsgeschäft zurück – und seinen Söhnen lag die Natur – und die Zeitschrift „Natur“ – wohl nicht allzu sehr am Herzen. So war es wenig verwunderlich, dass Horst Stern die Konsequenz zog und ging – und auch gleich als Leitfigur des Umweltschutzes abtrat. Er zog sich zunächst in die Abgeschiedenheit der Schweizer Bergwelt zurück, 1992 wanderte er nach Irland aus.

Literatur-Schriftsteller

Und er wurde zum Literatur-Schriftsteller, veröffentlichte Werke wie „Mann aus Apulien“, „Jagdnovelle“ und „Klint – Stationen einer Verwirrung“. Über die Bewertung des 1993 erschienenen Buches „Klint“ sind sich die Literaturkritiker keineswegs einig – was Horst Stern nicht sonderlich beeindruckt haben dürfte.

Inzwischen verbringt er seinen Lebensabend seit Jahren in Passau – wo er nach wie vor nicht von der Öffentlichkeit gestört werden will, wie eine Sprecherin der Stadt Passau bereits anlässlich seines 90. Geburtstages mitteilte.

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