KNITZ war vier Wochen im Urlaub. Kann es ein Zufall sein, dass vier mit V wie Vorruhestand anfängt?
Ein wenig aufgeregt war KNITZ schon, als er nach vier Ferienwochen seinen Computer hochfuhr. Ob ihm seine Anmeldung für den Rechner noch einfallen würde?
Während des Urlaubs hätte man ihn nicht danach fragen dürfen – so weit weg war er gedanklich von der Arbeit, was nicht das Schlechteste ist. Als er dann aber wieder vor seinem Rechner hockte, war die Anmeldung schlagartig wieder da. KNITZ verbrieft das unter höhere Eingebung.
Der Laden lief auch ohne KNITZ
Vier Wochen Ferien! So lang hat KNITZ noch nie seiner Redaktion den Rücken gekehrt. Soweit er es beurteilen kann, lief der Laden auch ohne ihn. Das ist einerseits eine bittere Erkenntnis, die anderseits aber auch vor Größenwahn schützt.
Zur Not kann KNITZ sich an all den Baustellen festhalten, an denen er auf dem Weg in die Redaktion vorbeikommt. Da hat sich wenig getan. So darf er sich immerhin einbilden, dass ohne ihn hier nix läuft.
In den vier Wochen bereiste KNITZ mit dem Wagen und huckepack geladenen Fahrrädern Italien – und er tat es nicht nur deshalb, um auf die Frage, wo er denn im Urlaub hingefahren sei, scherzhaft mit „gen Italien“ antworten zu können. Oder schlechte Fotos eines wolkenverhangenen Vulkans mit „an Vesuv war’s wert“ kommentieren zu dürfen. Lohnenswert ist es übrigens, bei Regen in kurzen Hosen durch Sorrent zu schlendern, was ihm die Einsicht brachte: „So rennt man bei dem Wetter hier net rum.“
KNITZ war nicht nur zum Kalauern da. Er hat in erster Linie die Wärme gesucht, musste allerdings beim Hinweg in der Badehochburg Cesenatico feststellen, dass es an der Adria ganz schön regnerisch und stürmisch sein kann. Aber er will nicht klagen. Ein Baum hat es mit ihm gut gemeint. Er fiel erst um, als er den Wagen weggefahren hatte.
Erhellender Besuch im Ätnamuseum
Leider waren seine Bemühungen, den Einheimischen astreines Schwäbisch beizubringen, wenig von Erfolg gekrönt. Da reichen vier Wochen wohl nicht aus. KNITZ revanchierte sich auf seine Art, indem er beinhart „Bonn Tschorno“ grüßte und in Lokalen konsequent „Gnotschi“ gestellte – selbst wenn ihm mehr nach Nudeln war.
Fremdsprachenkenntnisse werden im KI-Zeitalter ohnehin überschätzt. In einem hübschen Barockstädtchen auf Sizilien beobachtete KNITZ einen Dreiradfahrer, der seine beiden Passagiere aus Übersee auf Italienisch mit den historischen Feinheiten des Ortes vertraut machte. Kaum hatte der Mann geendet, fummelte er auf seinem Smartphone herum – und eine Frauenstimme gab den Vortrag auf Englisch wieder.
Schön übrigens auch, dass in Apulien ein deutscher Männername hochgehalten wird, der bei uns vom Aussterben bedroht ist. Eine Erkenntnis, die KNITZ beim Durchfahren der Stadt Manfredonia kam. Zudem fiel ihm auf, dass man zwar auf jahrtausendealte griechische Tempel trifft, auf Speisekarten einem aber weder Gyros noch Ouzo begegnen.
Eine wirklich tiefschürfende Erkenntnis, die künftig wohl sein Leben beeinflussen wird, beschlich KNITZ beim Besuch des Ätnamuseums auf Sizilien. Er hatte ganz vergessen, wie dünn doch die Kruste ist, die uns vor dem Gebrodel im Erdinneren schützt. Also hat er für sich beschlossen, sich mehr in Demut zu üben und fortan noch bescheidener aufzutreten.