Uwe und Gaby Vasel 1971 auf dem Bundeswehrball in der Stuttgarter Liederhalle – da sind sie seit sechs Jahren verheiratet. Foto: privat

Gaby und Uwe Vasel lernen sich 1962 auf einem Tanzball kennen, den er und seine Kameraden eigens für die Mädchen einer Schule veranstaltet haben. Doch erst mal landet sie am falschen Tisch.

Ausnahmsweise hat der Leutnant die Uniform abgelegt. Er steht jetzt im schwarzen Anzug vor dem jungen Mädchen im orangefarbenen Kleid, unten weit, an der Taille eng geschnitten. Er verbeugt sich und fordert sie zum Tanz auf. Die nächsten Stunden werden der Leutnant und das Mädchen, er 23 und sie 16 Jahre alt, nicht mehr auseinanderzukriegen sein. Dabei hätte es an diesem Septemberabend 1962 in Hannover auch anders laufen können.

 

Die ganze Geschichte beginnt eigentlich ein paar Wochen zuvor. Bei einem Schulball fehlen ein paar männliche Tanzpartner. Die Schulsprecherin holt sich dafür drei Leute von der Bundeswehr aufs Parkett, schicke Männer in Ausgehuniform. Einer davon ist Uwe Vasel, der Leutnant. Die Soldaten sehen die vielen schönen Mädchen auf dem Ball und beschließen: „Wir machen auch einen Tanzabend.“

Am Tag des Tanzabends kommt die Schulsprecherin auf Gaby zu. „Gell, Gaby, du kommst heute Abend“, sagt sie. Die Männer haben nach dem ersten Ball eine Liste mit 30 Namen von Mädchen geschrieben, die unbedingt kommen sollten. Gaby ist eine von ihnen. Sie wusste das nur nicht.

„Ich melde mich“, sagt er, aber sie glaubt nicht recht daran

Als Gaby auf dem Ball auftaucht, wird sie gleich von einem Mann an den Tisch gebeten, das läuft damals so. Aber der Mann ist gar nicht Gabys Typ. Sie beschließt eigentlich schon, nicht lange zu bleiben. Dann betritt Uwe Vasel den Raum.

Gaby sieht Uwe, der leicht lächelt, und denkt sich: „Wow, der hätte mir gefallen.“ Sie versucht Blickkontakt herzustellen, sie muss ihn dazu kriegen, dass er sie anspricht, auch das läuft damals so. Die erste Tanzrunde muss sie noch warten, aber dann, dann kommt Uwe, verbeugt sich leicht und sagt: „Darf ich bitten?“ Sie tanzen und reden einige Stunden durch, dann fährt er sie in seinem VW Käfer nach Hause. Er sagt: „Ich melde mich.“ Sie glaubt nicht so recht daran. Dabei ist es längst um beide geschehen. Aber viel Zeit bleibt ihnen nicht.

Im Käfer durch die Republik, nur um sie kurz zu sehen

Ein paar Wochen später muss Uwe Vasel nach Feldafing am Starnberger See, ein halbes Jahr Fernmelderausbildung. Sie gehen davor viel spazieren, zu zweit in einer Wohnung treffen dürfen sie nicht, der sogenannte Kuppelparagraf hatte das verboten.

Gaby hat immer ein Bild von Uwe unter der Schulbank, gerne zeigt sie den Mann in Uniform mit dem hübschen, kantigen Gesicht ihren Mitschülerinnen. Uwe stellt sich in die Schlange vor das Münztelefon in seiner Kaserne, nur um ein paar Minuten mit Gaby reden zu können. Einmal müht sich Uwe mit dem Auto auf verschneiten Straßen quer durch die Republik, nur um Gaby für ein Wochenende zu sehen. Sie schreiben sich stapelweise Briefe, in denen Dinge stehen wie: „Ich sehne mich nach dir“, oder: „Ich halte es fast nicht mehr aus“, erzählen die beiden. Irgendwann haben sie es überstanden.

Andere haben nicht so lange durchgehalten

Am 20. März 1965 – an diesem Montag vor 58 Jahren – heiraten Uwe und Gaby Vasel, 1966 und 1967 kommen Sohn und Tochter zur Welt, mittlerweile gibt es drei erwachsene Enkel. Erst wohnen sie in Stade, später in Esslingen, seit 1977 in Winnenden, das bessere Wetter hat sie in den Süden gezogen. Erst wird noch Urlaub im Zelt gemacht, das Geld ist knapp, irgendwann reicht es für ein Wohnmobil. Albanien, Algarve, Andalusien, sie sind viel unterwegs. Bald geht es vielleicht wieder nach Griechenland.

Manchmal stellen sie fest, dass sehr viele andere Paare nicht so lange durchgehalten haben. „Es kam mir nie in den Kopf, dass es nicht klappen könnte“, sagt Gaby Vasel.

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