Foto: Patricia Sigerist

Kurz vor der Wahl stellen sich die fünf OB-Kandidaten in einer Serie unserer Zeitung Fragen zu Themen wie Verkehr, Wirtschaft und Bildung.

Fellbach - Der Wahlkampf um die Nachfolge von Oberbürgermeister Christoph Palm nimmt zum Ende der Schulferien unverkennbar an Fahrt auf. Zahlreiche öffentliche Bürgergespräche der Kandidaten Gabriele Zull und Carsten Hansen finden statt, und außer der offiziellen Kandidatenvorstellung am Montag, 12. September, in der Schwabenlandhalle haben Vereine und Zusammenschlüsse aus Fellbach in kurzen Abständen ihre eigenen Podiumsdiskussion angesetzt, um alle fünf Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters, Ulrich Raisch, Gabriele Zull, Hans Mack, Werner-Peter Schifterowisch und Carsten Hansen vorzustellen und zu befragen.

In der heutigen Ausgabe unserer Zeitung beginnt auch eine Serie mit Antworten aller Kandidaten auf Fragen zur gegenwärtigen Kommunalpolitik in Fellbach. Diese sind mal kurz und knapp, mal ausführlich ausgefallen, je nach Naturell des Beantworters und wohl je nach dem Zeitbudget, das er zur Verfügung hatte.

Den Anfang unserer Fragenserie macht die Verkehrspolitik

Den Anfang unserer Fragenserie macht die Verkehrspolitik, die in den vergangenen Monaten den Gemeinderat und zahlreiche ehrenamtlich mitwirkende Bürger beschäftigte: vom nicht in den Papierkorb zu kriegenden Wunsch außerhalb von Fellbach, einen Nord-Ost-Ring – wohlgemerkt für überregionalen Verkehr – zu bauen bis zur wachsenden Bedeutung des Radfahrens (siehe unten stehend).

Wer zusätzlich zu den schriftlichen Beiträgen der Kandidaten in der Zeitung diese alle kennenlernen möchte, hat zuerst am Dienstag, 6. September, von 15 Uhr an, im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Schmiden, Charlottenstraße 55, die Gelegenheit dazu. „OB-Kandidaten im Gespräch“ lautet das Motto der Veranstaltung des Treffpunkts Mozartstraße, des Seniorentreffs Schmiden und des Seniorentreffs Oeffingen. Die Moderation hat ein Senior der Kommunalpolitik, der frühere Leiter unserer Redaktion in Fellbach, Gerhard Brien.

Die offizielle Kandidatenvorstellung der Stadt Fellbach, die als nächstes am Montag, 12. September kommt, hat mit dem Hölderlinsaal der Schwabenlandhalle einen wesentlich größeren Rahmen. Der Erste Bürgermeister Günter Geyer wird diesen Termin leiten.

Eine Art Talk-Show mit Gabriele Zull und Carsten Hansen schwebt der katholischen Kirche vor

Eine Art Talk-Show mit Gabriele Zull und Carsten Hansen schwebt der katholischen Kirchengemeinde Fellbach vor, wenn sie am Dienstag, 13. September einen Abend zur OB-Wahl veranstaltet. Er beginnt um 19.30 Uhr im St. Franziskus-Heim, Tainer Straße 10. Am folgenden Tag sollen sich auch die übrigen drei Bewerber bei den Katholiken vorstellen können.

Die Sportvereine TSV Schmiden, SV Fellbach und TV Oeffingen veranstalten am Mittwoch, 14. September, 19.30 Uhr eine Podiumsdiskussion zur OB-Wahl mit allen zur Wahl zugelassenen Bewerbern unter dem Thema „Sport und Ehrenamt“. Sie findet im Ristorante „Stadio“, Nurmiweg 8, Großer Saal, statt. Die Aufgabe des Diskussionsleiters wird Sascha Schmierer, der Leiter unserer Fellbacher Redaktion, übernehmen.

Noch näher an den Wahlsonntag, 18. September, rückt die Podiumsdiskussion des Jugendgemeinderats und des Stadtjugendrings Fellbach. Sie findet am Donnerstag, 15. September, 19.30 Uhr im CVJM-Heim, Gerhart-Hauptmann-Straße 32 statt. Sie soll vor allem auch Jugendlichen die Chance geben, Fragen zu stellen und die Ziele der Kandidaten für Fellbach zu erfahren.

Die Kandidaten geben Antworten zum Thema Verkehr

Die Fellbacher Zeitung hat nachgefragt. Vor der Oberbürgermeisterwahl haben uns die Kandidaten zu wichtigen Fragen geantwortet. Heute steht das Thema Verkehr im Fokus – der Nord-Ost-Ring, der Nahverkehr und die Mobilität auf dem Fahrrad.

Wird der Nord-Ost-Ring aus Ihrer Sicht die Verkehrsprobleme rund um Fellbach lösen?
Ulrich Raisch Ein „Ring“ allein löst überhaupt nichts, schon gar kein Verkehrsproblem. Gabriele Zull Nein, ganz sicher nicht. Im Gegenteil: Der geplante Nord-Ost-Ring ist als überörtliche Bundesfernstraße eine Bedrohung für Mensch und Natur. Ich werde ihn konsequent ablehnen – standfest und unter Einbeziehung aller legalen politischen und juristischen Instrumente. Erforderlich sind stattdessen kleinräumige Verbesserungen des Verkehrsnetzes wie zum Beispiel die zweite Neckarbrücke in Remseck, die den Betrieben und Pendlern nützen.
Hans Mack Viele, aber nicht alle, nicht nur für Fellbach.
Werner-Peter Schifterowitsch Nein.
Carsten Hansen Nein, das wird er nicht. Nötig sind zukunftsfähige Lösungen für Pendler: Mehr Stadtbahn, mehr S-Bahn und mehr Regionalbahn. Denn statt mehr Straßen für wachsenden Autoverkehr brauchen wir Alternativen, damit wir mobil bleiben können.
Der öffentliche Nahverkehr leidet am Mix aus mangelnder Zuverlässigkeit und hohen Preisen. Was müsste sich ändern, damit Bus und Bahn eine echte Alternative werden?
Ulrich Raisch Öffentlicher Nahverkehr ist eine echte Alternative schon aus Umweltgründen. Schutz von Umwelt und Natur, Zuverlässigkeit von Infrastruktur kostet Geld. Bei Konsens in diesen wohl unstrittigen Zielen ist über die Finanzierung neu nachzudenken und politisch zu entscheiden.
Gabriele Zull Die mangelnde Zuverlässigkeit betrifft in erster Linie die S-Bahn; hier ist die Region gefragt, überfällige technische Maßnahmen durchzusetzen. Wichtig ist, den Zugang zum Schienenverkehr für Rad- und Autofahrer genauso wie für Fußgänger und Busreisende weiter zu verbessern: Durch sichere und komfortable Fahrradabstellanlagen, kundenfreundliche Park-and-Ride-Anlagen, eine Aufwertung von Bushaltestellen und leicht verfügbare Informationsangebote.
Hans Mack Effizienz, keine Geldverschwendung wie Tunnels.
Werner-Peter Schifterowitsch Günstigere Preise für alle.
Carsten Hansen In erster Linie natürlich eine größere Zuverlässigkeit. Aber auch ein bedarfsgerechtes Linienangebot, möglichst ohne Umstiege. Ein Beispiel: Die Verlängerung der U2 nach Schmiden/Oeffingen, perspektivisch gesehen auch darüber hinaus. Dass eine Stadtbahn in der Region gut funktionieren kann, zeigt das Beispiel Karlsruhe.
Die Verkehrsplanung der Stadt räumt dem Radverkehr bisher einen besonders hohen Stellenwert ein. Ist das berechtigt oder muss da in Fellbach zurückgedreht werden?
Ulrich Raisch Radfahren ist gut, schon aus Gründen der Umwelt und der Gesundheit. Schaffung neuer Radwege beziehungsweise Veränderungen im Straßenverkehr kosten bekanntlich aber viel Geld – und eine Kommune hat viele Aufgaben. „Gegen Adam Riese kann man keine Politik machen“, sagte dazu Manfred Rommel, früherer Oberbürgermeister von Stuttgart. Wer also gerne mehr Radwege möchte, möge daher bitte auch konkrete Finanzierungsvorschläge dazu machen.
Gabriele Zull Zurückdrehen? Nein, gerade in Fellbach mit seiner fahrradfreundlichen Topografie gibt es bei der Förderung des Radverkehrs noch viel zu tun. Aber auch das Auto ist für viele Menschen unverzichtbarer Teil ihrer Mobilität. Ich setze auf eine kluge Verkehrsplanung ohne ideologische Brille – auf stimmige Lösungen für Fußgänger, Rad- und Autofahrer und ÖPNV-Nutzer. In der Praxis läuft’s am besten, wenn Verkehrsteilnehmer aufeinander Rücksicht nehmen.
Hans Mack Richtig so.
Werner-Peter Schifterowitsch Die bisherige Entwicklung ist positiv.
Carsten Hansen Im Gegenteil, der Stellenwert muss beibehalten werden, damit langfristig ein noch besseres Miteinander erreicht wird. Und die Konflikte zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern müssen entschärft werden. Außerdem geht es nicht um „zurückdrehen“ oder um „etwas wegnehmen“, sondern darum, die Kapazität unserer Straßen für den Verkehr zu erhöhen. Dafür ist ein anderer Verkehrsmittelmix nötig.
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