Gleich geht es los: Herbert Paulus war beim Nepal-Marathon dabei. Foto:  

Jeder Schritt muss sitzen: Der Möhringer Herbert Paulus hat beim Nepal-Marathon mitgemacht. Fast neun Stunden hat er für das Rennen benötigt, das in mehr als 5000 Meter Höhe beginnt.

Möhringen - Ganz zum Schluss des Nepal-Marathons hat Herbert Paulus noch einmal alles aus sich herausgeholt und sich noch einen Zielsprint mit einem weiteren Teilnehmer geliefert. „Ich habe mich noch fit gefühlt“, sagt der 49-Jährige. Eine Sekunde vor seinem Mitläufer kam er ins Ziel. Auch bei der Abschlussfeier wurde diese Szene gezeigt. Erst am Donnerstag ist der Dauerläufer aus Nepal zurückgekehrt. „Es war ein gigantisches Abenteuer“, sagt Paulus. Wieder einmal ist er für einen guten Zweck gelaufen, in diesem Fall für den Verein Nepal Schulprojekt – Zukunft für Kinder. Ein Sponsor hatte die Reisekosten übernommen.

19 Tage dauerte die Reise, die über die Stationen Kathmandu, Lukla und danach in vielen Etappen aufwärts zum Mount Everest Basiscamp auf 5357 Meter Höhe führte. Es war fast genau die Strecke, die es später bergab beim Marathon zu meistern galt. „Das war manchmal beglückend, aber auch manchmal bedrückend“, erzählt Paulaus. Zumal in der Nacht auf den 25. Mai Schneefall einsetzte und die weißen Flocken trotz anderer Prognosen munter weiter vom Himmel fielen. „Das ist dann gleich knie- und hüfthoch. Und bei dieser Höhe ist das eine Wahnsinnsqual“, sagt Paulus. Sogar der Abbruch des Nepal-Marathons stand der Debatte, die Organisatoren verlegten aber den Lauf weiter ins Tal. Für die Teilnehmer, die wie Paulus in Zelten übernachteten, hieß das: Am Ruhetag alles zusammenpacken und vollbepackt zum neuen Startpunkt laufen. „Ich habe geschwitzt ohne Ende“, sagt der Ultramarathonläufer.

Die doppelte Lawine

Dass es durchaus gefährlich in dieser Höhe sein kann, hat die 20-köpfige Gruppe, der auch Paulus angehörte, gleich zweimal am eigenen Leib erfahren. „Auf dem Weg zum Basiscamp ist hinter uns eine Lawine heruntergekommen“, sagt der Marathonmann. Auf dem Rückweg kam der Tross ebenfalls noch rechtzeitig zum Stehen, bevor einige Schneemassen ins Tal rutschten.

Nepalesiche Führer kümmerten sich um den Aufbau Zelte, den Transport der Ausrüstung und sie kochten auch für die Gruppe. „Wecken war jeden Morgen um sechs Uhr mit Tee“, sagt Paulus. Er ergänzt: „Das Schlafen in dieser Höhe war eine Kunst.“ Schnell hat Paulus auch gelernt, dass es sinnvoll ist, sich ein Staubtuch vor Nase und Mund zu binden: „Mittlerweile ist der Husten wieder fast weg.“

Immer voll konzentriert

Bevor sich der Marathonläufer mit den anderen auf den Weg zur Startlinie machte, hat sich Paulus noch angeschaut, was der Verein Nepal Schulprojekt alles auf die Beine gestellt hat. Gemeinsam mit der Initiatorin Astrid Vöhringer war er auch dort, wo das erste nepalesische Hospiz enstehen soll. Zudem besuchte er eine Schule und besichtigte einen Brunnen, der sauberes Wasser liefert. Geknüpft hat den Kontakt Brigitte Martin, die Regionalleiterin bei Dienste für Menschen ist. Dort arbeitet auch Paulus als Leiter des Finanz- und Rechnungswesens.

Das hat der Dauerläufer nach 8 Stunden 49 Minuten und 45 Sekunden erreicht. Der Sieger, eine Nepalese, brauchte weniger als vier Stunden für den halsbrecherischen Lauf. „Man muss immer voll konzentriert sein, die Strecke lässt da nichts zu. Wer einmal nicht aufpasst, stürzt sofort“, sagt Paulus. Zeitweise sei er wie ein Skifahrer unterwegs gewesen. Es komme darauf an, jeden Schritt richtig zu setzen. Einmal klappet das nicht ganz: „Ein Stück aus der Sohle wurde dabei herausgerissen.“ Durch die Verlegung der Startlinie wurde die Route an anderer Stelle verlängert. „Da lief man dann immer in einem kleinen Bach“, sagt Paulus, der froh war, dass er wasserdichte Socken anhatte. Mittendrin fehlte plätzlich auch ein Stück des Weges. Im Verbund mit anderen Läufern galt es, an einer Felswand entlangzukraxeln. Dabei rutschte Paulus aus und landete auf dem Steißbahn. Doch er trug nur einen blauen Fleck davon.

Auf dem Weg nach unten hat es Paulus am Anfang langsam angehen lassen, auch weil sich vor ihm viele Läufer tummelten. Zum Schluss legte er freilich einen Zahn zu. „Es war der beste und emotionalste Zeileinlauf aller Zeiten“, sagt Paulus euphorisch, der am Ziel von Brigitte Martin empfangenn wurde. Er schmiedet schon Lauf-Pläne fürs nächste Jahr. „Jerusalem, Tel Aviv, Jericho“, nennt er als Stationen. Ob dann mit oder ohne Zielsprint ist wohl nur eine Frage der Kondition.

Spendenkonto
Wer spenden will, kann dies mitdem Stichwort Nepal-Marathon unter der Kontonummer458 647 507 bei der Commerzbank, Bankleitzahl 611 800 04, tun.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: