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Die Ergebnisse der Betriebsratswahlen, die letzte Woche bei Mercedes in Sindelfingen stattgefunden haben, stehen fest: Die IG Metall liegt vorn, dahinter das AfD-nahe Zentrum.

Die Mitarbeitenden des Mercedes-Werks Sindelfingen haben zwischen 3. und 5. März einen neuen Betriebsrat gewählt. Im Wahlkampf stand besonders die Frage im Fokus, wie viele Sitze im Betriebsrat die rechte, AfD-nahe Interessensvertretung Zentrum holen wird oder ob die bisher am stärksten vertretene Gewerkschaft, die IG Metall, sich behaupten kann.

 

Nun steht das vorläufige Endergebnis fest. Wie der Betriebsrat im Sindelfinger Werk mitteilt, landete die IG Metall mit 48 von 57 Sitzen (Betriebsratswahl 2022: 48 von 59) klar auf Platz eins. Das macht einen Stimmenanteil von 80,39 Prozent (2022: 79,8 Prozent). Damit hat die zum Dachverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zählende Gewerkschaft ihr Ergebnis im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren verbessern können.

Die IG Metall hatte im Vorfeld der Wahlen auf Errungenschaften ihrer Betriebsratsarbeit hingewiesen. Es war der Gewerkschaft gelungen, trotz wirtschaftlicher Sorgen des Konzerns, einen Bonus von mehr als 3100 Euro pro Mitarbeitenden und eine Jubiläumsaktie sowie eine Standortgarantie für Sindelfingen bis 2035 auszuhandeln.

Zentrum legt zu, bleibt aber deutlich zurück

Mit Spannung war das Abschneiden von Zentrum beobachtet worden. Wie das vorläufige Endergebnis zeigt, hat Zentrum 6,1 Prozent der Stimmen und drei Sitze in dem Gremium geholt. Damit sind in Sindelfingen Armin Noll, Kay Rittweg und Markus Albrecht in den Betriebsrat gewählt worden. Kay Rittweg ist AfD-Mitglied, Gemeinderat aus Oberndorf am Neckar und seit der Landtagswahl 2026 auch Mitglied der AfD-Fraktion dort.

Kay Rittweg wurde am Sonntag für die AfD in den Landtags von baden-Württemberg gewählt. Foto: Kay Rittweg

Zum Vergleich: Im Jahr 2022 gewann Zentrum 3,9 Prozent. In den vergangenen vier Jahren stellte der 2009 von dem ehemaligen rechtsextremen Musiker Oliver Hilburger gegründete Verein in Sindelfingen zwei Betriebsräte. Am Werk Sindelfingen trat Zentrum mit einer 47-köpfigen Liste an.

Zentrum warnte vor einem „Niedergang“ der Branche und des Unternehmens. Außerdem suchte der Verein mit personellen und starken inhaltlichen Überschneidungen zur AfD die Nähe zu der in Teilen rechtsextremen Partei. Und die baden-württembergische AfD betonte ihre Unterstützung für die als Gegnerin des Verbrenner-Aus bekannte Interessensvertretung.

Auf Platz drei hinter der IG Metall und Zentrum rangiert die „Christliche Gewerkschaft Metall“ mit 5,39 Prozent (2022: 6,9 Prozent) und drei Betriebsräten (2022: vier). Dahinter wiederum folgen die „AUB – Die Unabhängigen Sindelfingen“ mit 3,29 Prozent und einem Betriebsratssitz, die Liste „die Mitte“ mit 2,40 Prozent und einem Betriebsratssitz sowie die Liste „die Basis“ mit 2,34 Prozent und ebenfalls einem Sitz in der Mitarbeitervertretung des Autokonzerns.

Wahlbeteiligung gestiegen

Die Wahlbeteiligung hat sich 2026 nochmals gesteigert. Von den 35.460 wahlberechtigten Beschäftigten am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen haben sich 21766 Beschäftigte – also 61,4 Prozent – an der Wahl beteiligt. Die Wahlbeteiligung lag bei der Wahl 2022 bei 55,4 Prozent.