Ziemlich abgefahren, was KNITZ da in der S-Bahn las. Foto: Daniel Maurer/dpa/Daniel Maurer

Früher fuhr KNITZ am liebsten Auto. Jetzt fährt er am liebsten Rad oder mit der Bahn. Was ist da schiefgelaufen?

Ein Kollege, der täglich mit dem Zug zwischen Augsburg und Stuttgart pendelt, unterhält die Redaktion mit seinen mit „Erlebniswelt Bahn“ überschriebenen Kurzgeschichten. Wenn man die liest, weiß man, wie öde Autofahren im Grunde doch ist.

 

Vergangenen Mittwoch hatte der Kollege für seine „Feierabendfahrt“, wie er den Heimweg nennt, vier Züge im Visier. Sie alle kamen extrem pünktlich, einer sogar eine Minute zu früh. Der Zug, den der Kollege schließlich erwischte, fuhr nur deshalb sieben Minuten zu spät los, „weil ein Depp eine Tür offenhielt“.

Wer schreibt schon über pünktliche Züge

KNITZ hat dem Kollegen empfohlen, er möge seine amüsanten Reiseerlebnisse doch in einem öffentlichen Blog niederschreiben. Kein Automobilist könnte da mithalten, mit faden Erzählungen über Stop-and-go-Verkehr und wie ihm mal wieder die Vorfahrt genommen wurde.

KNITZ erwähnt den Eintrag vom vergangenen Mittwoch des Kollegen auch deshalb, weil über pünktliche Züge sonst kein Mensch schreibt – und schon gar keine Zeitung. Ein berühmter Theatermann, der wohl nicht so berühmt war, dass KNITZ sich an seinen Namen erinnern würde, sagte einmal: „Ihr von der Zeitung schreibt ja nur über Züge, die entgleisen.“ Das trifft es ziemlich genau. Wobei notorisches Zuspätkommen uns auch eine Berichterstattung wert ist.

Vergangenen Mittwoch war KNITZ auch auf Gleisen unterwegs. Seine Reise, die mit einer S-Bahn begann, verlief wie am Schnürchen. Selbst das Umsteigen bereitete ihm Freude, weil er nie lange warten musste. Die rasante Fahrt mit der U 12 bei Sonnenschein heraus aus dem Talkessel hoch auf die Filder war das reine Vergnügen. Für die Kurverei an diesem Vormittag hätte KNITZ mit dem Wagen länger gebraucht. Allein schon wegen der Parkplatzsuche.

Als KNITZ in der Redaktion ankam, war er so beschwingt, als hätte er das Rad genommen – und er war trocken geblieben, was dem Pedaleur nicht vergönnt gewesen wäre.

Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, hin und wieder mit der Stadtbahn in Stuttgart verkehren, dürften Ihnen auch schon die Gedichte aufgefallen sein, die dort über den Köpfen der Fahrgäste zu lesen sind. Eingängig sind die selten, manchmal sogar schwere Kost, aber sie können nicht mit dem mithalten, auf was KNITZ unlängst auf der Anzeigentafel eines S-Bahn-Zuges stieß.

KNITZ macht sich für ein paar Wochen vom Acker

Unter der Überschrift „Werkstatt“ war dort Weiß auf Blau zu lesen: „Herzlich willkommen! Die Deutsche Bahn wünscht Ihnen eine angenehme Reise auf der Fahrt von Werkstatt nach Bitte aussteigen.“

KNITZ ist sich nicht sicher, welcher literarischen Stilrichtung das entspringt. Aber auf alle Fälle ist das höhere Literatur. Dieses Stück Bahnpoesie muss KNITZ auf sich wirken lassen, so was geht nicht von heute auf morgen. Für so was braucht man Muse.

Und deshalb wird er sich für ein paar Wochen vom Acker machen. Sein Fahrrad nimmt er mit, aber die große Reise wird er in einem Automobil antreten. Einem Fortbewegungsmittel, das ihm früher das Allerliebste war, aber dessen Reiz merkwürdigerweise etwas in weite Ferne gerückt ist. Machen Sie es gut! KNITZ ist gespannt, ob der Wagen und er auf der langen Strecke wieder zusammenfinden.