Ein Kleinod verfällt Die Villa Berg zwischen allen Stühlen

Von Theresa Schäfer 

Seit mehr als fünf Jahren ist die Villa Berg im Stuttgarter Osten Verfall und Vandalismus ausgeliefert. Weder die Stadt, noch der Häussler-Insolvenzverwalter oder der Investor PDI werden gegen den Verfall aktiv.

Stuttgart - Es ist, als würde die Villa Berg ihre Augen verschließen vor ihrem eigenen Elend: Mit Sperrholz sind die Fenster des einstigen Landhauses des württembergischen Kronprinzen Karl und seiner Frau Olga verrammelt. Die Maßnahme ist dem Vandalismus geschuldet, der hier um sich greift, und trägt zum verwahrlosten Eindruck bei, den die Villa macht: Auf der Sandsteinterrasse sprießt das Unkraut, die Mauern sind mit Graffiti beschmiert. 

Der Anblick tut auch Karl-Heinz Lehrer weh. "Ein Trauerspiel" sei der Verfall der Villa, findet der Landschaftsarchitekt, der als Bezirksingenieur des Garten-, Friedhofs- und Forstamts für Stuttgart-Ost für den Berger Park zuständig ist. Nur für den Park wohlgemerkt, denn die Villa ist im Besitz der mittlerweile insolventen Häussler-Gruppe. Rudi Häussler hatte die Villa seinerzeit erworben - zusammen mit den SWR-Fernsehstudios, die Häussler abreißen und stattdessen Luxuswohnungen errichten lassen wollte. Dafür versprach der Großinvestor, die dringend sanierungsbedürftige Villa entsprechend des Denkmalschutzes zu renovieren.

Insolvenzverwalter sucht nach neuen Investoren

Doch dazu kam es nicht: Häussler ging insolvent. Insolvenzverwalter Michael Pluta gelang es an die Düsseldorfer Projektentwickler PDI Property Development Investors GmbH zu verkaufen. Die Kaufverträge, die eine Frist bis 31. Dezember 2012 enthielten, wurden Ende Dezember 2011 unterzeichnet. Die PDI will die Studiogebäude umbauen und umnutzen.

Während man im Gemeinderat inzwischen auch damit liebäugelt, Stuttgarts Kreativen die Studios zur Verfügung zu stellen, schwebt dem städtischen Garten-, Friedhofs- und Forstamt der ganz große Wurf vor: Langfristig wünscht sich das Amt, dass die Villa und der Park wieder so dastehen, wie sie einst von Karls und Olgas Architekten Christian Friedrich Leins ersonnen wurden – samt der beiden Seitenflügel, die der Villa in den 1950 Jahren amputiert wurden.

De facto hieße das, dass nicht nur die Fernsehstudios weichen müssten, sondern auch der denkmalgeschützte Gutbrodbau. Das Nachkriegsgebäude des renommierten Architekten Rolf Gutbrod steht nämlich ausgerechnet in der Hauptachse der Villa zum Schloss Rosenstein, die einst die beiden königlichen Bauten verband, und an der sich die komplette Gartenanlage einst ausrichtete.

Immerhin habe der Gemeinderat bei der Vorstellung der „Zukunftsvision“ Ende 2009 sehr positiv reagiert, erinnert sich Bezirksingenieur Karl-Heinz Lehrer. Doch ob die Stadt tatsächlich selbst das Geld in die Hand nimmt, um den Park und die Villa – übrigens das einzige königliche Gebäude, das einmal in städtischem Besitz war – zu sanieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist durchaus fraglich.

Zusehender Verfall der Villa - nichts passiert

Der zusehende Verfall der Villa beschäftigt auch den Verein „Berger Bürger“. Hin- und hergerissen ist dessen Vorsitzende Monika Benda, wenn man sie aufs Wohnen im Park anspricht: "Unser allererstes Ziel ist es, die Villa Berg zu retten und den Park zu renaturisieren. Die Villa Berg und ihr  Park müssen für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Wir würden aber in den sauren Apfel beißen und einer privaten Nutzung des SWR-Fernsehstudio-Areals zustimmen – bevor die Villa Berg den Bach runter geht."

Die Zukunftsvision des Garten-, Friedhofs- und Forstamt für die Gartenanlage der Villa Berg als PDF

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