Gute Vorsätze für 2019: Viele nehmen sich vor, Sport zu treiben. Deshalb sind im Januar viele Fitnessstudios voll und es kann eng beim Training werden. Foto: dpa

Sport ist Balsam für Körper und Seele, hilft beim Aggressionsabbau – und erhöht auch die Lebenserwartung der Menschen, die einen im Alltag gern in den Wahnsinn treiben. Aber Sport kann einen auch in den Wahnsinn treiben, wenn andere einem dabei auf die Nerven gehen.

Stuttgart - Mit den guten Vorsätzen für 2019 ist es wie jedes Jahr: Sie sind vergessen, noch ehe die Sporttasche gepackt ist. Ein paar Hartgesottene gibt es jedoch, die sich ein, zwei Monate lang am Riemen reißen, wild entschlossen ins Sportstudio rennen – und nicht wissen, dass dort ungeschriebene Gesetze herrschen. Noch nie davon gehört? Dann jetzt bitte aufmerksam den kleinen Knigge für Fitnessanfänger lesen. So schaffen Sie es vielleicht auch, länger als nur ein paar Wochen durchzuhalten .

Warten, bis ein Platz frei wird

Im Sportstudio ist es wie in einem guten Restaurant: Man wartet auf den Kellner und setzt sich nicht ungefragt an einen freien Tisch. Wer sich also schon eine Viertelstunde vor Kursbeginn die Nase an der Scheibe platt drückt, wartet, bis alle – wirklich alle! – ihren angestammten Platz eingenommen haben. Erst wenn der Trainer das Startsignal gibt, sucht man sich eine geeignete Lücke – bevorzugt in den hintersten Reihen. Warum? Platzhirsche, die ihr halbes Leben im Fitnesspark verbringen, sind überzeugt davon, dass ihre Plätze auf Lebenszeit vergeben sind, und zudem völlig überfordert, wenn sie plötzlich die Ecke wechseln müssen.

Nicht rumhampeln

Ein guter Sportler hat seine Augen überall – und kommt deshalb seinen Mitmenschen selbst bei den schwierigsten Koordinationsübungen nicht zu nahe oder hampelt quer durchs Studio. Egal, ob man beim Aufwärmtraining einen großen Ausfallschritt machen oder die Arme weit ausladend zur Seite strecken soll. Und auf gar keinen Fall rücken wir beim Schattenboxen oder bei Kicksprüngen den Nachbarn auf die Pelle. Die ganze Anstrengung ist nur sinnvoll, wenn die Übungen auch in der Praxis getestet werden, denken Sie jetzt? Nun, da bietet sich andernorts ja vielleicht die eine oder andere Möglichkeit.

Trainer nicht anhimmeln

Sport kann mitunter ziemlich schweißtreibend sein. Und wer glaubt, der Vorturner vorm Spiegel zeigt sich gnädig, wenn man mal ein kleines Päuschen einlegt und die Zeit für schmachtende Blicke nutzt, irrt gewaltig. Wer beim Sport kneift, nur weil eine Übung zu anstrengend ist, wird vom Trainer gerne mit Extrarunden belohnt – die dann selbstverständlich alle absolvieren müssen. Und mal ganz ehrlich: den Trainer anhimmeln, nur weil er gut aussieht, tolle Muskeln und obendrein noch Humor hat – aus dem Alter sind wir echt raus.

Keine Spaghettiträger

Wer ins Fitnessstudio geht und hofft, irgendwann mal so auszusehen wie Angelina Jolie als Actionheldin Lara Croft oder Daniel Craig als stahlharter James Bond, dem sei gesagt: alles ist möglich, aber nicht alles erlaubt. Knappe und enge Outfits, die einem fast die Luft abschnüren, stehen nicht jedem. T-Shirts mit Spaghettiträgern waren ohnehin noch nie angesagt – nicht nur, weil sie beim Training unpraktisch sind. Ganz abgesehen davon: Das Sportstudio ist kein Catwalk, schon gar nicht, wenn die Gesichtsfarbe jedem roten Teppich Konkurrenz machen würde.

Nicht telefonieren

Ja, beim Training darf auch geredet werden. Man will ja wissen, wer mit einem mitleidet, wenn der Trainer sagt, man soll beim Sport auch mal an seine Grenzen gehen und unbarmherzig auf die Zehn-Kilo-Hanteln zeigt. Aber muss wirklich der halbe Saal gleich die ganze Lebensgeschichte erfahren und wissen, warum Emely mit zehn Jahren noch nicht alleine shoppen gehen darf oder Ole schon wieder keine Lust auf Klavierunterricht hat? Schließlich sollte der Puls nur steigen, weil wir 20 Kilo stemmen – und nicht, weil wir uns jetzt auch noch im Handyweitwurf üben müssen.

Nicht zu lange duschen

Wenn man sich nach einer harten Trainingsstunde abgekämpft in die Umkleidekabine schleppt und sich auf eine heiße Dusche freut, gibt es nichts Schöneres als die Vorstellung, stundenlang unterm Brausenkopf zu stehen. Doch diesem Impuls sollte man auf keinen Fall nachgeben, denn bei einem verstehen Sportler, die splitternackt vor der Dusche warten müssen, keinen Spaß: bei lauwarmem Wasser. Da kühlt sofort jede neu geschlossene Freundschaft ab.

Nicht aufgeben

Wer jetzt denkt, wozu soll ich mir den ganzen Stress überhaupt antun, dem sei gesagt: durchhalten lohnt sich! Fragen Sie mal die Kollegen der Chronistin, die jeden Morgen erleichtert sind, wenn sie ihnen erzählt, dass sie am Vorabend im Sport war und noch immer total entspannt und gelassen ist. Seit 13 Jahren rackert sie sich im Fitnessstudio ab – und steht dort, wo lauter nette Leute um sie herum sind, die ihr am Herzen liegen: in der zweitletzten Reihe.

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