Vor knapp einem Jahr ereignete sich die Öko-Katastrophe an der Jagst. Foto: dpa

Vor einem Jahr schwamm nach einem Chemieunfall an der Jagst eine 23 Kilometer lange Giftfahne den Fluss herunter. Nun haben Behörden die Düngerlager im Land unter die Lupe genommen - mit beunruhigenden Ergebnissen.

Stuttgart - Knapp ein Jahr nach der Öko-Katastrophe an der Jagst offenbart eine landesweite Überprüfung von 307 Düngerlagern erhebliche Mängel. Das teilte das Umweltministerium am Montag in Stuttgart mit. Bei etwa der Hälfte der 307 begutachteten Lager stellten die Behörden fest, dass Vorrichtungen nötig sind, um Löschwasser im Brandfall zurückzuhalten.

Nur in 54 Prozent dieser Fälle (rund 80 Anlagen) war eine solche Löschwasserrückhaltung vorhanden und nur bei etwa 35 Anlagen (23 Prozent) war sie auch tatsächlich ausreichend bemessen. Aber selbst dort, wo es entsprechende Vorrichtungen gab, waren sie nicht immer nutzbar - zum Beispiel weil Absperrungen fehlten. „Es ist erschreckend, wie sorglos viele Betreiber von Düngerlagern mit ihrer Verantwortung für den Schutz der Umwelt umgehen“, sagte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne).

Bei einem Mühlenbrand in Kirchberg (Kreis Schwäbisch Hall) war am 23. August mit dem Löschwasser Ammoniumnitrat aus Düngemitteln in das Gewässer gespült worden. Eine 23 Kilometer lange Giftfahne schwamm zwei Wochen lang die enge Jagst hinunter. Tausende Fische verendeten.

„Die festgestellten Mängel sind erschreckend“

In den überprüften Betrieben lagern sowohl ammoniumhaltige, als auch ammoniumfreie Düngemittel in saisonal unterschiedlichen Mengen von einem Zentner bis zu mehreren tausend Tonnen. Hinzu kommen oft auch Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel sowie gelegentlich zusätzlich Treib- und Brennstoffe wie Diesel oder Heizöl.

Die Überwachungsbehörden forderten die Betreiber auf, die Mängel zu beseitigen. In einzelnen Fällen wurden zudem Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet oder Zwangsgeld angedroht.

In 81 Fällen waren die Betreiber verpflichtet, ihre Anlagen regelmäßig von Sachverständigen überprüfen zu lassen. Nur bei 32 Anlagen (40 Prozent) hatten die Betreiber diese Prüfungen tatsächlich veranlasst, wie Untersteller weiter mitteilte. „In den anderen Fällen gingen die Betreiber fälschlicherweise davon aus, dass Düngemittel keine wassergefährdenden Stoffe seien.“ Selbst wenn zusätzlich noch Pflanzenschutzmittel gelagert wurde, erklärten viele Betreiber, es sei ihnen nicht bewusst gewesen, dass hiervon Gefahren für die Umwelt ausgehen könnten.

„Die festgestellten Mängel sind erschreckend“, betonte Untersteller. „Im Rahmen unseres Jagst-Aktionsprogramms prüfen wir daher, wie wir die Betreiber künftig besser über ihre bestehenden Pflichten informieren und sie auf die bestehenden Risiken hinweisen können“, sagte der Minister.

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