„Esslingens Schande“ – harsche Kritik am Esslinger Polizeirevier, das im Hintergrund zu sehen ist. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod des Luca S. erinnern Transparente in der Esslinger Innenstadt an den Verstorbenen und üben Kritik an der Polizei. Was hinter der Aktion steckt.

Ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod des Luca S. in Esslingen hängen an mehreren Standorten in der Innenstadt Transparente, die an den Verstorbenen erinnern, der mit 31 Jahren aus dem Leben gerissen worden war. Darauf zu lesen ist deutliche Kritik an der Polizei und der Staatsanwaltschaft.

 

Diese hat nach Einschätzung des Umfelds des am 14. November 2024 Getöteten im Vorfeld der Tat, als ein Mieter eines Hauses in der Straße Am Kronenhof nicht nur das Gebäude niederbrannte, sondern auch Luca S. und anschließend sich selbst erschossen hatte, Warnzeichen verkannt. Obwohl eine Prüfung durch die Staatsanwaltschaft Heilbronn ergab, dass sich die Behörden nichts vorzuwerfen hätten, sitzt die Wut bei vielen tief.

„Gerechtigkeit für Luca“

So ist am frühen Freitagmorgen auf einem Transparent in unmittelbarer Nähe zum Polizeirevier an eine Brücke etwa zu lesen: „Hier pennt und vertuscht Esslingens Schande“, an der Pliensaubrücke über der vielbefahrenen Ulmer Straße hängt ein Banner mit der den Worten: „Ihr könnt die Akte schließen – aber nicht euer Gewissen!“ Am Bauzaun der Brandruine in der Straße Am Kronenhof, wo sich die Wahnsinnstat damals abgespielt hatte, steht: „Gerechtigkeit für Luca.“

Das Wort „Luca“ ist in blauen Lettern angebracht. Informationen unserer Zeitung nach wurde die Banner-Aktion aus Teilen der Fanszene der Stuttgarter Kickers heraus organisiert, in der auch Luca S. aktiv war. Auf den Transparenten selbst ist auch das Kürzel der Ultra-Gruppe „Blaue Bomber“ zu sehen.

Auch an der Ulmer Straße war ein Transparent angebracht. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Die Fußballfans sammelten nach Luca S. Tod auch Spenden für die Hinterbliebenen, 20 000 Euro kamen zusammen. Auch bei Kickers-Spielen im vergangenen Jahr erinnerten sie mit Transparenten an Luca S.

Am 14. November vor einem Jahr tötete ein 61-Jähriger Mieter in den frühen Morgenstunden Luca S. mit einer selbstgebastelten Waffe und setzte das Haus in Brand, in dem auch Luca S.’ Verlobte und Rolf Seufferle, der Vater und Hausbesitzer, lebten. Die Verlobte rettete ihr Leben wohl nur durch einen Sprung aus dem Fenster und erlitt schwerste Brandverletzungen. Seufferle, der ganz oben wohnte, wurde durch Einsatzkräfte aus den Flammen gerettet.

Streit um Rolle der Behörden

Dem Mieter stand unmittelbar eine Zwangsräumungsklage bevor. Er soll seine Tat, Luca S. umzubringen und das Haus anzuzünden, mehrfach angekündigt haben. Die Hinterbliebenen kritisieren, dass die Behörden nicht handelten, obwohl sie im Vorfeld sowohl über die Existenz selbstgebauter Waffen als auch über die sinistren Absichten des Mieters in Kenntnis gesetzt worden seien.

Am Freitagmorgen erinnerten Banner an seinem Todestag an Luca S. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Die Staatsanwaltschaft Heilbronn, welche die Prüfung möglichen Behördenversagens aus Neutralitätsgründen übernommen hatte, konnte allerdings kein Fehlverhalten feststellen. Alleine anhand der Beschreibung der Waffen habe im Vorfeld nicht davon ausgegangen werden müssen, dass diese tatsächlich funktionierten. Zwar eine Fehleinschätzung, die allerdings nichts daran ändere, dass die involvierten Strafverfolgungsbehörden im Lichte der vor der Tat verfügbaren Informationen nicht zwingend hätten anders handeln müssen.

Vater Rolf Seufferle wollte die Entscheidung juristisch nicht anfechten, teilt die Auffassung allerdings nach wie vor nicht. Zum Todestag seines Sohnes sagte er gegenüber unserer Zeitung: „Das Wissen, zukünftig ohne mein Kind leben zu müssen, hat in meinem Inneren etwas bewirkt, von dem ich weiß, dass es mich bis ans Ende meines Lebens begleiten wird. Ich glaube, man nennt es Trauer.“