Eddie Van Halen (rechts) in einem für ihn typischen Outfit und mit der für ihn typischen Gitarre 1984 bei einem Konzert im kalifornischen Inglewood Foto: imago images/MediaPunch/Kevin Estrada

Ende der 70er Jahre stieg Eddie Van Halen zum neuen Gitarrengott auf, der mit seinen explosiven Soli bald Songs von Michael Jackson verzierte. Am 26. Januar wird Eddie Van Halen 65 Jahre alt.

Stuttgart - Kein anderer Rock-Gitarrist der zweiten Generation hat die Möglichkeiten des Instruments in einem solchen Maß revolutioniert und erweitert wie Eddie Van Halen. Das gilt sowohl für die Spieltechniken als auch für den fett übersteuerten Sound. Ungezügelt und dabei präzise, sagenhaft schnell und dabei immer den Groove im Blick, ein wahrer Rocker und doch von Soul und Blues beeinflusst, führte er das Tapping mit beiden Händen auf dem Griffbrett ein, das er bis hin zu Bach-Imitationen trieb. Das Potenzial des Tremolohebels reizte er so weit wie möglich aus und erzeugte extreme tonale Abstürze („Divebomb“) und Aufschwünge.

All das war nur möglich, weil Eddie Van Halen auch ein Bastler und Forscher ist. Er entwickelte ein stimmstabiles Tremolo-System, modifizierte Gitarren, Tonabnehmer und Röhrenverstärker und entlockte ihnen einen davor ungehörten, funkensprühenden Klang. Der ist als „Brown Sound“ längst Legende, Millionen von E-Gitarristen und Equipment-Hersteller haben ihn zu kopieren versucht. Auch visuell setzte Eddie van Halen Zeichen: Die Band mit seinem Bruder Alex am Schlagzeug, dem exaltierten Sänger David Lee Roth und dem Bassisten Michael Anthony hatte eine Vorliebe für besonders schrille Bühnenkleidung und -auftritte. Eddie selbst spielte gern mit freiem Oberkörper und gab seinen einem selbstentwickelten Streifenlook auf seinen Gitarren.

Zu Eddie Van Halens 65. Geburtstag am 26. Januar zehn der denkwürdigsten Momente des in Amsterdam geborenen Gitarristen, der in Los Angeles, der Wahlheimat seiner niederländischen Eltern, ein ganz eigenes Westcoast-Feeling entwickelt hat.

1. Eruption (1978)

der Titel passt perfekt – und Gitarristen weltweit rieben sich die Ohren, als Eddie Van Halen mit diesem Solo-Instrumental auf der Bildfläche erschien: Was macht der Mann da? Und vor allem: wie?

2. Runnin’ with the Devil (1978)

„I live my life, like there’s no tomorrow“, singt David Lee Roth zu einem jener groove-getränkten Trademark-Riffs, wie sie nur Eddie Van Halen spielt.

3. Ain’t talkin’ ’bout Love (1978)

Dieser Song enthält eines der berühmtesten Arpeggios der Rockgeschichte, das in den 90er Jahren von HipHoppern gesampelt wurde.

4. Beautiful Girls(1979)

Ein albernes kleines Strandlied des stets nach Damen Ausschau halten den David Lee Roth hätte dies werden können – doch van Halens Gitarrenspiel, ein ausgeklügeltes Arrangement und und kalifornische Satzgesänge machen es zu einem Juwel.

5. And the Cradle will rock (1980)

Eine getragene Hymne aufs Rockmusik-Zeitalter, als elektrifizierte Songs wie dieser noch Bürgerschreck-Qualitäten hatten.

6. Fools (1980)

Brillantes Instrument-Intro, brachiales Gitarrenriff, klare Botschaft: Alle doof außer ich.

7. Mean Street (1981)

Typisch Van Halen: Ausgefuchstes Riffing über einem zerhackten Beat und ein eingängiger Chorus.

8. Beat it (1982)

Spätestens, nachdem dieser Song von Michael Jackson weltweit die Charts und die Radiostationen erobert hatte, kannte die ganze Welt Eddie van Halen – der die Anfrage des Produzenten Quincy Jones zunächst für einen Scherz hielt. Der Legende nach fing ein Monitor-Lautsprecher im Studio Feuer, während er zwei Versionen des Solos einspielte, für das er keine Gage verlangte.

9. Jump (1984)

Eddie ging unter die Keyboarder und erfand gleich ein Thema für einen Welthit, den wirklich jeder kennt – mit einem ganz typischen 80er-Sound.

10. Hot for Teacher (1984)

Schräges Riffing zu Beginn, dann ein ZZ Top-artiges Riff und schließlich die volle Rock’n’Roll-Dröhnung prägen diesen Song – und ein pubertärer Text des stets vor Übersexualisierung strotzenden David Lee Roth.

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