Die Verwaltung will in allen Stadtbezirken eine eigene Bibliothek einrichten. Aus Sicht der SPD ist eine schnelle Interimslösung, eine Pop-up-Bücherei, neben der Grundschule möglich. Langfristig soll ein Standort im Neubaugebiet neben dem Bahnhof entstehen.
Die Stadtbibliothek am Mailänder Platz ist ein Erfolgsmodell. Ebenso sind auch die Büchereien in den einzelnen Stadtbezirken in Stuttgart ein Treffpunkt für Schüler, für Familien mit Kindern und für weniger mobile Einwohner. Doch noch nicht überall gibt es ein wohnortnahes Angebot. Daher fordert die SPD-Gemeinderatsfraktion, auch eine Stadtteilbibliothek in Obertürkheim einzurichten.
Kein bürgerfreundliches Angebot bislang
Denn bislang sind die Leseratten auf das mobile Angebot in der Landeshauptstadt angewiesen – wenn die vorgesehenen Flächen nicht von Falschparkern belegt sind. Samstags von 10 bis 13 Uhr am Obertürkheimer Markt und am Mittwoch von 15.15 bis 16.15 Uhr unterhalb des Uhlbacher Platzes macht die Fahrbibliothek Station im Stadtbezirk. Ansonsten führt der Weg zu den nächstgelegenen Büchereien nach Untertürkheim oder in den Stuttgarter Osten. Nicht gerade ein bürgerfreundliches Angebot. Insofern hat der Gemeinderat bei Beratungen für den Doppelhaushalt 2022/2023 fraktionsübergreifend beschlossen, in den bislang nicht mit einer Bibliothek versorgten Stadtbezirken, nach Möglichkeiten zu suchen, weitere Einrichtungen zu schaffen. Namentlich handelt es sich dabei um Hedelfingen, Obertürkheim, Wangen und Birkach.
Während in Hedelfingen eine Lösung in der geplanten neuen Sporthalle gefunden zu sein scheint, gestaltet sich die Suche in den anderen Stadtbezirken bislang äußerst schwierig – auch in Obertürkheim.
Großer Bedarf vorhanden
Dabei scheint der Bedarf gerade dort sehr hoch zu sein. Immerhin liegt der Anteil der Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren im Stadtbezirk bei 20 Prozent und damit drei Prozent über dem städtischen Durchschnitt. Gar bei 59 Prozent liegt der Anteil der Kinder mit einer Grundschulempfehlung für das Gymnasium. Zudem könnte die Einrichtung die vorhandene Lücke an Lernräumen für Homeschooling oder Teamarbeiten schließen, die in Stadtbezirken mit einem hohen Anteil an Bonuscard-Nutzern besonders hoch ist. Obertürkheim liegt mit 38 Prozent deutlich über dem stadtweiten Durchschnitt (32 Prozent). Laut dem städtischen Sozialdatenatlas ist der Anteil im Ortskern noch einmal extrem höher.
Langfristige Lösung soll im Neubaugebiet am Bahnhof entstehen
„Eine ortsfeste Stadtteilbibliothek wäre für Obertürkheim ein großer Gewinn“, ist SPD-Betreuungsstadtrat Michael Jantzer überzeugt. In Absprache mit Stadtbibliothek, Schule und Schulverwaltungsamt scheint aus Sicht der Sozialdemokraten eine schnelle Lösung nunmehr gefunden. Im Blickfeld liegt dabei das Gebäude Uhlbacher Straße 24. Dieses hatte die Stadt im vergangenen Jahr für eine angedachte Erweiterung der Grundschule erworben. Mit rund 60 Quadratmetern Fläche biete es vorübergehend genügend Platz. „Die Chance für eine Pop-up-Bibliothek neben der Grundschule sollte als Interimslösung zeitnah angegangen werden“, so Jantzer.
Als langfristige Lösung solle die Stadt auch einen möglichen Neubau an der Uhlbacher Straße und auch im geplanten Wohn- und Gewerbegebiet neben dem Bahnhof prüfen. Auf dem 2,6 Hektar großen Areal soll ein neues Viertel mit Läden, Geschäften und 175 Wohnungen entstehen – und eben auch eine neue Anlaufstelle für Leseratten.