Eier-Skandal Das Huhn als Haustier

Von Melanie Maier 

Glückliches Huhn: freier Auslauf, ausreichend Pick-Material. Foto: dpa
Glückliches Huhn: freier Auslauf, ausreichend Pick-Material. Foto: dpa

Kann man Eier noch bedenkenlos essen? Diese Frage stellen sich nach dem Fipronil-Skandal zahlreiche Verbraucher. Wer auf Nummer sicher gehen möchte: Einfach selbst Hühner halten. Eine Tierärztin gibt Tipps.

Stuttgart - Nicht einmal im Urlaub ist man vom Eier-Skandal sicher. In gleich vier Hotels in der Hauptstadt Bratislava hat die slowakische Lebensmittelbehörde an diesem Donnerstag mit Fipronil belastete Eier gefunden. Ja, bekommt man denn nirgends mehr ein Frühstücksei vom glücklichen, fipronilfreien Huhn? Wer auf Nummer sicher gehen möchte, dem bleibt so langsam nur noch eins: selbst Hühner halten. So weiß man genau, woher die Eier kommen und mit welchen Desinfektionsmittel die Eier-Produzentin besprüht wurde. Oder eben auch nicht.

„Hühner eignen sich grundsätzlich als Heimtier“, sagt die Stuttgarter Tierärztin Heike Roloff. „Sie können sogar richtig streichelzahm werden.“ Vor der Anschaffung sollte man sich jedoch über einige Dinge im Klaren sein. Zum einen: Hühner sind Gruppentiere, einzeln sollte man sie nicht halten. Auf einen Hahn (falls Nachwuchs erwünscht ist) kommen in der Regel bis zu sechs Hennen. Darüber hinaus brauchen die Tiere viel Platz. „Sie brauchen einen Stall mit überdachtem, eingezäunten Auslauf, der sie gegen Füchse und Marder schützt“, sagt Heike Roloff. Bei Stallpflicht, etwa wegen eines erhöhten Vogelgrippe-Risikos, sollte der Stall zudem groß genug sein, um auch ein mehrmonatiges Leben darin ohne Stress zu ermöglichen. Pro Huhn rechnet man mit etwa zehn Quadratmetern Auslauffläche sowie im Stall vier bis fünf Hühner pro Quadratmeter. Je mehr Platz die Tiere zur Verfügung haben, desto besser. „Ein Hühnerstall ist im Wohngebiet jedoch teilweise baurechtlich nicht zulässig“, erklärt Heike Roloff.

Die Tiere beim Veterinäramt anmelden – und impfen lassen

Darüber hinaus könnte Streit mit den Nachbarn drohen: Es ist nun einmal nicht jeder ist begeistert, wenn im Garten nebenan frühmorgens schon der Hahn kräht. Wer die Hühner im Garten frei laufen lässt, muss zudem damit leben können, dass die Vegetation leidet. Denn zu den typischen Verhaltensweisen der Tiere gehört unter anderem das ausgiebige Scharren zur Futtersuche.

Wer sich trotz alledem fürs Huhn entscheidet, sollte wissen, dass er schon das erste Tier beim Veterinäramt anmelden muss. „Rechtlich gesehen sind Hühner Nutztiere“, erklärt Heike Roloff. „Ab 50 Tieren muss man sich zudem bei der Tierseuchenkasse anmelden.“ Auch wichtig: Je nach Impfstoff müssen die Tiere ein- oder mehrmals gegen die Newcastle-Krankheit geimpft werden, die durch ein Virus ausgelöst wird und meist tödlich endet. „Zum Impfen muss man sich an einen Tierarzt wenden, aber nicht jeder Tierarzt befasst sich mit Hühnern“, sagt Heike Roloff. Die Mitgliedschaft in einem Kleintierzüchterverein, in dem ohnehin regelmäßig geimpft wird, könne dabei helfen.

Und was für ein Huhn soll es denn nun sein? Allein in Europa kommen etwa 180 Hühnerrassen vor. Die meisten Hobbyhalten bevorzugen pflegeleichte und robuste Rassen wie Dresdner Huhn, Leghorn- und Brahma-Huhn oder auch alte Landhuhnrassen wie Orpington oder das Appenzeller Barthuhn. Wie viele Eier die Hühner schlussendlich legen, hängt auch von der Rasse ab. Allerdings lässt die Legeleistung bereits im Alter von zwei Jahren merklich nach. Es bietet sich daher an, unterschiedliche Rassen und unterschiedlich alte Tiere zu halten. So ist die Frühstücksei-Versorgung vom glücklichen Huhn gesichert.

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