Die große Solaranlage im brandenburgischen Senftenberg ist Vorbild für den geplanten Energiepark am Ludwigsburger Römerhügel. Foto: dpa

Wo Kornwestheim und Ludwigsburg zusammentreffen, wollen die Stadtwerke eine Anlage zur Stromerzeugung mit Sonnenenergie bauen. Naturschützer geben grünes Licht. Aber bis 2020 muss alles laufen.

Ludwigsburg - Bei einer Fördersumme von zehn Millionen Euro könnten die Ludwigsburger schlecht nein sagen, sagt der SPD-Stadtrat Dieter Juraneck. Tatsächlich schätzen sich Verwaltung und Gemeinderat glücklich, dass die Barockstadt dank dieses Geldsegens vom Land die mit deutlich mehr als 8000 Quadratmeter wohl größte Solaranlage Deutschlandsbauen kann. Inzwischen ist klar: Der am Römerhügel geplante Kollektorenpark wird auch nicht an Keltengräbern oder Populationen von Zaun- und Mauereidechsen scheitern.

Der Zeitdruck ist groß

Seit der überraschenden Nachricht, dass die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) in Sachen Solarenergie das große Los gezogen haben, sind acht Monate vergangen. „Wir haben die Zeit gut genutzt“, sagte der SWLB-Geschäftsführer Bodo Skaletz bei der Vorstellung des Großprojekts Solar-Head-Grit im Ludwigsburger Bauausschuss. Das ist auch nötig, denn die Zusage für die außergewöhnlich hohe Fördersumme von 10,4 Millionen Euro ist an einen engen Zeitplan geknüpft. Wenn die bis dato größte Solaranlage Deutschlands nicht bis Ende Mai 2020 in Betrieb geht, verfällt der Anspruch auf das Geld vom Land Baden-Württemberg, das den Löwenanteil der Gesamtkosten von rund 14 Millionen Euro abdeckt.

Das Areal sei von Archäologen und den Naturschutzbehörden untersucht worden, sagt Ulrike Schmidtgen, die Leiterin des städtischen Fachbereichs Tiefbau und Grünflächen. Während die Altertumswissenschaftler nichts gefunden hätten, was eine Ausgrabung nötig machte, hätten die Biologen Populationen von Zaun- und Mauereidechsen ausgemacht. Diese gehörten zwar zu den bedrohten Arten, seien aber durch eine Solarthermie-Anlage nicht gefährdet. „Wir hatten den Eidechsenpapst hier (gemeint ist der Landschaftsökologe Hubert Laufer, Anmerkung der Redaktion), und der hat uns erläutert, dass die Tiere eine Lebensraumfläche von 7500 Quadratmetern benötigen“, sagt Schmidtgen. „Wir müssen ein neues Habitat mit Verbindungswegen anlegen.“ Die Fläche sei vorhanden.

Der Zeitplan stehe deshalb nicht in Frage, sagt Bodo Skaletz: „Wir beginnen nun mit dem Bebauungsplanverfahren.“ Zugleich wollen die SWLB weitere Äcker auf Kornwestheimer Markung hinzukaufen. „Vermutlich in Erbbaurecht“, sagt Skaletz, um so für eine mögliche Expansion gerüstet zu sein. Aktuell ist das geplante Gelände zwischen dem Wasserturm in Ludwigsburg und dem Beginn der Markung Kornwestheim 25 000 Quadratmeter groß.

Zur Illustration zeigte der bei den Stadtwerken zuständige Projektleiter Steffen Kurz Fotos von einer großen Solaranlage im brandenburgischen Senftenberg. „Wie dort werden die Solarmodule auf einer Wiese ausgebreitet“, erläuterte er. „Die Unterkante der Module wird etwa 40 Zentimer vom Boden entfernt und die Oberkante etwa zwei Meter hoch sein.“

„Leuchtflächenprojekt“ für Ludwigsburg

Thomas Lutz (CDU) und Elga Burkhardt (Lubu) lobten das Vorhaben als neues Leuchtturmprojekt, Dieter Juranek sprach von einem „Leuchtflächenprojekt“. Geplant sei auch der Anschluss dreier sogenannter Inselnetze an das bestehende Fernwärmenetz, sagte Kurz. Zur neuen Anlage gehöre ein großer Wärmespeicher, ein Gebäude, das vermutlich 20 Meter hoch sein wird. „Diese Anlage ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz“, sagte der Baubürgermeister Michael Ilk. Sobald sie laufe, produziere Ludwigsburg jährlich 3700 Tonnen Kohlendioxid weniger.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: