Warum Hochbetagte und lang Verheiratete, die im Mai feiern, die Urkunde vom Land erst verspätet bekommen.
Es dauert immer eine Weile, bis nach Wahlen das Regierungsgeschäft wieder rund läuft. Routinen werden unterbrochen – und neu aufgenommen. Das gilt auch für die alte Tradition in Baden-Württemberg, dass der Ministerpräsident besondere Jubilare persönlich ehrt. Wer einen runden Geburtstag (mindestens 90) oder ein rundes Ehejubiläum (von 50 Jahren an) feiert, bekommt eine Urkunde mit seiner Unterschrift – vom 105. Geburtstag an sogar jedes Jahr. „Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen zu diesem Ehrentag zu gratulieren“, schrieb Winfried Kretschmann da etwa.
Der Unterschriften-Automat wird neu programmiert
Um die 80 000 Glückwunsch-Urkunden verschickt die Staatskanzlei Jahr für Jahr an die Kommunen, die sie zuvor beantragt haben. Grundlage ist eine Bekanntmachung von 1997, nach der die Bedachten „der Ehrung würdig“ sein müssen. Doch seit Anfang Mai müssen Hochbetagte und lang Verheiratete zunächst ohne die Glückwünsche des Premiers auskommen. Schon früh wurden die Gemeinden informiert, dass die Urkunden für Mai und Juni 2026 „erst nach erfolgter Regierungsbildung beantragt werden können“.
Es galt schließlich abzuwarten, wer fortan der Gratulant sein würde. Und auch der Unterschriften-Automat, über dessen Einsatz diskret geschwiegen wird, muss neu programmiert werden. Statt Kretschmanns Signatur ziert künftig die von Cem Özdemir die Urkunden – wenn er denn am Mittwoch planmäßig gewählt wird. Leer ausgehen soll indes keiner der erst mal unbedachten Mai-Jubilare: Wie bei früheren Wahlen und Wechseln würden „selbstverständlich alle Glückwunsch-Urkunden rückwirkend ausgestellt und den Gemeinden übersandt“, versichert ein Regierungssprecher. Die Maßgabe, sie „am Festtag, möglichst durch den Oberbürgermeister oder Bürgermeister“ auszuhändigen, gilt mithin nur teilweise.